“The Lonely Sea and the Sky” ist der Titel des Buches von Francis Chichester, in dem er seine Rekord-Weltumsegelung in den 1960er Jahren beschreibt. Dieser Titel beschreibt aber auch, wie wir uns in der Sargassosee fühlen, die wir jetzt auf dem Weg nach Bermuda durchqueren. Um uns herum sind nur Himmel und Wasser. In der Nacht hat ein Frachter unser Heck passiert. Sonst ist hier kaum jemand unterwegs. Die Funke ist eingeschaltet, hat sich aber seit zwei Tagen nicht mehr gerührt und auf dem AIS können wir auch nur uns selbst sehen. Heute früh während seiner Wache hat Björn immerhin begeistert einen Vogel gesichtet, vielleicht ein Fregattvogel. Allerdings war er zu weit weg um sicher zu sein. Und unsere Kenntnisse der Ornithologie sind begrenzt. Zora zieht, von PeFö sicher auf Kurs gehalten, Stunde um Stunde mit 7 Knoten dahin. Ganz gelegentlich zupfen wir mal an der Feineinstellung oder trimmen die Schoten ein wenig. PeFö ist unsere Windsteuerung benannt nach Peter Förthmann in Hamburg, der diese Anlagen baut und wortgewaltig vertreibt. Obwohl nichts zu tun ist, gehen wir ordentlich unsere Wachen. Allerdings ist es mühsam in der Nacht nicht einzuschlafen, wenn wirklich gar nichts zu tun ist. Tagsüber wird Festkörperel ektronik gelernt, die Kurzwellenanlage bedient, Essen gekocht oder gedöst. Wir können jetzt im Vorschiff eine Luke öffnen, da der Wind etwas südlich gedreht hat und kaum mehr Wasser an Deck kommt. Dadurch ist es unter Deck auch tagsüber wieder einigermaßen erträglich. Über dem Cockpit haben wir unser Sonnensegel geriggt und können dort jetzt im Schatten “chillen”. Zum Frühstück gab es heute zum zweiten Mal frisches Brot vom Skipper zubereitet. Das Mehl haben wir in Punta Cana im Supermarkt gefunden. Die Hefe stammt noch von Dr. Oetker aus Deutschland. Wir haben noch eine große Menge frisches Obst und Gemüse, das wir in Samana gekauft haben: Kochbananen, frischer Kakao, Maracujas, Mangos, Ananas, Avocados und eine riesige Staude kleine süße Bananen. Wir essen jetzt mit der Reifung um die Wette und fürchten, dass wir das Rennen verlieren werden. Für den Abend und die Nacht sind “Scattered Showers” angesagt, auf die wir uns wegen der erhofften Abkühlung freuen. Hoffentlich blasen die Squalls uns nicht Haare vom Kopf.
Mona Passage
Puerto Rico und die Dominican Republic trennen die etwa 100 Meilen der Mona Passage, auf Spanisch “Canal De La Mona”. Segler sprechen über dieses Stück Wasser mit einer gewissen Ehrfurcht. Skip Novak, Whitbread Skipper aus den 80er Jahren, hält es für erwähnenswert, dass er eine Jacht von Bermuda nach Antigua durch die Mona Passage überführt habe. Im “Free Cruising Guide to the Dominican Republic” schreibt Frank Vigintino: “… the Mona Passage, which is never easy, even when it is, given the amount of anxiety that most suffer quietly (and some loudly).”
Vor der Küste Puerto Ricos liegt der Puerto Rico Trough, mit 9000m die tiefste Stelle im Atlantik. Dieser Unterwassercanyon bündelt den Nordäquatorialstrom und schickt ihn gegen den Sockel von Hispaniola. Im Nordwesten vor Cabo Engano liegen die Tiefen nur noch bei etwa 100m. Selbst bei moderaten Passatwinden kommt es dort zu gefährlichem Seegang. Noch einmal Frank Vigintino: “It feels like standing in the surf on the beach”. Wäre das nicht schon genug, gibt es auch noch eine seismisch aktive Region zwischen der kleinen Insel Isla Desecheo und Puerto Rico.
Verständlicherweise wünschen wir uns für die Reise durch diese Gegend ruhige Bedingungen. Und der Osterhase ist in diesem Jahr besonders großzügig. Pünktlich zum Ostersonntag bringt er uns was die US Wetterfrösche per Navtex als “benign conditions”, angenehme Bedingungen, beschreiben. Am Vorabend unserer Abreise genießen wir noch einmal die nette Gesellschaft in der Marina Pescaderia. Wir sitzen mit zwei Amerikanischen Seglern und einem sehr gebildeten und bereisten Ehepaar aus Puerto Rico an der Bar und klönen über das Land und übers Segeln. Gesa bekommt sogar endlich die wachsende Ananas zu Gesicht. Denn als wir erwähnen, dass wir das noch nicht gesehen haben, nimmt sie Larry an die Hand und zeigt ihr hinter dem Büro der Marina in einem Blumentopf eine Ananaspflanze mit einer kleinen Frucht. Nun fehlt noch der Papagei und die selbst gepflückte Kokosnuss…
Am Morgen des Ostersonntag werfen wir die Leinen los. Cano, Faktotum in der Marina, hilft beim Ablegen und düst dann zur Tankstelle, die wir noch aufsuchen wollen. Für 150 Dollar bekommen wir 180 l, welch ein Schnäppchen. Dann tuckern wir langsam hinaus auf die Mona. Es regt sich kein Lüftchen, während wir die ersten Meilen bei spiegelglattem Wasser hinter dem Arrecife Tourmaline nach Norden motoren. Gegen 11:00 kommt der Seewind aus SW, angetrieben von der kräftigen Thermik über Puerto Rico, und wir segeln am Wind auf Steuerbordbug in Richtung Isla Desecheo. Außerhalb des Riffs bekommen wir die langsame und ruhige Dünung aus Norden zu spüren, die vielleicht 2m hoch aber enorm lang und angenehm ist.

