//WL2K Bermuda here we come….

Unsere Navigation zeigt noch 25 Meilen bis zur Ansteuerung Bermuda. Es ist 10:20 Bordzeit/Lokale Zeit Bermuda. Wir hatten eine ruhige Nacht, nachdem Björn und der Skipper noch das zweite Reff ins Groß gezogen haben. Das Schiff rollt stark im Schwell, der vielleicht 3m hoch ist. Wir haben uns gerade bei Bermuda Radio angemeldet, die uns nun bis in den Hafen tracken werden. Nautisch alles sehr profesiionell hier. Auch die Abwicklung des Funkverkehrs ist präzise und sauber, Erbe der Britischen Vergangenheit. Rahel schmiert Sandwiches, Björn känpft ein wenig mit seinem Magen wegen der starken Rollbewegung und Marcel schläft. In den Schränken klappert es ordentlich, wenn Zora von 35 Grad auf Backbord nach 35 Grad auf Steuerbord geht. Wir sind gespannt, welche Verluste wir zu vernelden haben, wenn wir die Türen öffnen. Bis wir im Hafen sind, lassen wir die lieber zu, sonst gibts fliegende Untertassen an Bord. Wir melden uns von Land in ein paar Stunden

//WL2K Bordkuchen

Im Rigg heult der NE. Zora segelt unter Stagsegel und gerefftem Groß in Richtung Bermuda. PeFö steuert zuverlässig nach dem Wind. Einer ist auf Wache unter dem Sprayhood im Cockpit. Die anderen haben eigentlich nichts zu tun, außer Marcel natürlich, der sehr für das Studium lernt. Da kommen allerlei Ideen auf: Rahel möchte einen Kuchen backen und fragt nach dem Mehl. Der Skipper ist nicht begeistert, da er Mehl, Butter, Eier, Kakao und Zucker vor seinem geistigen Augen durchs Schiff fliegen sieht. Er schlägt vor doch eine der Backmischungen zu verwenden, die noch in der Last lagern. Rahel willigt etwas mißmutig ein und beginnt mit der Zubereitung. Kurze Zeit später fragt sie nochmal nach dem Mehl. Der Skipper schaut verwundert. Tja, leider hat sich beim Hinzufügen der Milch ein Unglück ereignet und die zehnfache Menge ist in der Schüssel gelandet. Soviel Mehl haben wir nicht an Bord um dieses Malheur zu heilen, zumal wir gar nicht wissen, was wir mit den zehn Kuchen tun sollen, wenn sie denn fertig sind. Also landet dieser Kuchenversuch im Atlantik. Rahel ist außerdem frustriert und hat keine Lust mehr. Jetzt ist der Skipper heiß. Er möchte sein Glück versuchen. Die zweite noch vorhandene Backmischung ist ein Zitronenkuchen. Die Prozedur beginnt von vorne. Der Skipper schüttet die Backmischung in die Schüssel, gibt die Milch dazu und beginnt dann die Eier aufzuschlagen. Das zweite Ei stellt sich leider als faulig heraus. Auf der Backmischung schwimmt eine schwarze Brühe, die bestialisch stinkt. Rahel möchte das abschöpfen und den Kuchen retten, aber der Skipper ist kurz davor sich zu übergeben und befördert den zweiten Kuchenversuch über Bord. Nun bleibt also nur noch die Heimvariante: Mehl, Milch, Eier, Zucker, Kakao, Butter und dann ordentlich rühren. Mit vereinten Kräften wird das Werk vollendet und der Kuchen in den Ofen geschoben. Am späten Nachmittag gibt´s dann Kuchenstunde in der Atlantikbar mit Blick auf die aufgewühlte See.

