//WL2K 12. Tag auf See

Langsam setzt bei allen an Bord eine gewisse Erschöpfung ein. Das hat auch damit zu tun, dass wir frustrierend langsam voran kommen. Marcel musste sich offiziell von seiner optimistischen Prognose unserer Ankunft noch am Sonntag verabschieden: Wenn jetzt noch der Wind auf Süd dreht und zulegt, dann… Aber der Wind kommt genau daher, wo wir hinwollen. Noch dazu ist er eher launisch, mal kräftig, mal lau. Hier 200 Meilen westlich der Azoren scheinen sich auch die Wellen aller Wettersysteme, westlich, östlich, nördlich und südlich von uns zu mischen. Das Schiff rollt, stampft und giert gleichzeitig. In den Nächten im Cockpit ist es kalt. Unter Deck ist es warm aber mieft mächtig von vier Leuten und ihrer Wäsche, die fast zwei Wochen keine Dusche gesehen haben. Leider können wir auch die Luken im Vorschiff zurzeit nicht öffnen: zuviel Wasser an Deck. Auf der positiven Seite gibt es zu berichten, dass Rahel gestern zur Freude aller Schokobrötchen gebacken hat. Und heute früh hat der Skipper mit einem sehr gelungenen Sonnenblumenbrot nachgelegt. Wir hatten wieder Besuch von Delphinen und Rahel hat eine Schildkröte und eine Flaschenpost gesichtet. Leider hatten wir keinen Kescher zur Hand um die Flaschenpost rauszufischen. Nach Flores sind es noch 77 Meilen. Wir werden also vermutlich in der Nacht daran vorbeifahren und die Insel nicht sehen. Vielleicht aber werden wir das kräftige Leuchtfeuer, Ponta das Lajes, ausmachen, das eine Tragweite von 26 Meilen hat und 3 weiße Blitze alle 28s aussendet.

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