Pünktlich wie im Drehbuch der Meteorologen kommt dann der Wind aus NE und frischt auf, wir sind aus dem Windschatten Puerto Ricos heraus. Das erzeugt erst einmal ziemliches Wellenchaos und Geschaukel. Aber je weiter wir vom Land weg kommen, desto ruhiger wird der Seegang. Zora segelt mit 6 – 7 Knoten auf Kurs 330 Grad und mit Windsteuerung. Wir wollen das “Hourglass Shoal” vor Cabo Engano auf jeden Fall umfahren, selbst wenn uns das ein paar Meilen mehr kostet. Jetzt kehrt Ruhe an Bord ein. Nur die Rotweinflaschen in unserem Schnappsschrank scheppern und werden prompt vom Skipper in Bilge verbannt.

Mit Einbruch der Dunkelheit gehen wir dann reguläre Wachen im 3 Stunden Rythmus. Gesa hat die Wache nach Mitternacht und kann im Westen den Lichtschein von Punta Cana sehen. Sie meint ein weißes Mastlicht zu sehen und ruft den Skipper. Aber das Mastlicht steigt immer höher und verschwindet dann in den Wolken. Wir kommen zu dem Schluß, dass das die startenden Flugzeuge am Airport sind. Die Kombination aus Mondlicht, Lichtschein an Land und den hellen weißen Lichtern die regelmäßig am Horizont aufsteigen findet Gesa “abgefahren”. So machen wir ordentlich Meilen durch die Nacht und können beim hellen Mondlicht schon die Berge hinter der Küste der Domrep sehen.
Wieder kommt das Drehbuch der Meteorologen voll zum Einsatz als in den Morgenstunden der Passat zu schwächeln beginnt und in Richtung Ost dreht. Jede Welle schlägt uns jetzt den Wind aus den Segeln. Das Klappern und Knallen ist herzzerreissend, aber solange das Schiff noch voran kommt ertragen wir das. Als dann nach Sonnenaufgang allerdings die Geschwindigkeit auf unter 4 Knoten zurrück geht, bergen wir die Segel und werfen die Maschine an. So legen wir die letzten 30 Meilen bis zur Ansteuerung der Bahia de Samana zurück.
Aus Beschreibungen von Seglern wussten wir schon, dass es hier im Nordosten von Hispaniola sehr schön ist. Aber was wir zu sehen bekommen ist überwältigend. Dunkelgrün liegen hohe Berge um die Bucht. An weissen Stränden stehen Kokospalmen wie in einem Reiseprospekt und zur Krönung sehen wir in der Ferne eine Gruppe Buckelwale. Auch ein Begrüßungskomittee von 2 Delfinen kommt vorbei und erteilt uns die Einreisegenehmigung in die Bucht.
Der Weg in die Bucht und bis zur kleinen Marina Puerto Bahia zieht sich dann eine Weile hin. Wir glauben eigentlich schon dort zu sein und dennoch trennen uns noch 15 Meilen von der Hafeneinfahrt. In die laufen wir dann pünktlich nach der Reiseplanung ein. Gleich 4 Angestellte der Marina helfen beim Festmachen. Allerdings haben sie wohl eher mit leichteren Schiffen zu tun und das Manöver verläuft chaotisch weil der Wind inzwischen wieder ordentlich aufgefrischt hat. Aber 12 Arme können am Ende verhindern, dass ein Dalben unsere Windsteuerung abrasiert und wir sind am Ende von 3 Monaten Reise durch die Karibik sicher in der Marina Puerto Bahia fest. In den nächsten Tagen wollen wir noch ein wenig das Land erkunden, bevor Gesa mit Ada in La Romana die Aida Luna besteigen um damit nach Kiel zu reisen. Der Skipper hat dann noch eine Woche um das Schiff für die Rückreise über den Atlantik vorzubereiten.
Puerto Rico
Von Puerto del Rey wollen wir früh los in Richtung Westen. Der nächste geeignete Ankerplatz ist 35 Meilen entfernt und liegt hinter einem Korallenriff. Da wollen wir nicht im Dunkeln ankommen. Aber der Skipper hat in der Nacht über einige Merkwürdigkeiten in der Schiffselektrik nachgedacht und möchte nun die Starterbatterie tauschen. Er glaubt das ginge in PDR deutlich einfacher als anderswo, denn hier gibt´s einen Ausrüster, der auch entsprechende Batterien führt und die netten Golfcarts fahren die schwere alte Batterie zum Ausrüster und die neue wieder zum Schiff. Wo bekommt man sonst einen solchen Service? Allerdings macht der Ausrüster erst um 08:30 auf. Pünktlich, wie er meint, steht der Skipper vor der Ladentür, aber nichts regt sich. Irgendwann kommt mal jemand vorbei und deutet an, dass der Laden wohl erst in einer Stunde öffnet. Der Skipper glaubt das liege am lateinamerikanischen Zeitmanagement. Aber er irrt sich. Seine Uhr geht um eine Stunde falsch! Wie das? Unser Wetterbericht auf 8137 kHz SSB aus Miami sendet seit Sonnabend eine Stunde früher. In den USA wurde nämlich die Sommerzeit an diesem Wochenende eingeführt. Außerdem hat sich die Uhr auf Gesas iPhone ebenso um eine Stunde vorgestellt. Da haben wir naiv angenommen auch Puerto Rico habe die Uhren vorgestellt. Aber die ticken hier nur bedingt im Takt von Washington und bleiben einfach in derselben Zeitzone. Also muss der Skipper wohl oder übel abwarten.
Schließlich erscheint der Ladeninhaber pünktlich nach seiner Uhr und der Skipper bekommt die neue Batterie. Die juckelt dann mit dem Golfcart über die Stege von PDR bis zum Liegeplatz und wird auch sofort eingebaut. Dazu muss der Skipper durch die Backskiste in den Maschinenraum unter das Cockpit, eine Tätigkeit die schon in einer Hamburger Bootslagerhalle bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt den Schweiß aus den Poren treibt, ganz zu schweigen bei karibischen 30 Grad!
Auf diese Weise beginnt die Reise heute nicht wie geplant um 08:00 sondern erst um 11:00. Zunächst geht es gegenan nach Osten um die Isla Pineros und die Punta Puerca, dann mit Kurs SW immer an der Ostküste Puerto Ricos entlang in Richtung Punta Tuna. Erste Sehenswürdigkeit ist die ehemalige Naval Base “Roosevelt Roads”. Hier hatte die Navy im zweiten Weltkrieg eine riesige Anlage errichtet um im Notfall die gesamte Britische Flotte aufzunehmen, sollte Hitler tatsächlich Großbritannien besetzen. Diese gigantische Anlage ist inzwischen aufgegeben und nur rostende Kräne lassen erahnen, was hier einmal vorhanden war, zwischendrin trostlos eine kleine Marina, in der noch einige ehemalige Offiziere ihre Booten haben.
Auf Backbord liegt Viequez, das wir leider nicht besucht haben und dessen Silhouette sich eindrucksvoll im Gegenlicht präsentiert. Auf Steuerbord sehen wir im Fernglas die Marina Palmas del Mar, die wir nicht anlaufen wollen, da in der Einfahrt bei der vorherrschenden Windlage die Wellen brechen können. Denn als wir aus dem Lee von Viequez herauskommen bekommen wir wieder ordentlich Welle, ein Gruß aus Martinique meint der Skipper zur Crew, wo zurzeit “Brisk Trades” vorherrschen, wie sich Chris Parker in seinem hervorragenden Wetterbericht ausdrückt. Während wir so um Punta Tuna, die SE Ecke von Puerto Rico, herumsegeln, bekommen wir Besuch von der Policia, die sich mit einem potenten Rib durch die Welle kämpft. Wir lauschen aufs UKW und beobachten durchs Glas, was die Obrigkeit von uns will und zu tun gedenkt. Doch die winkt nur freundlich und verschwindet achteraus.
Wir nehmen das erleichtert zur Kenntnis und setzen unseren Weg fort, der heute vor dem Örtchen Puerto Patillas endet, einigermaßen geschützt von einem vorgelagerten Korallenriff, das wir sehr aufmerksam und vorsichtig runden. Als wir schließlich rum sind, sinkt die Aufmerksamkeit deutlich ab, so dass uns nicht auffällt, dass wir in viel zu flaches Wasser gelangen. Zwei oder drei satte Rrrums, mit denen unser Kiel auf dem Grund aufsetzt, wecken unsere Sinne wieder. Aber das Problem ist durch beherztes Rückwärtsfahren rasch beseitigt und wir liegen sicher vor Anker. Allerdings ist der Platz nur bedingt Katalog-geeignet. Die seit fast 10 Jahren andauernde Wirtschaftskrise in Puerto Rico hat solchen Orten ordentlich zugesetzt und die einladende Beschreibung im Hafenhandbuch lässt sich nur noch mit viel Phantasie mit der Wirklichkeit in Übereinklang bringen. Noch dazu ist die “Anchorage somewhat rolly”, auf gut Deutsch: Man muss die Bierflasche ordentlich festhalten sonst braucht man sie nicht selber auszutrinken.

