Das GFS Modell sagt fürs Wochenende einen richtigen Herbststurm für die Kanarischen Inseln voraus. Das bringt ordentlich Wind (im Mittel bis 35kn) und Regen. Der NE Passat bei den Kapverden wird davon sozusagen weggesaugt. Rode Zora v. Amsterdam auf ihrem Weg in die Karibik bekommt Flaute und die Teilnehmer der ARC, die am letzten Wochenende gestartet sind bekommen ordentlich was auf die Mütze, wie man in Norddeutschland gerne sagt. Passatsegeln fällt also für die nächsten drei Tage aus. Danach sollte sich die Situation wieder stabilisieren…
//WL2K Rode Zora Statusupdate
Rode Zora Statusupdate 22.11.2017 20:00 UTC
Heute um 9:00 lokaler Zeit ausgelaufen in Mindelo, Cabo Verde, mit Ziel Barbeidos.
Die Anfangs guten Bedingungen mit NO 4-5 Bft zwischen den Inseln Santo Antao und Sao Vicente haben leider nicht gehalten. In den letzten Stunden ist der Wind eingeschlafen und wir liegen bei ca. 2-3 Knoten und schlagenden Segeln im Schwell. Wir hoffen, dass wir die Windfelder in den nächsten zwei Tagen vernünftig ausgesegelt bekommen und sich der Nordostpassat zum Wochenende hin einsellt. Die momentane ETA Prognose liegt im Januar. Das wird sich selbstverständlich noch ändern.
Heute waren wir wieder mit der Angelausrüstung erfolgreich: Golden Makarel ca. 3 Kg.
Der Zwischenstand im translatlantischen Doppelkopfturnier lautet nach Tag 1:
Vincenco: 20 (selbstverständlich geschummelt)
El Lassito: -2
Le Bob: -6
Erik aka (sehr zu seinem Leidwesen) Jan Henrick: -12
Ansonsten genießen wir die üblichen 27 Grad bei Sonnenschein und arbeiten an unserem vorweihnachtlichem Teint.
Liebe Grüße
Vincent, Lasse, Jan Henrick, Jakob
Der Schotenfresser
Gestern erreichte uns diese Nachricht:
Also hat der Klüver zugeschlagen und wieder mal eine Schot gefressen. Die geschredderte Schot hatten wir im Juni in Ramsgate neu gekauft. Schon auf der Edinburgh Tour 2015 war die Küverschot kaputt gegangen. Damals war aber nur der Mantel vom Schlagen gegen die Wanten durchgescheuert und der Kern hatte noch 2 Tage durchgehalten. Seitdem haben wir regelmäßig neue Klüverschoten gebraucht. Das ist ganz schön aufwändig…
Und jetzt muss der gute alte Klüver schon zum zweiten Mal auf dieser Reise aushelfen.
Kommunikation auf See
Gerade eben ist eine winlink email eingetrudelt:
Also hat die Crew die Bedienung der SSB Anlage mit Pactor Modem hingekriegt. Die Anlage besteht ausschließlich aus gebrauchten Teilen, die von funkboerse.de oder ebay stammen. Das Einbauen, Zusammenstöpseln und Inbetriebnehmen hat eine Weile gedauert und war nicht ohne Hindernisse. Zum Einstellen der Anlage waren am Ende ein SWR/Power Meter und ein kleines Digital-Oszilloskop nötig. Jetzt ist der OM doch ein bisschen stolz! Denn, Iridium-Go kann jeder, aber Kurzwelle ist etwas für Feinschmecker. Es gibt sogar eine recht umfangreiche Anleitung mit Erklärung des technischen Hintergrunds. Diese werde ich bei Gelegenheit in den Blog einstellen. Das könnte auch für andere nützlich sein.
Flucht vor dem November, oder „Wer Zora mittels Klo versenkt…“
Es ist tatsächlich soweit! Die Tradewind Crew mit Skipper Jakob verlässt Hamburg am 1. November in Richtung Teneriffa. Der Zeitpunkt könnte kaum besser gewählt sein: Die Uhren sind zurückgestellt, das Laub kommt kübelweise von den Bäumen und Hamburg ist endgültig unter einer grauen Wolkendecke begraben, die sich in den nächsten 6 Monaten nur für kurze und seltene Momente lüften wird. Angesichts dieser Umstände ist es schwer vorstellbar, dass die 5 Segler nach vier Stunden im Flugzeug kurze Zeit später bei 20 Grad und klarem Himmel im Cockpit zu sitzen werden.