//WL2K Atlantic Sailing

Der Skipper ist ab 0700 auf Wache. Nach dem ruppigen Tag gestern mit echtem Norwegenfeeling geht heute die Sonne über einem türkisblauen Atlantik auf. Der Wind hat abgenommen und etwas südlich gedreht, so dass wir ein Reff ausschütten können und direkt Kurs nach Bermuda anliegen. Das beflügelt und motiviert. Da auf Wache nicht viel zu tun ist, macht sich der Skipper ans Brotbacken. Die letzten Brötchen aus Samana schimmern leider schon bläulich durch die Plastiktüte und werden Neptun geschenkt. Der Brotduft aus dem Backofen holt die Crew aus den Kojen und wir sitzen im Sonnenschein im Cockpit, eine kurze Reminiszenz an die Karibik, die wir noch einmal sehr genießen. Wir haben bereits gemerkt: Atlantik ist nicht Karibik! Denn bereits gegen Mittag ziehen Wolken auf. Da wir am Morgen ein Grib-File über Kurzwelle geholt haben, wissen wir was uns erwartet: Eine weitere Front mit Starkwind aus NE. Diesmal rollen wir erst einmal den Klüver ein Stück ein. Wenig später, der Skipper liegt unter Deck und döst in seiner Koje, gibt es einen scharfen Knall. Wir können zuerst nichts entdecken. Aber dann fällt uns auf, dass die Reffleine der Rollanlage gerbrochen ist: Der Klüver hat sich einfach wieder ausgerollt. Der Skipper kennt schon, was jetzt leider folgen muss: Bäuchlings auf dem Bugspriet liegend muss das Problem behoben werden. Dabei bekommt man alle 30 s ein Gratis Vollbad, das aufgrund der Position auch mit Ölzeug alle Körperteile erreicht. In diesem Fall können wir nur eine provisorische Sorgleine anknoten, damit wir den Klüver bei Bedarf bergen können. Diese Chance bietet sich ein paar Stunden später als der Wind noch mal eine Schippe drauflegt. Aber irgendwie ist heute der Wurm drin: Beim Aufrollen kommt die Klüverschot trotz Achtknoten an Backbord frei und geht mit der Steuerbordschot eine innige Verbindung ein, die in einem riesigen hoch über unseren Köpfen zwischen den beiden Vorstagen hängt. Das können wir bei den aktuellen Bedingungen erst einmal nicht in Ordnung bringen. Müssen wir auch nicht, da wir den Klüver aktuell auch gar nicht brauchen. Mit zwei Reffs im Groß und dem Stagsegel fährt das Schiff erstaunlich ruhig. Unter Deck könnte man meinen man liege im Hafen. Die Crew genießt diese Ruhe und speist genüßlich auf dem Boden sitzend im Salon zu Abend. Es gibt Couscous mit Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Rote Beete, alles noch aus Samana, aber allmählich vom Verfall bedroht. So schnibbeln wir einfach alles zusammen. Aktuell gibt es nur noch eine Banane, eine Kakaofrucht eine Rote Beete und natürlich Zwiebeln und Kartoffeln. Während der Skipper dies in den Computer tippt, ist Björn im Cockpit auf Wache und Marcel und Rahel liegen nach den Anstrengungen dieses Tages in den Kojen.

//WL2K Status am 22. 4. 1000 Lokale Zeit

Hallo ihr lieben, heute nur eine kurze Nachricht. Wir segeln bei 20 – 25 kn und 3m gegenan. Ist ein bisschen holprig an Bord. Gestern sind wir durch eine Kaltfront gefahren und haben auch ein Gewitter abbekommen. Wurde erst einmal zum Haarewaschen genutzt. Leider war der Regen vorbei bevor Marcel alles Shampoo aus den Haaren bekommen hat. Der Wetterbericht bis Bermuda sagt 3 anstrengende Tage vorher. Falls wir uns nicht melden, dann denkt bitte daran, dass Email schreiben und versenden bei 35 Grad Lage etwas mühsam ist. Es geht uns aber sehr gut. Die Sonne scheint. Zora rauscht über die Wellen. Manchmal ein bisschen zu schnell. Dann fällt sie auf der Rückseite ins Wellental. Das rummst ordentlich!
Bis demnächst
Die Zora Crew