Am nächsten Morgen gehts darum ohne viel Gedöns ankerauf und weiter in Richtung Bahia Jobos. Der Passat ist wieder kräftig und die Welle ausgeprägt. Gesa findet das langsam anstrengend und freut sich, dass wir nach nur 4 Stunden wieder hinter ein Korallenriff verschwinden. Wir hätten da auch schon früher sein können. Aber wir verzichten die nicht ausgetonnte Einfahrt “Bocas del Infierno” zu nutzen, der Name sagt hier, glaube ich, bereits alles. Stattdessen segeln wir 5 Meilen extra und fahren durch die ausgetonnte tiefe und breite Zufahrt für den Hafen von Jobos. Die im Handbuch angepriesene Betonnung besteht allerdings nur aus einem winzigen Tonnenpäärchen und einer ziemlich unscheinbaren rostigen Bake an Land, beides nur mit guten Augen und dem Fernglas zu finden. Aber Navigation in der Karibik ist einfach: immer sichtiges Wetter! So gelangen wir sicher in eine wunderschöne Bucht, in der sich ausser uns niemand befindet. Die Ufer sind dicht mit Mangroven bewachsen. In der Ferne sieht man die Hügel und Berge von Puerto Rico und nur ein Kräuseln kann der Wind auf die Wasserfläche zaubern. Einzig das große Kraftwerk von Jobos im Hintergrund verdirbt ein wenig die Postkartenidylle. In dieser Bucht soll es die besten Hurricane-Holes von Puerto Rico geben, tief drinnen in den Mangroven, wo man sich mit vielen Leinen rundum an den stabilen Wurzeln festbinden kann. Wir erkunden diese später am Nachmittag mit unserem Dinghi, aber selbst für das Dinghi sind die allerletzten Ecken nicht mehr erreichbar: Alles dicht zugewachsen.
Trotz Idylle verholen wir nach einer wunderschönen ruhigen Nacht in die 3 Meilen westlich gelegene kleine Bucht von Salinas. Hier soll es eine Marina geben und einen kleinen Ort. Auch die Bucht von Salinas gilt als Hurricane Hole. Aber hier hat der Schutz beim letzten Mal nicht ausgereicht: Das sehen wir sofort beim Einlaufen. Überall ringsum in den Mangroven sind noch Wracks oder Reste davon. Selbst in der wunderschönen kleinen Durchfahrt zwischen zwei Cays zur Playa de Salinas liegt noch ein Boot auf Grund. Das zerfetzte Rollsegel weht im Wind. Es fällt uns immer wieder schwer zu begreifen, warum dieser Müll nicht beseitigt wird. Wem gehören alle diese gesunkenen Boote und sorgen die Behörden nicht dafür, dass die gehoben und entfernt werden? Oder hat die wieder aufgebaute kleine Bar direkt am Ufer kein Interesse daran, dass der Blick von der wunderschönen Terasse nicht auf einen Müllhaufen geht? Aber, wie gesagt, die Uhren ticken anders hier.

Wir erledigen unsere emails, versuchen erneut eine Reservierung in einer Marina in der DomRep zu arrangieren und machen eine kleine Wanderung zum 3km entfernten Salinas. Der Weg dorthin führt erst am Strand entlang und dann durch Wohngebiete, die allesamt mit Mauern und Gittern gesichert sind. Uns befällt Unbehagen wenn wir uns versuchen vorzustellen, wovor diese Mauern, Zäune und Gitter die Bewohner schützen sollen. Wir fühlen uns hier eigentlich nicht bedroht. Aber auch mancher Autofahrer macht sich Sorgen um uns und hält an um uns an unser Ziel zu bringen. Vielleicht sind wir doch zu naiv. Aber die spontane Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aller, mit denen wir in Kontakt kommen, lässt solche Gefühle nicht aufkommen.