Und das ist noch nicht einmal das Ende der Geschichte: Die wollen tatsächlich am 5. November die Leinen loswerfen und zu den Kapverden segeln, mit Wind im Rücken und sternklaren Nächten. Beneidenswert!
Vorher war aber noch einiges zu tun: Eine lange „Todo-Liste“ wurde abgearbeitet, Seekarten, Ersatzteile und allerlei Kleinkram besorgt. Und sogar eine Anleitung für die Toilette für gaaannnzzzz Dooooofe geschrieben. In Anlehnung an einen Spruch, den wir auf dem Örtchen einer wohl bekannten Hamburger Tjalk vor vielen Jahre gesehen hatten, steht dort „Wer Zora mittels Klo versenkt, der hat nicht richtig nachgedenkt!“ Diesen Spruch hatten die Kinder jahrelang zu einer immer wiederkehrenden Melodie auf unserem alten Schiff gegröhlt, bis die Eltern sich verzweifelt die Ohren zugestöpselt hatten. Nun findet sich dieser Spruch wohl eingeschweisst auf Zora wieder, noch dazu ergänzt von der Bemerkung: „Please do not throw anything into the toilet unless you have eaten it before!“
Ach ja: Eine elektronische Fussfessel haben wir der Crew noch verpasst, einen Spot Trace Satellitentracker. Damit sie nicht einfach entscheiden in den Südatlantik oder den Pazifik abzuhauen. Falls das jemanden interessiert: Hier ist der link.
P. S. Falls sich jemand wundert warum der Tracker eine Reise nach Düsseldorf anzeigt: Das war eine Testfahrt 😉
Tolle Junge Leute
Im Film „Das Boot“ gibt es fast am Ende eine besonders eindrucksvolle Szene: Das Boot liegt schon seit Stunden in über 250m Tiefe auf Grund und ist schwer beschädigt. Sauerstoff und Strom gehen zu Neige. Es ist eiskalt und von überall tropft das Wasser. Bis auf wenige liegen die Mannschaften in den Kojen und atmen durch Kali-Patronen. Die Lage erscheint aussichtslos und die meisten haben wohl mit ihrem Schicksal abgeschlossen. Da kommt der Leitende Ingenieur auf die Brücke und berichtet dem Kommandanten, dass die Maschine repariert und alle Lecks gestoppt sind. Der Kommandant murmelt nur: „Gute Leute muss man haben!“
Zurück in die Realität und auf das Vorschiff der Zora einige Meilen vor Madeira: In vollständiger Dunkelheit sind wir aus dem Windschatten der Insel gekommen und in der Beschleunigungszone ist der fast 50m2 große Klüver aus der Rollanlage geflogen. Keiner von uns kann einschätzen, wie stark der Wind gerade ist, aber das Heulen im Rigg ist eindrucksvoll. Juri und der Skipper versuchen das wild schlagende Groß zu bändigen, ein Reff einzuziehen und das Stagsegel zu setzen. Ölzeug haben wir nicht an. Dafür ware keine Zeit. Immerhin sind wir gut gesichert mit Sicherheitswesten und Lifelines. Trotzdem, harte Arbeit!
Da juchzt Juri auf: Vorschiff ist soooo geil! Der Skipper kann das gerade nicht ganz nachvollziehen. Aber so sind die jungen Leute: Einfach toll. Eine kleine Herausforderung und schon wachsen sie über sich hinaus.
Wenige Tage später auf Teneriffa lernen wir Kees van Zon und Erwin Rekers kennen, beide um die 22 Jahre alt. Sie haben sich günstig ein heruntergekommenes 44 Fuß Schiff gekauft und in zwei Jahren von Grund auf saniert. Dabei haben sie alles selber gemacht. Nun sind sie unterwegs und hoffen, dass sie mit ihren Ersparnissen um die Welt kommen. Sollte das Geld ausgehen, wollen sie ihre praktischen Erfahrungen anderen anbieten und so ein wenig Geld verdienen. Der Skipper findet das toll und gibt ihnen gleich ein paar Sachen auf der Zora zu tun. Die billigen, einfachen Lösungen, die sie für das eine oder andere Problem finden, beeindrucken.