//WL2K Adieu Passat

Seit der Abreise von den Kapverden war der Passat unser ständiger und zuverlässiger Begleiter. Er hat die Zora zügig über den Atlantik geschoben. Im Januar und Februar hat er kräftig aus NE geblasen und die eine oder andere Passage von Insel zu Insel zur sportlichen Herausforderung gemacht. Hinter den meisten Inseln war er immer noch kräftig genug um gut voran zu kommen. Später im März und April hat auch beim Passat Sturm und Drang der Reife des Alters Platz gemacht. Die Richtung war nun mehr aus E oder SE und aus wilden 25 – 35 kn wurden angenehme 15 -20kn. Nur die beiden großen Inseln, Puerto Rico und Hispaniola, konnten den Passat mit hohen Bergen und Thermik zeitweise Paroli bieten. Aber meistens hat er sich auch da am Ende durchgesetzt. Gestern Abend um 18:00 auf 24 Grad 31 Minuten Nord und 66 Grad 53 Minuten West mussten wir schließlich etwas wehmütig Adieu sagen und aus seinem Reich heraus segeln. Schlagartig war er weg! Noch wenige Minuten vorher waren wir unter Am-Wind Segeln mit 7 Knoten dahingerauscht. Dann war nur noch ein schwaches Kräuseln mehr aus S als als SE übrig. Nun sind wir also in den Rossbreiten angekommen, wo die großen Segler mitunter wochenlang festlagen, so lange dass die Pferde an Bord geschlachtet werden mußten. Die nautischere Bezeichnung ist „The Variables“. Das deutet an, dass die Winde mal von hier und mal von dort kommen. Für uns heißt das statt tagelangem faulen Dahinsegeln ständige Segelwechsel. Oder eben auch Flaute. Auf die seglerische Herausforderung freuen wir uns. Für die Flauten haben wir wieder einen funktionierenden Motor und 380l Diesel an Bord, mit denen wir ein gutes Stück voran kommen könnten. Gestern aber reichte die Bris um den Gennaker aus dem Vorschiff zu holen. Mit 140 m2 am Bug beschleunigte unser schweres Schiff fast mühelos auf 4 – 5 Knoten. Statt einer lauten Nacht unter Maschine hatten wir Traumsegeln unterm Sternenzelt. In der Ferne gab es immer mal wieder Wetterleuchten, vermutlich aus der Kaltfront, die ca 50 Meilen entfernt NW-lich von uns liegt, und uns bald ordentlich NE-Wind bringen wird. Bis das soweit ist und die Luken wieder dicht gemacht werden, genießen wir die herrliche Nacht. Der Wind streicht durch den Salon und das Wasser gurgelt leise am Rumpf entlang. Es ist so kühl unter Deck, dass man fast wieder eine ordentliche Bettdecke gebrauchen könnte. Die klare Anweisung vom Skipper an die Crew: So bald nur ein Anzeichen eines Squalls zu sehen ist, wird der Gennaker geborgen. Aber alles bleibt ruhig und wir können uns ausruhen für die zweiten 400 Meilen bis Barbados, die gewiss anstrengender werden als die ersten.

//WL2K The Lonely Sea and the Sky

„The Lonely Sea and the Sky“ ist der Titel des Buches von Francis Chichester, in dem er seine Rekord-Weltumsegelung in den 1960er Jahren beschreibt. Dieser Titel beschreibt aber auch, wie wir uns in der Sargassosee fühlen, die wir jetzt auf dem Weg nach Bermuda durchqueren. Um uns herum sind nur Himmel und Wasser. In der Nacht hat ein Frachter unser Heck passiert. Sonst ist hier kaum jemand unterwegs. Die Funke ist eingeschaltet, hat sich aber seit zwei Tagen nicht mehr gerührt und auf dem AIS können wir auch nur uns selbst sehen. Heute früh während seiner Wache hat Björn immerhin begeistert einen Vogel gesichtet, vielleicht ein Fregattvogel. Allerdings war er zu weit weg um sicher zu sein. Und unsere Kenntnisse der Ornithologie sind begrenzt. Zora zieht, von PeFö sicher auf Kurs gehalten, Stunde um Stunde mit 7 Knoten dahin. Ganz gelegentlich zupfen wir mal an der Feineinstellung oder trimmen die Schoten ein wenig. PeFö ist unsere Windsteuerung benannt nach Peter Förthmann in Hamburg, der diese Anlagen baut und wortgewaltig vertreibt. Obwohl nichts zu tun ist, gehen wir ordentlich unsere Wachen. Allerdings ist es mühsam in der Nacht nicht einzuschlafen, wenn wirklich gar nichts zu tun ist. Tagsüber wird Festkörperel ektronik gelernt, die Kurzwellenanlage bedient, Essen gekocht oder gedöst. Wir können jetzt im Vorschiff eine Luke öffnen, da der Wind etwas südlich gedreht hat und kaum mehr Wasser an Deck kommt. Dadurch ist es unter Deck auch tagsüber wieder einigermaßen erträglich. Über dem Cockpit haben wir unser Sonnensegel geriggt und können dort jetzt im Schatten „chillen“. Zum Frühstück gab es heute zum zweiten Mal frisches Brot vom Skipper zubereitet. Das Mehl haben wir in Punta Cana im Supermarkt gefunden. Die Hefe stammt noch von Dr. Oetker aus Deutschland. Wir haben noch eine große Menge frisches Obst und Gemüse, das wir in Samana gekauft haben: Kochbananen, frischer Kakao, Maracujas, Mangos, Ananas, Avocados und eine riesige Staude kleine süße Bananen. Wir essen jetzt mit der Reifung um die Wette und fürchten, dass wir das Rennen verlieren werden. Für den Abend und die Nacht sind „Scattered Showers“ angesagt, auf die wir uns wegen der erhofften Abkühlung freuen. Hoffentlich blasen die Squalls uns nicht Haare vom Kopf.