Salinas ist ein geschäftiges kleines Örtchen mit der derben Mischung aus Charme, Verfall und Müll, an den wir uns nicht gewöhnen wollen. Die Kirche und das Rathaus sind hübsch an einem kleinen Platz gelegen mit obligatorischer Statue eines lokalen Helden aus Bronze und mit Anzug und Krawatte, an den Straßen überall üppige Blüten in traumhaften Farben. Auf dem Weg aus dem Ort dann wieder verfallene, eingestürzte Häuser, Schlaglöcher. Der Supermarkt am Stadtrand inmitten eines gigantischen Parkplatzes könnte auch in jeder Stadt auf dem US Amerkanischen Festland zu finden sein. Laut Wikipedia hat Puerto Rico das höchste pro Kopf Einkommen in der Karibik, den Zahlen nach vergleichbar mit Italen. Wenn man die großen Autos hier sieht oder die Preise im Supermarkt betrachtet, erscheint das plausibel, entlang der Straßen in Salinas allerdings weniger. Mit Verpflegung im Rucksack wandern wir schließlich zurück zu unserem Liegeplatz und geniessen auf der Terasse der Bar ein Bier mit Blick auf die Bucht: Wenn man in die richtige Richtung schaut ist alles sehr idyllisch.
Isla del’ Encanto
Von St. Thomas, US Virgin Island nach Culebra, Puerto Rico, sind es 20 Meilen. Vor guten 4 bis 5 Beaufort aus SE schaukeln wir hinüber zu den “Spanish Virgins”, dem Teil dieser Inseln, die noch von der alten Spanischen Kolonialtradition geprägt sind, obwohl sie jetzt auch politisch zu den Vereinigten Staaten gehören.
Im Licht des späten Nachmittags runden wir das Arrecife Culebrita und laufen in die Ensenada Honda ein. Die Bucht ist auf drei Seiten von der Insel umschlossen und nach Süden hervorragend durch ein Korallenriff geschützt. Wenige hundert Meter vor dem Town Dock fällt unser bewährter Spade ins etwas trübe Wasser. Dann
kehrt nach dem Geschaukel auf dem immer noch beachtlichen nördlichen Schwell vollkommene Ruhe ein. Der Wind aus SE kräuselt ein wenig das Wasser, am Ufer reiht sich ein buntes Häuschen mit Anleger an das nächste und über einen kleinen Kanal spannt sich eine altertümliche Hebebrücke. Ausser uns liegt noch ein Franzose, ein Däne und ein Norweger hier. Alles andere sind “Locals”, welch ein Kontrast zum geschäftigen Charlotte Amalie und zu den Ankerbuchten auf den östlicheren Inseln. Ausserdem ist hier kaum etwas von den Hurricane-Schäden zu sehen. Das ist wohltuend nach Wochen Katastrophen-Kulisse.

Die Crew will sofort an Land, aber der Skipper ist ausgepowert nach einem langen heißen Tag und leistet passiven Widerstand indem er sich mit einem kühlen Bier im Cockpit verschanzt. Der Landgang muss also bis zum nächsten Tag warten. Langsam senkt sich der Abend und die Nacht über die Ensenada Honda und lässt eine zauberhafte Kulisse entstehen überspannt von einem wundervollen Sternenhimmel. Das ist ein passender Einstand für die Isla del´Encanto, die verzauberte Insel, wie es hier auf jedem Nummerschild heißt.
Am nächsten Morgen steht wieder Einklarieren auf dem Programm. Zwar gehören sowohl St. Thomas als auch Culebra zu den USA, aber uns wurde schon in Charlotte Amalie erklärt, dass wir zwar jetzt in die USA eingereist seien, unseren “Cruising Permit” für die Vereinigten Staaten bekämen wir aber erst in Puerto Rico. Auf Culebra muss man das am Flughafen erledigen, der etwa zwei Kilometer vom Town Dock entfernt ist. Wir wandern an der Hauptstraße entlang und werden freundlich von den Vorbeifahrenden gegrüßt. Der Flughafen ist zwar winzig hat aber ein großes Büro der Homeland Security. Der Officer ist zunächst genervt weil wir uns nicht schon am Abend telefonisch gemeldet hatten, wird dann aber zunehmend freundlicher und nach etwa einer halben Stunde Papierkrieg erteilt er der Zora ein Crusing Permit, das für ein Jahr gültig ist, entschuldigt sich aber dafür, dass er 35 Dollar kassieren muss. “It´s for the boss. He needs the money. He is crazy! But he is the boss.” Er zeigt dabei auf Donald Trump an der Wand, der mit bekannt grimmigem Blick aus seinem Bilderrahmen auf uns herunter schaut.
Mit diesem wertvollen Dokument im Gepäck und somit voll und ganz im Land der unbegrenzten Möglichkeiten legitimiert wandern wir wieder zurück in den Ort auf der Suche nach einem Frühstück. Leider finden wir das im “Pavlidis” angepriesene Cafe Rosita nicht und nehmen mit einer ziemlich schäbigen Bude vorlieb, in die der Hunger uns hineintreibt. Leider treibt uns der Ekel kurz darauf wieder heraus, denn in einem unserer Pancakes findet sich eine Fliege. Dieser Schreck ist rasch vergessen, nachdem wir einmal auf die Westseite der Insel gewandert sind, wo wir eine traumhafte kleine Bucht mit Sandstrand und Korallenriff vorfinden. Hinter dem Riff hat das Wasser beinahe Badewannentemperatur. Wir sitzen einfach nur im warmen Wasser und lassen den Tag verstreichen. Der klingt aus in “Mamacita´s” direkt am kleinen Kanal, wo es köstlichen Fisch zu essen gibt und riesige Fische zu bestaunen, die im Schein der Lampen direkt vor der Terasse am kleinen Kanal herumschwimmen.