Der Skipper hat das Glück immer mal wieder mit diesen jungen Leuten zu segeln. Sie sind ehrgeizig, witzig, stark, ausdauernd und vieles andere mehr. Man kann sich ruhig in die Koje legen und ihnen das Schiff überlassen. Nur weniges kann der Skipper selber vielleicht noch besser – z. B. Kochen bei viel Welle. Aber auch dieser Vorsprung schwindet.
Tja, Gute Leute muss man eben haben!
(P. S. Die Reise von Kees und Erwin kann man hier verfolgen.
Der Passagier
Lissabon Madeira
Freitag, 22. September 2017
Auch dieser Trip beginnt natürlich in üblicher Haas-Manier: „Oh ist es schon halb zwölf?“ Aber wie immer schaffen wir es dann doch pünktlich zum Flughafen. Zwar bedarf es einer kleinen Umpackaktion, um die Gewichtsregularieren der Fluggesellschaft einzuhalten, aber danach läuft alles glatt. Sehr zum Erstaunen unseres Skippers. Alles Gepäckstücke da, immer die richtige Bahn erwischt, Boot schwimmt noch, wie es soll und Abendessen schmeckt. Ah, Moment. Das stimmt nicht so ganz. Auch wenn ich mich im Flieger noch auf alles vorbereite , indem ich die Sammlung von Berichten über gesunkene Segler „Total Loss“ lese, konnte die Lektüre mich nicht auf diesen „Total Loss“ vorbereiten. Die gesamte Ladung Nudeln ging schnurstracks über Bord. Jeglicher Versuch der Crew durch verzweifeltes Hinzufügen von Salz und Pfeffer war absolut vergeblich und schließlich mussten wir aufgeben. Was passiert war: Der Frischwasserhahn am Waschbecken war nach langem Nichtbenutzen noch etwas widerspenstig, da nahm Tobias stattdessen ein bisschen Mineralwasser. Allerdings handelte es sich bei der unetikettierten Flasche nicht um Frischwasser, sondern um Tonic Water. Einen Versuch es mit Gin zu verbessern haben wir unterlassen, aber sollte einer unser Leser damit Erfahrung gemacht haben, würden wir uns sehr über einen Erfahrungsaustausch freuen.
Samstag, 23. September 2017
Wenn du hast Scheiße am Schuh, dann hast du Scheiße am Schuh. Tja auch im sonnigen Cascais ist man nicht davor gefeit in Scheiße zu treten, um so ärgerlicher, wenn diese im eigenen Boot schwimmt. Ein Außenstehender könnte wohl berichtigte Zweifel stellen, ob es sich wirklich um erholsamen Urlaub handelt, wenn man am ersten Tag erst mal das Klo reparieren muss und dann Teile des Bootes mit dessen Inhalt fluten. Allen Zweiflern sei gesagt, alle Beteiligten können es auch nicht verstehen.
Juri und Rahel sind unterdessen mit einem Großeinkauf beschäftigt und kommen voll beladen wieder. Nur noch wenige weitere Vorbereitungen und wir legen ab. Lässt man ein paar Details wenig, war unsere Abfahrt sogar entspannt. Diese Kleinigkeiten wären Diesel, Navigations-iPad, aber wer will schon Details. Wir schauen schnell drüber hinweg, denn wir sind heiß auf segeln! Während einige sich nach dem Abendessen (ohne Tonic, der flog in den Müll) schnell in die Koje verkrümelten, genossen andere den tollen Sonnenuntergang.
Sonntag, 24. September 2017
Die ersten 24h Segeln sind unheimlich entspannt. Zwar ist der Anfang noch nicht sehr erholsam, da wir uns alle erst wieder an das Schaukeln auf See gewöhnen müssen, aber schon bei den ersten Sonnenstrahlen sind alle schwer beeindruckt von dem langen und hohen Atlantikschwell.
Da uns der Wind ein bisschen im Stich lässt, beschließen Tobias und Juri die Köpfe zusammen zu stecken und das Modem für das Kurzwellenfunkgerät zu reparieren. Vereinte Kräfte, grübeln, messen, löten, denken und nach mehreren Stunden: „Die Hardware geht. Nur noch die Software.“ Aber das wird vertagt.