Atlantik-Crew

Atlantikcrew beim Frühstück im Cockpit

Björn Spiekermann kommt morgens am Freitag, den 13. April, an Bord. Wenn das kein Glück bringt! Er ist schon seit einer Woche in der DomRep und erkundet das Land. Der Skipper will mit ihm zusammen noch ein paar Arbeiten erledigen, die er allein nicht hinbekommt. Björn hat ein Jahr in Panama gelebt und spricht fließend Spanisch. Das wird hier noch sehr nützlich sein. Außerdem ist er ein erfahrener Segler und hat auch schon einige Meilen auf einem Karibiktörn auf dem Buckel.

Wir frühstücken gemeinsam und machen uns dann daran den Klüver zu wechseln. In der Karibik haben wir unseren alten gefahren um dem neuen, den uns Thommy Thomsen in Glückstadt gemacht hat, die intenive UV Strahlung zu ersparen. Der soll jetzt aber für die Reise über den Atlantik ran. Die Arbeit treibt uns ordentlich den Schweiß aus den Poren, denn die Segel sind schwer und im Profil der Rollanlage haben sich Madenschrauben losgearbeitet, über die der Schlitten für den Segelkopf nicht hinüberrutschen will. Also müssen wir rauf und die Schrauben nachziehen. Schließlich ist das alte Segel ordentlich gepackt und das neue gesetzt und aufgerollt. Jetzt sind wir hungrig und stärken uns mit Mango, Ananas und Bananen, die wir günstig und in Fülle eingekauft haben.

Nach dem Mittageseen beschließen wir, dass nur Verrückte und Deutsche in der Mittagshitze weiterarbeiten würden. Mit beiden wollen wir uns gerade nicht assoziieren und machen auf Dominikanisch. Wir verschieben den noch anstehenden Riggcheck mit Gang in den Mast und riggen stattdessen die Hängematten auf dem Vorschiff. Auch nach unserer Siesta ist uns dann nicht nach harter Arbeit zu Mute. Stattdessen fahren wir hinunter nach Samaná, kaufen frisches Gemüse für unser Abendessen und versuchen erfolglos geeigneten Kleber für unser Dinghi zu bekommen. Die Suche nach dem Kleber bleibt ohne Erfolg, aber Gemüse gibt´s massenweise! An diesem Nachmittag fliegen dann noch zahllose Emails zwischen Samaná und Hamburg hin und her. Denn wir haben tatsächlich noch auf Ebay Kleinanzeigen einen Ersatz für unseren korrodierten Zylinderkopf gefunden. Den will Jakob noch abholen, damit Rahel ihn dann im Gepäck mitbringen kann.