Am nächsten Morgen gibt es lange Diskussionen an Bord über die weitere Route. Am bevorstehenden Wochenende soll der Wind mal wieder ordentlich zulegen und der Skipper denkt, dass die Crew dann vielleicht nicht segeln will. Er möchte gerne nach Viequez und dort das Wochenende verbringen. Viequez ist die zweite große Insel der Spanish Virgins, wo es eine Bucht mit Meeresleuchten geben soll. Die Crew will das nicht, denn um nach Viequez zu gelangen müssen wir gegen den SE ankreuzen und ausserdem ein Gebiet der Navy queren. Über dieses haben wir widersprüchliche Infos. Wir haben drei unterschiedliche Karten an Bord, zwei elektronische und eine aus Papier. In jeder dieser Karten ist etwas anderes vermerkt! Das Buch von Pavlidis als vierte Quelle ignoriert das Problem völlig. Schließlich einigen wir uns darauf direkt zur Hauptinsel Puerto Rico weiter zu segeln und dort in der Marina Puerto del Rey nach Wochen mal wieder ordentlich zu duschen! Wenige Stunden später sind wir dort fest zwischen einer Unzahl riesiger Motoryachten und werden von einem kleinen Golfcart zum Büro gefahren damit wir die wenigen hundert Meter nicht zu Fuß gehen müssen.
In PDR, wie hier alle die Marina nennen, gibt´s für uns WWW, was nicht für World-Wide Web sondern für Warm Water und Wireless steht, daneben Wäschewaschen und ein Auto mieten. Mit dem geht´s dann am nächsten Tag in die Hauptstadt nach San Juan. Das Buch über Puerto Rico hat nicht zuviel versprochen: San Juan ist eine Offenbarung und steht hinter kaum einer südeuropäischen Hafenstadt zurück: Die Stadt ist auf einer Felsinsel errichtet, die einem großartigen Naturhafen vorgelagert ist. Spanien hat von hier aus 300 Jahre lang seine Mittel- und Südamerikanischen Kolonien geschützt und versorgt. Entsprechend wurde die Insel befestigt und gegen Franzosen, Briten, Niederländer und Dänen verteidigt. Ende des 19. Jahrhunderts war dann Spanien nicht mehr in der Lage sich gegen die aufstrebenden Vereinigten Staaten zu behaupten und verlor Puerto Rico im Spanish-American War. Die riesigen Festungsanlagen San Felipe del Morro und Castillo San Cristobal sowie die alten Stadtmauern sind vollständig erhalten geblieben.

Die US Navy hat sie sogar noch einmal im 2. Weltkrieg genutzt um sich gegen eine eventuelle Invasion durch deutsche U Boote zu rüsten. Hinter diesen Mauern findet sich eine wunderschön renovierte Stadt mit bunten Häusern, engen Gassen, eindrucksvollen Palästen und voller lateinamerikanischer Lebensart. Vor den Mauern brandet der Atlantik mächtig gegen die Felsen. Wir wandern voll Staunen durch dieses UNESCO Weltkulturerbe.

Am Abend machen wir uns beeindruckt und bezaubert wieder auf den Rückweg in die Marina. Aus dieser Bezauberung holt uns allerdings auf der Autobahn ein Schlagloch von wahrhaft riesenhaften Ausmaßen, das in der beginnenden Dämmerung nicht mehr zu vermeiden war. Vom Knall zu urteilen müsste eigentlich die Radaufhängung in Stücke gerissen worden sein, aber oh Wunder Japanischer Technik, wir können bei der späteren Inspektion keinen sichtbaren Schaden erkennen. Der Autovermieter meint später: Yeah, Puerto Rico is famous for its potholes…
Oh say can you see…
Die Expressfähre braust von Tortola nach Westen. Das Schiff sieht aus wie ein Schnellboot der Marine und ist entsprechend laut. Die Maschine röhrt und der Schiffskörper vibriert. Mit fast 30 kn fliegt die Küste von Tortola an uns vorbeit. Dann kommt offenes Wasser. Der im Norden über dem Atlantik tobende Wintersturm hat mächtig Schwell hierher geschickt. Die Fähre reduziert ein wenig die Fahrt, damit das Aufsetzen des Rumpfes die Passagiere nicht zu sehr durcheinander wirbelt. Aber es knallt und rummst mächtig, wenn der Aluminiumrumpf in die vielleicht 3m hohen Wellen einsetzt. Auch der Schiffsführer scheint von dem Schauspiel beeindruckt und kommt aus dem Steuerhaus um mit seinem Handy zu filmen: Rechts und links branden die Wellen meterhoch an die Inseln. Das Wasser ist türkisblau wie ein Gletscherbach vom aufgewirbelten Sand. Doch das Spektakel dauert nicht lange. Dann erreicht das Boot die Durchfahrt zwischen St. John und St. Thomas und schließlich im Lee der Inseln ist das Wasser wieder glatt. Wenig später laufen wir in Charlotte Amalie ein, der Hauptstadt von St. John und damit Teil der Vereinigten Staaten von Amerika.
Die Crew musste fürs Erste die Zora auf Tortola zurücklassen um die bürokratischen Hürden zu nehmen, di