Mittlerweile versuchen wir anderen beiden die Zeit tot zu schlagen. Dank Windsteueranlage, die sogar den Steuermann der Pinta alt aussehen lassen würde, gibt es nichts zu tun, außer zu checken, dass alle anderen Schiffe mehr als 30nm entfernt sind, gelegentlich Essen machen und so wird gelesen, gestrickt und gegessen. Juri bringt es auf den Punkt, der einzige Unterschied, wenn man auf Wache ist, man dürfe nicht schlafen.
Montag, 25. September 2017
Als ich heute um sechs Tobias von seiner Wache ablöste, schwärmt er von einer mitnächtlichen Öffnung der dichten Wolkendecke, sodass er den Orion bestaunen konnte. In der Tat ist der Sternenhimmel mitten auf dem Meer spektakulär.
Später am Tag gibt es plötzlich einen Aufschrei. Die Crew an Deck ist schon sehr irritiert. Tobias hat es nun auch die Software richtig eingestellt und die erste Email verschickt. Kurze Zeit später sind wir dann auch in freudiger Konversation via Kurzwelle mit Leuten aus Finnland, Deutschland und Gran Canaria. Hauptgrund war natürlich, dass wir die Wahlergebnisse erfahren wollten, die erhaltene Nachrichten wollen nicht weiter kommentieren.
In der Nacht packt Tobias erneut die astronomische Entdeckerfreude erneut und gemeinsam arbeiten wir uns durch Sternenkarten. Ich als absoluter Astronomielaie, entdecke echt vieles.
Dienstag, 26. September 2017
Der nächste Morgen beginnt stressig. Es sollte bis zehn Uhr dauern, bis wir endlich Frühstück bekommen sollten. Bis dahin werden wir mehr Manöver fahren als die ganze Tour zu vor. Es ist immer wieder eine Freude vom Skipper eine Stunde vor der Wache geweckt zu werden. Aber gut, damit es heute Brot geben kann, muss erst das Petroleum aus der Backskiste unter der Pinne geborgen werden. Also geben wir Diego (die Windsteueranlage ist mittlerweile von einigen so getaut, ein anderer Teil der Crew nennt sie Hugo) kurzer Hand eine Pause vom steuern und legen uns kurz back. Nachdem wir wieder auf Kurs sind merken wir, der Wind hat gedreht und wir fahren genau dort hin, wo wir das Hochdruckgebiet vermuten. Es ist schon ein wenig lustig, dass man eine Halse mitten auf dem Meer fährt ohne, dass jemand am Ruder ist. Im Wesentlichen muss eigentlich nur der Klüver auf die andere Seite ausgebaut werden, aber das erfordert schon vier Hände auf dem Vorschiff. Ohne größere Probleme gelingt uns das Manöver und die aufwachende restliche Crew stellt belustigt fest: „Menschen, hier oben sieht es ja ganz anders aus.“
Ansonsten ähneln sich unsere Tage. Bis plötzlich am Horizont ein Segel auftaucht. Empörung macht sich breit. Jemand ohne AIS hat sich von hinten an uns heran geschlichen. Das motiviert uns, dann doch einmal unseren Trim zu begutachten und hier einen bisschen zu fieren und da etwas anziehen und schon verschwindet das Segel auch wieder hinterm Horizont. Denen haben wir es gezeigt! Skipper ist stolz und spendiert drei 20cl Biere (Crew + Skipper = 4 Personen)… Hoffentlich holt uns nicht noch jemand ein, Angst macht sich breit, was wohl dann passiert, gibt es dann zwei 20cl?.
Mittwoch, 27. September 2017
Nach knapp 75h liegen vor uns nur noch 236nm und es wird gewettet, wann die Zora Funchal erreichen wird. Grundoptimist Juri sagt, wir brauchen noch 39h, Tobias und Rahel sind mit 48h und 49h, was mich dann wohl mit 53h zum Pessimisten macht. Wirklich mehr ist nicht passiert.