Am folgenden Tag macht sich der Skipper schon früh auf die lange Autofahrt nach Punta Cana um Rahel und Marcel abzuholen, die die Atlantikcrew komplett machen sollen. Die dreihundert Kilometer lange Autofahrt über die Straßen der DomRep verlaufen unproblematisch. Der Skipper bekommt ja auch schon ein bißchen Routine im Umgang mit Schlaglöchern und wild hin- und herflitzenden Mopeds. In Punta Cana ist sogar noch etwas Zeit, bevor die beiden eintreffen sollen. Die nutzt der Skipper um im großen Jumbo Supermarkt einige spezielle Dinge einzukaufen, denn in Samaná gibt es keine entsprechende Einkaufsmöglichkeit.

Wieder am Flughafen reiht der Skipper sich dann in die zahllosen Animateure und Tour Operators, die auf ihre Gäste warten. Das Flugzeug landet und die Zeit vergeht, aber die Beiden kommen nicht raus. Die Nervosität steigt während bereits alle Fluggäste der Folgeflüge auf dem Weg in ihre Resorts sind. Schließlich eine SMS: Das Gepäck aus Hamburg ist nicht da! Noch eine halbe Stunde später sind dann immerhin Rahel und Marcel da und wir machen uns auf die lange Rückfahrt. Die verläuft nun zum größten Teil in der Dunkelheit und wir zur echten Konzentrationsübung: Mopeds ohne Rücklicht, Mopeds ganz ohne Licht, Mopeds auf der falschen Fahrbahnseite und dann auch noch unbeleuchtet schwere LKWs. Der Skipper würde gerne ein paar Glühlampen spenden, denn dieses Russische Roulette muß doch eigentlich nicht sein. Sehr erleichtert darüber, dass wir diese Fahrt heil überstanden haben rollen wir schließich um 22:00 auf den Parkplatz der Marina. Im Cockpit genehmigen wir uns die allerletzen Bierflaschen an Bord. Trotz der Sorgen um das fehlende Gepäck mit unserem mühsam erkämpften Zylinderkopf schläft der Skipper nach den Strapazen dieses Tages gut und fest.

Motorenkunde auf Dominikanisch

Am 7. April besteigen Ada und Gesa in La Romana an der Südküste der Republica Dominicana die Aida Luna um in 19 Tagen nach Kiel zu reisen. Vorher ist noch ein freier Tag in Samaná. Ada wünscht sich einen Segelausflug auf die Südseite der Bahia Samaná zum Nationalpark Los Haitises. Am Vormittag geht´s bei Windstille und unter Maschine über die Bucht, wo wir in der Bahia de San Lorenzo vor Anker gehen. Die Bucht bietet noch eine Steigerung der Schönheiten, die wir hier schon gesehen haben.

Mangroven in Las Haitises

Zuckerhut-förmige Buckel, dicht dunkelgrün bewachsen, steigen steil aus dem Wasser. Zwischen den Buckeln ist die Wasserkante tief eingeschnitten und von Mangroven gesäumt. Mit dem Schlauchboot erkunden wir diese wunderbare Landschaft und landen schließlich bei der Ranger Station, wo man uns einlädt eine der Höhlen zu besuchen.

Unser Führer erklärt uns die Taino Petroglyphen

Wir sehen eine Wunderwelt mit Fledermäusen, Termiten und Seeschwalben, die halsbrecherisch ein und ausfliegen. Die Taino, die vor der Ankunft der Europäer hier lebten, haben diese Höhlen intensiv genutzt und mit Zeichnungen und Skulpturen, sogenannten Petroglyphen geschmückt.

Ausflug mit Ada in den Nationalpark Los Haitises

Leider geht die Zeit allzu rasch vorüber und wir müssen die Einladung zum Besuch der Mangroven ausschlagen. Es sind noch 10 Meilen gegen den Wind zurück in die Marina und am nächsten Tag wartet die Aida Luna in La Romana. Wieder an Bord machen wir das Schiff klar zum Segeltörn über die Bucht, denn es hat über Tags mächtig aufgebrist. Die Bucht von Samaná mit ihren hohen Ufern wirkt wie eine gigantische Düse, wenn die Sonne über dem Innern von Hispaniola die Luft in Bewegung setzt. Wir hoffen also auf einen kleinen sportlichen Abschiedstörn.