e das Ministerium für die Sicherheit der Heimat vor eine Einreise auf eigenem Kiel in die USA errichtet hat – würde da nicht unser neuer Bundesinnenminister vor Freude glucksen… Ja, in der Tat, während wir mit Flugzeug oder Schiff ohne Visum im gelobten Land einreisen, benötigt man für die Einreise mit dem eigenen Wasserfahrzeug ein waschechtes Besuchervisum. Letzteres kann man bei einem Konsulat der Vereinigten Staaten bekommen, also z. B. Berlin oder Frankfurt. Das geographisch nächste zur aktuellen Position der Zora befindet sich auf Barbados. Es wäre recht aufwändig dorthin zu reisen. Warum das alles so ist? Darauf gibt es eine einfache aber unbefriedigende Antwort, die einem jeder in schmucke Uniform gekleidete US Amerikanische Beamte entgegenschleudern wird: “It´s the law!” Aber wie jedes Gesetz hat auch dieses ein “loophole”: Wenn man einmal mit einem öffentlichen Transportmittel ohne Visum eingereist ist, dann bekommt man einen Stempel in den Pass, der 90 Tage Gültigkeit hat. Und mit diesem wiederum darf man in den nächsten US-Amerikanischen Hafen segeln.
Schon auf Martinique war uns das Problem mit dem Visum aufgefallen und unser Shore Team in Freiburg hatte dann die Lösung mit dem Stempel heraus gegoogelt, zu dessen Umsetzung wir heute unterwegs sind. In der Praxis geht das so: 1. Irgendwo hinsegeln, wo man Internet bekommt. 2. Eine elektronische Reisegenehmigung, vulgo ESTA, einholen. 3. Tickets für eine öffentliches Verkehrsmittel erwerben, das das Territorium der USA ansteuert. 4. Letzteres besteigen und unversehrt den Boden der Vereinigten Staaten betreten, ausgestattet mit einem biometrischen Pass. 5. In der unterprivilegierten Schlange für Nicht-Amerikaner und sonstige Fieslinge mindestens eine Stunde warten. 6. Abdrücke sämtlicher Extremitäten abliefern und sich ablichten lassen sowie allerlei irrelevante Fragen beantworten. 7. Mit dem Stempel im Pass gleich wieder den Rückweg antreten.
Bei der Umsetzung dieser Vorschrift befinden wir uns jetzt gerade, allerdings im zweiten Versuch. Denn beim ersten war aus unerfindlichen Gründen Gesas ESTA Antrag nicht durchgegangen und die Mitteilung darüber war im SPAM Ordner verschwunden, was dann zu einer nutzlosen Taxifahrt für lockere 56 Taler (i.e. Dollar) geführt hatte. Aber zurück zum Kern des Geschehens:
Nach den völlig zerstörten Britischen Jungferninseln wirkt St. Thomas wie eine heile Welt. Zwar haben auch hier die beiden Ladies from Hell, Irma und Maria, gewütet. Aber entweder die Amis haben schon alles in unnachahmlicher Effizienz und Geschäftigkeit wieder aufgebaut oder die Schäden waren viel weniger schwer, vielleicht beides. Auch das Ambiente ist hier ganz anders: Im Hafen liegen drei Kreuzfahrer, zwei von der Britischen und einer von der Französischen Variante. An der Strandpromenade braust der Autoverkehr. Wir betreten mit etwas bangem Herzen das Empfangsgebäude der Homeland Security und reihen uns brav in die Schlange der Wartenden. Nach der obligatorischen Stunde werden wir mit dem Ritterschlag der Einreisebehörde belohnt: “You did the right thing!”.
Eigentlich könnten wir jetzt gleich wieder zurück nach Tortola, aber die nächste Fähre geht erst wieder in 4 Stunden und die verbringen wir mit einem Stadtbummel: Direkt am Hafen liegt das alte Dänische Fort aus dem 17. Jahrhundert. Die Besichtigung des alten Gemäuers gegen 10 Taler ist nicht sehr eindrucksvoll, aber allemal netter als das Spießrutenlaufen durch die Mainstreet, wo sich ein Juwelier an den anderen reit. Hier werden die Schiffstouristen (nicht die Segler) abgefischt. Denn St. John ist zollfrei! Wir finden das Spektakel widerlich und verdrücken uns in eine Seitengasse, wo man die Bebauung mit Lagerschuppen aus Dänischer Zeit noch erahnen kann und man im Schatten ein Carib gegen 5 Taler bekommt. Pünktlich um 14:30 donnern wir dann wieder mit der Fähre zurück nach Road Town und mit dem Taxi für 28 Taler ans Westende der Insel, wo Zora wohlbehalten um ihre Ankerkettekette schwojt.
Am Abend geben wir dann unsere Abenteuer beim gemütlichen Bier an unsere Ankerfreundschaften wieder: Ian und Manuelle aus London von der Mister X und Pouwel und Marji aus den Niederlanden von der Gwelan. Letztere eine Victoire 1200 aus der Feder von Meister Koopmans. Die Ähnlichkeiten zur Zora sind unverkennbar!
Hurricane Irma
Zora liegt vor dem französischen Teil der Insel Sint Maarten/Saint Martin vor Anker. Der Passat soll in den nächsten Tagen wieder ordentlich zulegen und bis 30 kn erreichen. Unsere nächste Etappe führt über die Anegada Passage, knapp 100 Meilen offener Atlantik zu den Virgin Islands. Dafür wünschen wir uns etwas ruhigere Bedingungen als dort zurzeit herrschen. Bestätigung liefert ein Bericht von der RORC Caribbean 600, an der auch einige Hamburger Schiffe teilnehmen, die Haspa, Broader View Hamburg, die Outsider. Die Wettfahrt geht von Antigua nach Süden um Guadeloupe herum und dann nördlich zwischen Anguilla und Sint Maarten hindurch zurück nach Antigua, 600 sm insgesamt. Vor Saba ist ein großer Katamaran durchgekentert und 34 Schiffe haben aufgegeben. (Die Broader View Hamburg, die HASPA und die Bank von Bremen sind alle durchgekommen, eine beachtliche Leistung wenn man bedenkt, dass sie von jungen Enthusiasten gesegelt werden und nicht von bezahlten Profis wie z. B. die Rambler, die die Wettfahrt gewonnen hat)
Wir haben also genug Zeit für allerlei Aktivitäten, Inseltouren, Reparaturen, Lesen, Gammeln.
An diesem Sonntag wollen wir endlich mal die Fahrräder aus der Backskiste holen, die dort schon mehrere Tausend Meilen vor sich hinschlummern. Eine Tour um die Lagune sollte doch mal drin sein. Dazu müssen wir unsere beiden Birdys mit dem Dinghi an Land bringen, eine echte Herausforderung, denn mit zwei Fahrrädern und zwei Personen ist unser kleiner Lastesel eigentlich jenseits seiner Transportkapazität. Aber das Manöver gelingt erstaunlich gut und die edlen Drahtesel gelangen trocken und sicher an Land. Dort versammelt sich rasch eine kleine Gruppe Neugieriger, die solche Fahrräder noch nicht gesehen hat. Vor allem das Interesse einiger Jungs, die wohl am liebsten gleich damit losfahren würden, erfordert Umsicht und Fingerspitzengefühl.