Donnerstag, 28. September 2017
Was die Gripfiles schon angedroht haben, ist dann gegen Mitternacht, natürlich während meiner Wache, auch eingetreten. Der Wind ist eingeschlafen und wir treiben vor uns dahin. Das Schlimmste jedoch ist das dauerhafte Rollen des Bootes. Aber glücklicherweise lässt nach und nach auch die Welle nach. Allmählich hat sich endgültig eine Tagesroutine eingestellt. Die erste Tageswache fährt Manöver falls nötig, denn in der Dunkelheit wollen wir nicht auf dem Vordeck mit dem Klüverbaum jonglieren. Es ist halt ein Cruise und kein Race. Heute besteht das Manöver aus Segel bergen, und dann wie immer Frühstück. Juri macht nicht nur frisch gebackenes Brot, sondern auch Spiegeleier. Vormittags wird dann gearbeitet. Heute werden zwei neue Innovationen von Tobias installiert. Nach dem die Segel geborgen sind, kann der Großbaum zweckentfremdet werden. Alle sind sich einig, dass das selbst entworfene Sonnensegel die Lebensqualität unseres Nichtstun enorm steigert. Wie Beduinen sitzen wir im gemütlichen Schatten. Aber total nervig ist, wir müssen selber steuern. Diego kennt natürlich Motoren nicht und dem entsprechend verweigert auch weiter zu steuern. Aber Innovation Nummer zwei sollte uns, dass mittlerweile verlernte Steuern, wieder abnehmen. Eine Tupperdose! Ja in der Tat, diese tolle Box, in der wir unsere Äpfel, Brote, Salate oder was auch immer zur Arbeit, Schule oder sonst wo mit nehmen. Nun zu gegebener Maßen unterscheidet sich diese Dose ein wenig, wie sie üblicherweise ist. Zum einen sind in drei Wänden jeweils ein Stecker eingelassen und im Deckel eine Autopiloteinheit, die durch eine externe Kompasseinheit mit einem Kurs versorgt wird (Stahlschiff und Kompanten sind bekanntlich nur begrenzt kompatibel). Der Autopilot sendet dann an eine Steuereinheit und nach zwei Kalibrierungskreisen sind wir wieder beschäftigungslos. Denn wir erwarten, dass der Wind erst wieder einsetzen wird, wenn wir Madeira schon erreicht haben. So bleibt Zeit für andere Beschäftigungen, so hat Rahel seit dem Ablegen einen Pullover gestrickt und heute früh ist ein Sockenpaar in Produktion gegangen. Juri, und für Leute, die ihn schon etwas länger kennen, entdecken vielleicht die Pointe, arbeitet sich durch ein Buch, das knapp 2,4 Kilo wiegt. Tobias baut und bastelt oder hält unser Leben mit der GoPro fest. Wenn ich nicht gerade maßlos viele quatsche, schreibe ich an diesem Blog. Die anderen ermuntern mich auch fleißig, dass er auch sehr ausführlich sein kann, was auch immer das heißen mag…
1500 heißt es gesammelte Mannschaft antreten und an der Reling aufstellen. Es ist Waschraum! Ein Glück wir konnten uns echt schon nicht mehr riechen. Wow wir baden in über 4400 Meter tiefen Wasser und es ist so unglaublich klar. Naja, Juris Kommentar: „Hilft uns Brillenträgern auch nicht wirklich.“ Nachdem wir wieder unsere Fahrt unter Motor aufgenommen haben, fliehen wir aufs Vordeck, um möglichst viel Abstand zum lärmenden Motor zu bekommen, was Juri dazu veranlasst die Nacht draußen zu schlafen. Ich beschließe kurzer Hand zu folgen. Noch war die Nacht ziemlich klar und der Mond fast halb voll erleuchtete alles mehr als ausreichend. Insbesondere das Meeresleuchten war besonders kräftig. Und während wir auf dem Deck so liegen, höre ich auf der Steuerbordseite ein Geräusch. Der Hai wird es wohl nicht sein, den wir am Abend in einigem Abstand gesehen haben. Als ich dann endlich die Brille auf habe, ist mir klar das es ein Delphin ist. Schnell rufen wir die anderen an Deck. Denn besonders spektakulär ist, dass das Auf- und Wiedereintauchen des Tieres ebenso Meeresleuchten produziert. Leider bleiben die beiden Delphine nicht lange, sodass Rahel und Tobias sie nicht zu Gesicht bekommen. Alleine deswegen hat es sich schon gelohnt draußen zu schlafen.