Zora vor Anker in der Bahia de San Lorenzo

Bedauerlicherweise wird unser Vergnügen von einem Problem mit unserem grünen Schweden an Bord gestört. Beim Ankermanöver läuft die Maschine im Leerlauf als auf einen Schlag entsetzliche Geräusche einsetzen. Gesa ist im Cockpit und stellt die Maschine sofort ab. Der Skipper startet noch einmal und hört sich das Spektakel an. Es klingt nach einem schwerem mechanischen Problem. Immerhin ist Wind auf der Bucht, so dass wir gut zurück segeln können. Aber der Spaß am Abschiedstörn ist dahin. So segeln wir nervös zurück und bekommen immerhin noch einen günstigen Winddreher unter der nördlichen Küste. Vor der Hafeneinfahrt der Marina nehmen wir das Groß weg und schleichen nur mit Klüver durch die Hafeneinfahrt. Mit Restschwung kommen wir bis ans Fuel Dock, wo wir erst einmal festmachen. Später helfen uns freundliche Australier mit ihrem stark motorisierten Dinghi die Zora an ihren Liegeplatz zu schleppen. Kaum ist das Schiff fest, reicht uns einer der Helfer in der Marina sein Handy: „I heard you have an engine problem. I will come tomorrow at 7 to have a look at it“, tönt es aus dem Lautsprecher. Wir fühlen uns überrumpelt aber in der aktuellen Situation wollen wir das Angebot auch nicht ausschlagen. Wenigstens gelingt es dem Skipper den Helfer davon zu überzeugen erst um 8 zu kommen.

Am nächsten Morgen, während Gesa und Ada ihre Rucksäcke packen, steht tatsächlich Luis pünktlich um 8 vor unserem Schiff und will sich die Maschine ansehen. Der Motor wird noch einmal kurz gestartet aber auf Anweisung von Luis sofort wieder abgestellt. Er spricht von „broken valve, pull off cylinder head, send to Santo Domingo“ und davon dass er um 10:00 mit einem Helfer wiederkommen will um den Zylinderkopf auszubauen. Der Skipper ist erleichtert, denn was Luis erzählt erscheint fachkundig und die Sache kommt rasch voran. Denn bei einem solchen Schaden werden Ersatzteile besorgt werden müssen. Der Skipper versucht sich vorzustellen, wie Volvo-Penta Teile in diese ferne Ecke der Dominikanischen Republik gelangen sollen. Wenn das überhaupt funktioniert wird es bestimmt lange dauern. Die gesamte Zeit Planung der folgenden Atlantiküberquerung ist auf einmal in Frage gestellt. Jetzt stehen aber zuerst die Abreise zur Aida Luna und die Autofahrt nach La Romana an.

Der Skipper geht kurz vor der Abfahrt noch einmal ins Büro um sich bei Eduardo, dem Chef der Marina, für das Organisieren der raschen Hilfe zu bedanken. Der weiß von nichts und reagiert besorgt als er den Namen unseres Helfers erfährt. Kurz darauf trifft Luis mit seinem Helfer im Schlepp ein. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Luis und Eduardo auf Spanisch. Das Ergebnis: Luis muss abziehen und Eduardo erklärt, dass er ihm die Reparatur nicht zutraue. Er habe aber einen sehr guten Mechaniker, den er gleich anrufen werde. Nun streiten sich also die Leute hier, wer unseren Motor reparieren darf… das hilft nicht dabei die Stimmung zu bessern.

Die Fahrt nach La Romana verläuft einfach und glatt. Um 1500 verabschieden wir uns, immerhin für 3 Monate, und der Skipper fährt wieder zurück, denn er möchte gerne vor Anbruch der Dunkelheit wieder an Bord sein. Die Straßen sind selbst bei Helligkeit ausreichend herausfordernd.

Am folgenden Montag steht dann Morito vor dem Schiff und stellt sich vor: Er ist der Lehrling des Mechanikers, den uns Eduardo organisiert hat. Morito hört sich ebenfalls noch einmal unseren Motor an und befiehlt sofort abzustellen. Danach beginnt er sofort mit der Demontage des Zylinderkopfes. Schon beim Öffnen des Ventildeckels ist der Schaden erkennbar: Eine gebrochene Ventilfeder. Nach 4 Stunden harter Arbeit ist der gesamte obere Teil der Maschine zerlegt und der Zylinderkopf ausgebaut. Der Schaden ist erheblich: Eine gebrochene Ventilfeder, das Ventil in den Zylinder gefallen, drei weitere Federn angebrochen und eine Stößelstange verbogen. Ob dieser Motor wohl noch einmal laufen wird? Die Teile bleiben erst einmal an Bord, denn der Meister selber will sich erst einmal am folgenden Tag alles sorgfältig anschauen. Dann verschwindet Morito. Der Skipper nutzt den Rest des Tages um die Vorräte durchzusehen und Einkaufslisten zu schreiben.