Wenig später sind wir dann unterwegs, jedoch noch etwas vorsichtig: Unsere Luftpumpe passt nicht zu den Autoventilen des einen Fahrrads und wir brauchen eine Tankstelle zum Aufpumpen. Normalerweise gibt es Tankstellen an jeder Ecke, auch und ganz besonders auf diesen Inseln, die von Autos wimmeln. Aber hier auf St. Martin ist das anders. Im September letzten Jahres ist Hurricane Irma über die Insel hinweggerollt und hat die Infrastruktur schwer beschädigt. Inzwischen, ein halbes Jahr danach, ist das Meiste mehr oder weniger in Gang, aber eben nicht alles. Wir finden zwar Tankstellen, aber die sind gerade erst wieder aufgebaut und haben noch keine Druckluft. Erst bei der Autovermietung Hertz haben wir Erfolg. Man hilft uns freundlich mit dem mobilen Kompressor.
Die Route führt zunächst auf den Holländischen Teil von St. Martin/Sint Maarten. Die Grenze wird durch drei Flaggenmasten markiert: Frankreich, Niederlande und die eigene Flagge von St. Maarten wehen dort. Dann geht es durch ein ziemlich gerupftes Industriegebiet hinüber nach Simpson Bay und in Richtung Flughafen. Die Kombination von Industrie, Billigtourismus und Zerstörung in diesem Teil der Insel raubt uns den Atem. Wir fahren hindurch zwischen Kasinos, Supermärkten, Autovermietungen, Bars. Überall Schilder: We are open! Rechts von uns liegt die große Lagune, erkennbar an den Masten von einigen Superyachten, die dort bereits wieder ankern.

Die Lagune von St. Maarten galt eigentlich als Hurricane-Hole. Aber Irma hat hier alles abgeräumt. Die Wucht des Sturms muss unvorstellbar gewesen sein. Überall liegen noch Wracks im Wasser. Auch eine futuristisch aussehende 30m Motoryacht ist darunter. Sie wirkt wie ein abgestürztes Ufo. Weiter westlich gelangen wir dann an den Flughafen. Längs der Zufahrtsstraße liegen dutzende gestrandeten Schiffe. Yachten, Fischdampfer, auch ein älterer Schlepper ist darunter. Auch das Flughafenterminal ist gezeichnete. Teile der Fassade sind abgerissen und die Passagiere müssen noch durch einen provisorischen Zugang direkt aufs Flugfeld. Die Abfertigung scheint in hastig aufgestellten Containern zu erfolgen. Natürlich stauen sich die Menschen und die Autos, weil die Kapazitäten jetzt viel zu klein sind.

Schließlich gelangen wir nach Maho Beach, wo man direkt unter der Einflugschneise am Strand liegen kann während die landenden Flieger nur wenige hundert Meter vor dem Aufsetzen direkt darüber hinweg donnern. Trauben von Menschen stehen dort mit Kameras um die landenden Flugzeuge festzuhalten. Unmittelbar daneben wieder Hotels und Kasinos, die allerdings so schwer beschädigt sind, dass man nicht glaubt sie könnten schon wieder in Betrieb sein. Aber nein! Auch hier Schilder: We are open und zwischen den vielen mit Brettern verschlossenen Fensteröffnungen sieht man einige, die so wirken als wohne jemand dahinter.

Die Tour geht weiter und wieder zurück auf französisches Gebiet. Wir durchqueren Terre Basses, eine Villenviertel, in dem die Häuser fast unbeschädigt aussehen. Entweder hier wurde mit viel Geld alles schon wieder repariert oder die solidere Bauweise hat den Sturm besser überstanden. Kurz bevor wir wieder unseren Ankerplatz erreichen fahren wir noch durch “Sandy Ground”, einen Ort der auf einem Sandstreifen zwischen Atlantik und Lagune liegt. Hier wohnen weniger wohlhabende Menschen. Und hier hat Irma fürchterliche Spuren hinterlassen. Immer noch stehen zerstörte Autos am Straßenrand, die meisten Häuser haben keine Dächer oder sind gleich ganz platt.

Am folgenden Tag machen wir noch eine Inselrundfahrt mit Mietauto und können die Schäden auf der Ostseite der Insel beschauen. Besonders dramatisch ist es dort, wor der Atlantik ungebremst auf die Küste trifft. Von der Bebauung dort kann man nur noch die Reste erahnen, die in Haufen über die Landschaft zerstreut sind. Aber selbst dort regt sich wieder das Leben: Wir folgen einem handgemalten Schild und finden eine kleine Bar aus Schutt zusammengezimmert. Davor sind die Kitesurfer unterwegs… Mit dem Rücken zum Land und mit Blick auf Meer könnte man meinen, es sei nichts geschehen.
Dominica
In der Nachmittagshitze ist die Crew der Zora hinauf zum Fort Napoleon gewandert. (So etwas tun nur Deutsche. Alle anderen düsen mit knatternden Scootern oder elektrischen Golfcarts die steile Straße hinauf zu diesem wunderschönen Aussichtspunkt) Aber der Blick von diesem strategischen Aussichtspunkt auf den Isles des Saintes lohnt die Mühe und ist atemberaubend. Im Norden erscheint Guadeloupe zum Greifen nahe, der Vulkan La Souffriere in Wolken gehüllt, im Süden erscheinen die Umrisse von Dominica, etwas bedrohlich wie ein gestrandeter Wal.

