//WL2K Platt vorm Laken

Seit gestern vormittag laufen wir Platt vorm Laken, mit dem Wind upn Mors, oder vornehmer: Mit dem Wind genau von achtern. An Bord gehen die Meinungen auseinander, ob das, mal abgesehen von der Flaute, der anstrengendste Kurs ist. Die ein Hälfte bevorzugt das Am-Wind-Segeln, weil alles schön auf einer Seite bleibt und das Schiff nicht affenartig hin- und herrollt. Die andere Hälfte stört das Stampfen am Wind. Auf jeden Fall machen wir ordentlich Meilen vor dem Wind. Unser letztes Etmal waren 152 nm. Die Jugend hatte auf 170 gehofft, aber der Skipper ist etwas konservativ mit der Besegelung. Wenn etwas kaputt geht hier draußen, dann kann selbst Toplicht nicht liefern! Die gute und die schlechte Nachricht: Die Bedingungen sollen für die nächsten 36 Stunden so bleiben. Wir werden also gut voran kommen, aber müssen uns in den Kojen ordentlich festklemmen. Selbst die schmale Lotsenkoje des Skippers ist noch nicht schmal genug. Deshalb hat er sich letzte Nacht zwei verpackte Schlafsäcke vor und hinter den Bauch geklemmt und noch dazu die Ohren zugestöpselt. So läßt es sich dann doch halbwegs ordentlich schlafen. Ansonsten ist nicht so viel zu tun. Allenfalss von einem weiteren erfolglosen Angelversuch könnte berichtet werden und davon, dass wir das Brotbacken notgedrungen haben ausfallen lassen. Stattdessen gab´s Müsli. Sogar Mandelmilch konnte serviert werden für die Laktose-Intoleranten!

//WL2K Ein ganz normaler Tag auf See

Der Skipper zuckt aus dem Schlaf. Björn muss ordentlich schütteln um ihn wach zu bekommen. Es ist 0100 früh und Björn möchte in seine Koje. Jetzt ist der Skipper dran mit der Wache. Bis der in voller Montur an Deck erscheint, vergeht eine Weile. Und dann ist auch noch eine Halse fällig. Bis Björn endlich in seiner Koje ist, verstreicht noch einmal eine viertel Stunde. So eine Halse ist viel Getüddel auf der Zora, besonders bei viel Welle. Endlich kann Björn schlafen und der Skipper macht´s sich im Cockpit gemütlich. Die Nacht ist mondhell und das Wasser schäumt glitzernd vorbei. Einzelne ganz helle Sterne sind bei diesem Mondlicht zu sehen. Einfach traumhaft! Für solche Nächte auf See nimmt man viel Aufwand und Anstrengung in Kauf. Die Zeit verfliegt im Nu. Immerhin sind jetzt auch ein paar Schiffe auf dem AIS zu sehen. Laut Pilot Chart des Atlantik verlaufen hier die Routen vom Golf von Mexico nach Europa und von New York nach Südafrika. Um 0400 ist dann Marcel an der Reihe. Den braucht der Skipper nur kurz anzutippen und 10 Minuten später steht er gestiefelt und gespornt im Cockpit. Der Skipper verkriecht sich wieder in seiner Lotsenkoje unter der Cockpitducht. Erst um 0900 kommt er wieder heraus. Inzwischen ist schon Rahel auf Wache und Björn sitzt auch schon in der Sonne. Zeit für Frühstück: Es gibt Vollkornbrot mit Philadelphia und allerlei Garnituren: Schinken für die Nichtvegetarier, Käse, Nutella und Honig für die vegetarische Hälfte der Crew. Dazu Tee und Kaffee, je nach Vorlieben. Marcel bekommt sein Frühstück gegen 11:00, denn er ist ja erst um 07:00 ins Bett gekommen. Da wir in der Nacht gehalst haben ist allerlei Verschollenes wieder aufgetaucht, darunter ein Köder zum Fischen, den Rahel zu basteln begonnen hatte. Der wird nun im sonnigen Cockpit fertiggestellt und dann an einer langen Leine achteraus gehängt. Wir machen bereits Menüpläne mit dem noch nicht gefangenen Fisch. Später wird dann auch noch ein Schokoladenkuchen gebacken, gelernt, Hörbuch gehört und „Black Stories“ gespielt. Derweil will kein Fisch anbeißen und das Menü wird auf Pasta umgestellt. In die Fertigsauce schnibbeln wir frische Paprika und Zwiebeln. Heute gelingt es dem Smut, der auch noch im Nebenjob als Skipper agiert, die Crew satt zu bekommen. Drei Farfalle bleiben übrig und werden Neptun geschenkt. Für die Nacht ziehen wir ein zweites Reff ins Groß und rollen den Klüver ein Viertel ein. Platt vor den Laken mit ausgebaumtem Klüver sind wir immer noch mit 8kn unterwegs. Mal schauen, was uns die Nacht bringt…

//WL2K Frei nach Fontane

Die Zora fliegt über die weite See, Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee. Von Samana fliegt sie zu den Azoren. Hört die Geschichte, spitzt eure Ohren!
Plaudernd an den Skipper heran tritt heut´ die Crew: Wie weit noch alter Mann? Der rechnet und denkt so gut er´s vermag: Noch 2000 Meilen, 20 Tag.
Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei. Zum Frühstück gibt´s schon mal ein Ei. Im Ofen backen wir frisches Brot. Auf hoher See wir leiden nicht Not.
Wenn der Wind dann in den Wanten pfeifft, Die Crew hurtig die Winschkurbel greift. Ein Reff wird fluchs ins Groß gezogen. Und zügig geht´s weiter, ungelogen.
Nur Flauten können wir schlecht ertragen, Wenn die Segel hin- und herüber schlagen. Da hilft kein Pusten und kein Geschrei. Wir hoffen es ist bald vorbei.
So segeln wir weiter, Meile um Meile. Ein Segelschiff, das verträgt keine Eile. Und deshalb, ihr Lieben, seid mir nicht gram, kommen wir erst in zwei Wochen an.