Am folgenden Morgen kommt Karela, der Meister, und begutachtet die ausgebauten Teile und den Rest der Maschine. Die gute Nachricht: Auf dem Kolben des betroffenen Zylinders ist zwar der Abdruck des betroffenen Ventils zu sehen, aber Karela meint, Kolben, Kolbenringe und Pleuel seien nicht beschädigt. Selbst das abgestürzte Ventil ist unbeschädigt. Aber der Zylinderkopf muss repariert werden und dazu bedarf es neuer Ventilfedern.

Dealen mit gebrauchten Ventilfedern

Der Zylinderkopf kommt ins Mietauto und Meister und Skipper fahren los. Letzterer hat keine Ahnung wohin die Fahrt gehen soll, denn die Verständigung auf Spanisch ist schwierig. Die Vermutungen schwanken zwischen Santo Domingo, Boca Chica und Nagua, teilweise bis zu 200km entfernt. Aber Karela zeigt an der Ausfahrt der Puerto Bahia erst einmal in die entgegengesetzte Richtung ins Zentrum von Samaná. Schon wenige Kilometer weiter deutet er an den Straßenrand: Wir sollen anhalten. Er steigt aus und verschwindet zwischen zwei Häusern. Wenig später kommt er strahlend wieder mit vier kleinen Ventilfedern. Er wirkt ganz euphorisch, dass es ihm so rasch gelungen ist die ersten fehlenden Teile zu finden. Aber die noch fehlenden vier großen Federn sind nicht so einfach zu bekommen. Wir kurven einen halben Tag durch die Umgebung. Dabei lernt der Skipper Samaná und wie hier gearbeitet und gewirtschaftet wird von einer neuen Seite kennen. Das ist eine spannende Erfahrung. Auf einen Maschinenschaden hätte der Skipper gerne verzichtet, aber die Erlebnisse dieses Tages machen den Ärger fast wett.

Autowerkstatt in Samaná

Schließlich werden wir bei unserer Suche etwas außerhalb auf dem Weg nach Nagua bei einem Teilehändler fündig. Der hat hunderte von Motoren hinter dem Haus liegen und kistenweise Ventilfedern. Die Beute ist zwar oberflächlich angerostet aber die Dimensionen stimmen. Dabei kommen keine Messgeräte zum Einsatz. Karela hält die Federn sorgfältig nebeneinander und prüft die Federkraft, indem er versucht mit der geballten Faust die Feder auf einem Tisch zusammenzudrücken. Der Skipper entrichtet den geforderten Preis, etwa 12 Euro für 4 Federn. Dann fahren wir in die Werkstatt und laden dort den Zylinderkopf aus.

Karela bear arbeitet die Ersatzteile für unsere Maschine

Der soll nun gereinigt, geplant und mit den neuen Feder bestückt werden. Allerdings ist bereits sichtbar, drei Wassergänge durch Korrosion verschlossen sind… Nach der Freude über die erfolgreiche Ersatzteiljagd ist das wieder ein Dämpfer. Vielleicht muß doch noch ein Ersatz für den Zylinderkopf beschafft werden. Die weiteren Wendungen in diesem Motorendrama werden wir demnächst hier erzählen.

Die Ferienfabrik

In Samaná hat die Zora den Absprungspunkt für die Reise zurück über den Atlantik erreicht. Die soll Mitte April beginnen und bis dahin ist noch etwas Zeit.