Donnerstag, 29. September 2017
Donnerstag war wohl der unaufregendste Tag von allen. Wir hatten nichts zu basteln, es war immer noch kein Wind und fuhren mit Motor immer Richtung Westen. Es wurde also gestrickt, gelesen, gegessen und geschlafen. Ah, und wir auf Porto Santo angelegt. Wir wollten nur bei Tageslicht einen unbekannten Hafen erreichen und beschlossen so 30nm vor Madeira die ehemalige Heimat von Christoph Kolumbus anzulaufen. Mensch, war die Dusche toll! Freitag soll auch endlich der Wind wieder einsetzen, sodass wir die Etappe nach Madeira segelnd beenden können.
Freitag, 30. September 2017
Freitag war der Tag der ersten Male. Also seglerisch. Wir mussten zwar wieder unter Motor beginnen, aber nachdem wir aus der Windabdeckung heraus kamen, konnten wir den Gennaker setzen. Ah diese Ruhe und schnell ist es auch noch. Und dann kam schon die nächste Premiere. Regen! Irgendwie konnten wir uns alle sehr gut daran erinnern, dass Tobias uns Dauersonne versprochen hatte, aber die Abkühlung tut trotzdem gut.
Schließlich genießen wir die Aussicht entlang der Südspitze Madeiras entlang zu segeln. Besonders spannend sind da die Flugzeuge, welche im engen Kreis über uns die Landebahn auf einer Brücke anfliegen. Hierbei sieht Rahel auch endlich ihre ersten Delphine. Sie kann wieder beruhigt schlafen.
Den Abend lassen wir mehr als entspannt in einer Bar bei sehr gutem Madeira Wein ausklingen.
Endlich geht´s weiter…
Ende Juli hatte Jakob die Rode Zora bis nach Cascais gesegelt. Dort trafen sich dann Gesa, Tobias mit Daria und Jakob und verbrachten noch 2 sehr nette Tage an Bord und in Lissabon.

Nachdem Daria und Jakob abgereist waren, blieben Gesa und Tobias insgesamt 2 Wochen dort und genossen Portugal, Lissabon, den Atlantik. Ada kam für eine Woche aus Freiburg zu Gast und zusammen fuhren wir nach Porto und besuchten unterwegs Coimbra und das spektakuläre Kloster Battaglia.

Dann aber ging´s erst einmal wieder nach Hamburg, Tobias per Flugzeug und Gesa mit dem Auto allein in drei Tagen mit Stopps in Burgos und bei den Dünen von Pylat an der Bay d’Arcachon. Denn es gab eine Hochzeit auszurichten.
Die haben wir nun hinter uns und die Strapazen der Vorbereitungen und des Festes sind überstanden. Wir können also wieder segeln gehen. Dabei sind diesmal Rahel, der neu gebackene Schwiegersohn Marcel, Juri Zach, und als Skipper Tobias.
Am 22. September beginnt die Reise zunächst mit Auto aus der Elbchaussee zum Flughafen, dann mit der TAP nach Lissabon, vom dortigen Flughafen mit der Metro zum Cais do Sodre, mit dem Vorortzug hinaus nach Cascais und schließlich vom Bahnhof zu Fuß zum Hafen, wo wir Zora friedlich und in bester Ordnung vorfinden.

Selbst die Entlüftungsschraube für den Petroleumtank, die in den letzten Tagen vor der Abfahrt noch für Stress gesorgt hatte, liegt friedlich oben auf dem Tank, wo Gesa sie etwas sorglos vor 2 Monaten bei der Abreise einfach hingelegt hatte. Denn ohne Schraube kein Druck im Tank und ohne Druck nichts warmes an Bord, insbesondere keinen heißen Ingwertee während den Nachtwachen.
Roadtrip nach Lissabon
Die nächste Crew ist auf dem Weg nach Lissabon. Gesa hasst das Fliegen und so verbinden wir Schönes mit Nützlichem und machen einen Roadtrip um Zora an ihrem letzten geplanten Hafen auf dem Europäischen Kontinent noch einmal zu versorgen. An Bord unseres VW Busses sind außer der Campingausrüstung allerlei Großes und Kleines das an Bord zumindest noch nützlich sein könnte. Unter anderem ein überholter Wärmetauscher für die grüne Eminenz. Vielleicht ist das nur notwendig um die Paranoia von Tobias zu beruhigen, der der Reparatur aus Ramsgate nicht so richtig traut und sich auf einer einsamen Insel (Selvaghem Grande – wer kennt das und weiß wo das ist 😛) mit einem leckenden Wärmetauscher sieht…