//WL2K Der Weg nach Horta

Der direkte Weg von Bermuda zu den Azoren führt typischerweise mitten durch das im Zentrum des Atlantiks liegende Hoch, das in Europa gerne als Azorenhoch bezeichnet wird. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist es unter Bermuda-Azores High bekannt. Im Zentrum eines Hochs ist bekanntlich kein Wind. Jeder Segler auf dieser Strecke muss sich also sorgfältig überlegen, wie er vernünftig zu den Azoren kommt. Die klassische Empfehlung, nachzulesen etwa bei Cornell, „Ocean Passages of the World“, lautet: Von Bermuda Kurs NE bis man den 40. Breitengrad erreicht. An diesem segelt man entlang, bis man die etwas südlicher gelegenen Azoren gut anliegen kann. Der Nachteil dieser Route: Man kommt früher oder später in die Ausläufer eines kräftigen Atlantik-Tiefs, das sich auf dem Weg nach Europa befindet. Dort sind dann Sturmbedingungen anzutreffen, die das Segeln ungemütlich machen. Auf dem direkten Weg wird man allgemein ruhigere Bedingungen vorfinden, braucht dann aber viel Geduld oder eine starke Maschine und viel Treibstoff. Vor unserer Abreise in Bermuda haben wir die simulierte Wetterlage für 10 Tage im Voraus angeschaut. Daraus ging hervor, dass wir wahrscheinlich gut bei 39 Grad Nord werden segeln können. Allerdings wissen wir nicht, wie es nach diesen 10 Tagen weitergeht. Wir rechnen optimistisch mit 18 Tagen für die gesamte Strecke. An Bord können wir Grib Files in begrenztem Umfang empfangen, typischerweise für 3 Tage und für ein Gebiet im Radius von 500 Meilen um unsere Position. So erfahren wir nichts über die Großwetterlage auf dem Atlantik. Dafür ist die Bandbreite unserer Kurzwellen/Pactor Anlage nicht ausreichend. Im Moment haben wir wunderbare Segelbedingungen: NW 10-15 kn, also Beaufort 4, und strahlenden Sonnenschein. Das genießen wir sehr. Das Sonnenöl kommt noch einmal großflächig zum Einsatz! Die Nächte sind allerdings schon recht kühl. Dann sind schon Wollunterwäsche und Ölzeug angesagt. Auch unter Deck ist es in der Nacht frisch: Die Schlafsäcke sind also wieder aus den Schränken geholt worden. Das Barfußsegeln geht also seinem Ende entgegen.

//WL2K Das Bollwerk der Briten im Atlantik

Die Nacht hindurch ist Zora unter ihren beiden Vorsegeln und dem zweifach gerefften Groß nach NE gerauscht. Gestern Nachmittag schon ist Bermuda am Horizont verschwunden. Der Atlantik hat uns wieder und eine ruhige Nacht hat er uns erst einmal nicht gegönnt. Im Stockfinstern haben Marcel und Rahel das Reffmanöver gefahren. Jetzt wird es langsam hell. Der Skipper ist aus seiner Koje geschlüpft und tippt ein paar Zeilen. Björn ist auf Wache im Cockpit. Fünf Tage haben wir auf Bermuda verbracht. Viel mehr hätten wir uns nicht leisten können Nova Scotia 902 find phone , denn die Preise dort lassen Norwegen als Billigland erscheinen. Kein Wunder, ist doch Bermuda eine der Top Adressen unter den Steueroasen. Wir haben die Zeit dort trotzdem sehr genossen. Denn die Insel ist schön. Sozusagen English Countryside with a Tropical Flair… Auf Empfehlung von Matthias von der Class 40 Red, den wir in Samana kennengelernt hatten, sind wir nach „Dockyard“ in die Marina gefahren. An dieser Stelle hatte die Royal Navy bis in die 50er Jahre einen riesigen Stützpunkt, von dem aus sie den Atlantik kontrollieren konnte. Heutzutage sind die Anlagen schick renoviert und darauf optimiert, den Kreuzfahrttouristen, deren Schiffe dort auch festmachen, ordentlich was aus der Tasche zu ziehen. Die Zeit auf Bermuda haben wir genutzt um einige Reparaturen und Verbesserungen durchzuführen, unsere Vorräte zu ergänzen und natürlich um ein wenig von der Insel zu sehen. Von Dockyard aus sind wir mit der Fähre, mit dem Bus und zu Fuß unterwegs gewesen. Ein Höhepunkt war der ITU World Triathlon in Hamilton, den auch noch die beiden lokalen Favoriten gewonnen haben. Die Insel hat getobt!