Marina Puerto Bahia in Samaná

Zunächst reist Ada an mit Flugzeug nach Punta Cana. Von Samaná sind das 300 Kilometer. Wir haben ein Auto gemietet und wollen sie abholen. Übers Autofahren in der DomRep haben wir viel Warnendes gehört und gelesen. Wir probieren also erst einmal eine kleine Tagestour ans Ende der Halbinsel. Mit der ausgezeichneten OSMAnd App auf dem Handy des Skippers fühlen wir uns gegen das Verirren gerüstet. Denn in der Tat: Die Beschilderung der Straßen ist eher zufällig. Auch die um uns herum flitzenden Motorräder und die zahlreichen Schlaglöcher sind gewöhnungsbedürftig. Im Großen und ganzen finden wir die Situation allerdings weniger schwierig als die Berichte vermuten ließen.

Strand in Las Galeras auf der Samaná Halbinsel

So machen wir uns am folgenden Tag auf die Reise nach Punta Cana. Die Fahrt verläuft völlig unproblematisch, denn der größte Teil der Strecke ist eine Mautstraße, die sich in bestem Zustand befindet und auf der kaum Autos unterwegs sind, dafür umso mehr Motorräder und Reiter auf Pferden – die allerdings nur auf dem Standstreifen, wo sie uns nicht stören.

Ankerbucht von Santa Barbara de Samaná

Nach dem zwar wuseligen aber ländlichen Samaná gelangen wir in Punta Cana in eine völlig andere Welt. Das erste Gebäude am Ende der Mautstraße ist die „Blue Mall“, in der wir einen Kaffee zu uns nehmen, denn wir sind aufgrund der unproblematischen Straßenverhältnisse viel zu früh da. In der Mall reiht sich eine teure Boutique an die nächste. Nach den Preisen hier richtet sich das Angebot in diesem Konsumtempel eher nicht an die Einwohner der DomRep, deren durchschnittlicher Monatslohn bei etwas 400 Euro liegt. Auch wir können bei manchen dieser Preise nicht mithalten: Eine hübschen Badehose, die Gesa dem Skipper schenken möchte, wird an der Kasse mit 250 US Dollar aufgerufen und wandert folglich wieder ins Shopregal. Für den Eiskaffee im Santo Domingo Coffee Shop reichen unsere Finanzen gerade noch. Außerdem verfolgen wir auf einem riesigen Flachbildschirm das Champions League Spiel zwischen Roma und Barcelona. Der Skipper kann sogar das Kampflied der Römer schmettern… allerdings mit leicht verändertem Text!

Eine Flotte von Bussen erwartet bleiche Reisende in Punta Cana

Am Flughafen erwartet uns dann ein Terminal, das wie eine gigantische Strandhütte aussieht: Ständerkonstruktion aus Palmenholz und mit Lemongras gedeckt. Ganz dezent erkennt man beim genauen Hinsehen eine stützende Stahlkonstruktion. Die Flieger landen im 10-Minuten Takt: New York, Zürich, Moskau, Düsseldorf. Bleiche Reisende strömen aus dem Terminal und werden sofort von eifrigen Dominikanern in Flotten von Reisebussen geschleust, die sie dann zu einem der zahllosen Strandresorts kutschieren. Unter allen diesen hunderten Strandtouristen können wir schließlich unsere Tocher Ada ausmachen, die mit ihrem Rucksack zwischen all den Leuten mit Rollkoffern heraussticht.

Ada kommt an in Punta Cana

Auch wir haben für eine Nacht ein Hotel hier gebucht, denn wir wollen nicht im Dunkeln durch die DomRep geistern. Der Weg zu unserem Hotel führt an einer nicht enden wollenden Kette von riesigen Resorts vorbei. Die ensprechenden Namen zu finden muss eine echte Herausforderung gewesen sein: Hotel Punta Cana, Grand Palladium Punta Cana, Paradisus Palma, Sirenis Punta Cana… Wir nehmen mit dem Capri Beach Hotel in Bavaro vorlieb, etwas abseits gelegen in einer heruntergekommenen Nebenstraße aber direkt am Strand: Die Bewertungen waren gut und der Preis günstig. Expedia macht´s möglich. Der Verkäufer vom Giftshop nebenan hilft uns beim Einparken. Für ein paar Euro sorgt er dafür, dass unserem Auto nichts passiert. So können wir einen entspannten Abend bei einer köstlichen Paella und eiskaltem Presidente Bier mit Blick auf die Mona Passage genießen.