//WL2K Der Weg nach Horta

Der direkte Weg von Bermuda zu den Azoren führt typischerweise mitten durch das im Zentrum des Atlantiks liegende Hoch, das in Europa gerne als Azorenhoch bezeichnet wird. Auf der anderen Seite des Atlantiks ist es unter Bermuda-Azores High bekannt. Im Zentrum eines Hochs ist bekanntlich kein Wind. Jeder Segler auf dieser Strecke muss sich also sorgfältig überlegen, wie er vernünftig zu den Azoren kommt. Die klassische Empfehlung, nachzulesen etwa bei Cornell, „Ocean Passages of the World“, lautet: Von Bermuda Kurs NE bis man den 40. Breitengrad erreicht. An diesem segelt man entlang, bis man die etwas südlicher gelegenen Azoren gut anliegen kann. Der Nachteil dieser Route: Man kommt früher oder später in die Ausläufer eines kräftigen Atlantik-Tiefs, das sich auf dem Weg nach Europa befindet. Dort sind dann Sturmbedingungen anzutreffen, die das Segeln ungemütlich machen. Auf dem direkten Weg wird man allgemein ruhigere Bedingungen vorfinden, braucht dann aber viel Geduld oder eine starke Maschine und viel Treibstoff. Vor unserer Abreise in Bermuda haben wir die simulierte Wetterlage für 10 Tage im Voraus angeschaut. Daraus ging hervor, dass wir wahrscheinlich gut bei 39 Grad Nord werden segeln können. Allerdings wissen wir nicht, wie es nach diesen 10 Tagen weitergeht. Wir rechnen optimistisch mit 18 Tagen für die gesamte Strecke. An Bord können wir Grib Files in begrenztem Umfang empfangen, typischerweise für 3 Tage und für ein Gebiet im Radius von 500 Meilen um unsere Position. So erfahren wir nichts über die Großwetterlage auf dem Atlantik. Dafür ist die Bandbreite unserer Kurzwellen/Pactor Anlage nicht ausreichend. Im Moment haben wir wunderbare Segelbedingungen: NW 10-15 kn, also Beaufort 4, und strahlenden Sonnenschein. Das genießen wir sehr. Das Sonnenöl kommt noch einmal großflächig zum Einsatz! Die Nächte sind allerdings schon recht kühl. Dann sind schon Wollunterwäsche und Ölzeug angesagt. Auch unter Deck ist es in der Nacht frisch: Die Schlafsäcke sind also wieder aus den Schränken geholt worden. Das Barfußsegeln geht also seinem Ende entgegen.

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