Von dort war Zora am Vortag zum kleinen Archipel der Isles des Saintes gesegelt, nachdem sie in Prince Rupert Bay einen Tag geankert hatte, damit die Crew die Insel erkunden konnte. Das war eine besondere Erfahrung über die hier berichtet werden muss:
Die Geschichte beginnt im September des Vorjahres, denn am 19. Tag dieses Monats in der Nacht hatte der Wirbelsturm Maria, ein Hurricane der Kategorie 5, die Insel überrollt und unvorstellbare Schäden angerichtet. Der Skipper hatte damals die Wetterentwicklung verfolgt, aus Neugier und als Vorbereitung auf die anstehende Atlantiküberquerung. In den Nachrichten und im Internet gab es Bilder und Berichte, die aus der Ferne kaum einzuordnen sind. Die Familie von Reibnitz, die Dominica von vielen Reisen mit der “Peter von Seestermühe” kennt, hatte damals einen Hilfscontainer organisiert und Freunde bzw. Bekannte um Beiträge gebeten, die die Crew der Zora gerne geliefert hat.
Nun aber können wir aus einem Abstand von etwas 3 Meilen die Situation mit eigenen Augen betrachten. Die steilen mächtigen Berghänge wirken nicht satt grün, wie etwas auf Martinique. Vielerorts ist gar keine Vegetation mehr zu sehen und das Grün wird merkwürdig dürftig und blass. Viel schlimmer aber sehen Häuser und Infrastruktur aus. Kaum ein Haus, das, selbst jetzt 5 Monate nach dem Sturm, unbeschädigt erscheint. Am Ufer dann die traurigen Reste von Palmstämmen, die auf halber Höhe abrasiert erscheinen.
Auf Martinique und St. Lucia hatte man uns erzählt, dass einzig ganz im Norden der Insel, in Prince Rupert Bay, die Infrastruktur wieder so weit hergestellt sei, dass dort Bootstourismus möglich wäre. Aber wir hatten auch gehört, dass aufgrund der Katastrophe die Sicherheitslage schwierig sei. Auf gut Deutsch, dass man mit Diebstahl oder gar Raub rechnen müsse. Mit gemischten Gefühlen segelt also die Crew unter der Küste Dominicas nach Norden und erreicht etwas spät Prince Rupert Bay. Die Strecke von St. Pierre sind immerhin etwas über 50 Meilen.
Schon weit vor der Ankerbucht wird die Zora von einem Fischerboot abgefangen, allerdings mit einem sehr freundlichen “Welcome to Dominica”. Wir werden gefragt nach dem woher und wohin. Ausserdem bietet uns Avin von der PAYS (Portsmouth Associated Yachting Services) Hilfe vor Ort an. Diese nimmt der Skipper gerne an, denn es wird dunkel und ein Lotse in die Ankerbucht bei Dunkelheit können wir gut gebrauchen. Natürlich verbleibt zunächst ein gewisses Misstrauen, das aber rasch schwindet, nachdem uns Avin freundlich und kompetent zum Ankerplatz lotst, sich dann höflich verabschiedet und ankündigt, er werde am Morgen wiederkommen und schauen, was er für uns tun könne.
Am nächsten Tag bringt uns Avin zum Einklarieren, hilft mit den Formalitäten, macht die “Indian River Tour” mit uns, empfiehlt ein gutes Restaurant für den Abend, bringt uns dorthin und fährt die Crew zum Schluß auch wieder zurück und das alles für einen völlig angemessenen Preis. Darüber hinaus berichtet er vom Hurricane, von seiner Insel, seinen Plänen und vieles mehr. Wir fühlen uns in jeder Hinsicht wohl und gut versorgt und genießen den Luxus, den uns unser privater Guide bereitet.

Trotzdem bleiben wir nur einen Tag auf dieser gastfreundlichen Insel. Bei aller Gastfreundschaft sind die Möglichkeiten für einen Inselbesuch immer noch stark eingeschränkt. Als dann die Wettersituation ein günstiges Fenster öffnet für die Überfahrt zu den Isles des Saintes, ist die Entscheidung schnell getroffen und die Ankerkette rumpelt über die Winsch in den Kettenkasten. Nur wenige Stunden später liegen wir an einer Boje im kleinen Archipel des “Saintes”. Welch anderes Bild bietet sich hier. Zwar sind auch auf den Isles des Saintes, 20 Meilen nördlich von Dominica ein paar Auswirkungen von Maria zu sehen, aber was immer zerstört war ist aufgeräumt und es herrscht eine gepflegte Idylle. Im Schutz der kleine Isle Cabrit staunen wir über die Jagdkünste der Pelikane, die mit kühnen Sturzflügen ihre Abendmahlzeit aus dem Meer holen.
Man against Machine
Wenn man von St. Lucia nach Martinique möchte, dann muss man in St. Lucia ausklarieren. Dieser Begriff ist den Seglern in Nordeuropa irgendwie abhanden gekommen. Denn seit offener Grenzen in Europa fährt man von Deutschland nach Dänemark oder nach England oder in die Niederlande und macht je nach Geschmack in jedem Hafen fest, geht an Land ohne Gedanken an Grenzen, Hoheitsgebiete oder gar Kontollen. Gelegentlich soll zwar mal der Zoll vorbeikommen. Der ist dann aber immer freundlich, fragt nach dem Woher und Wohin, ob an Bord etwas zu deklarieren sei, und wünscht dann eine gute Reise.
Ganz anders außerhalb der Grenzen der EU. Da wird immer noch ein- und ausklariert nach Herzenslust mit vielen Stempeln, Formularen, Crewlisten, Blaupapier und das alles überwacht von strengen Menschen in eindrucksvollen Uniformen und noch eindrucksvolleren Mützen, die ihre Aufgabe sehr ernst nehmen.
So auch diesmal in St. Lucia: Der Skipper ist mit dem Beiboot gegen den Wind ca. 1 Meile vom Ankerplatz in den Hafen gepullt im Gepäck die Schiffspapiere. Was der Skipper allerdings übersehen hatte: Der strenge Offizielle will sich mit seinen Stempeln auch in den Pässen der Crew verewigen: “That´s common sense!”, sagt er ohne mit der Wimper zu zucken. Und die Pässe sind noch an Bord! Da hilft keine trauriger Blick und kein Appell an die Gutmütigkeit des Vertreters der Staatsgewalt von St. Lucia. Der Skipper muss die Meile zum Schiff zurück und dann mit Pässen wieder ein Meile gegen den Wind in den Hafen. Vielleicht würde sich ja einer der Segelkameraden mit ihren gut motorisierten Schlauchbooten erbarmen und einen Schlepp anbieten. Doch diesmal nicht! Als wolle der Himmel diese Lektion in Sorgfalt besonders tief einbrennen, flitzen mehrere Schlauchboote vorbei ohne irgendwelche Zeichen von Hilfsbereitschaft. Etwas 40 Minuten später und um einige Schweißperlen auf der Stirn reicher, ist die leidige Prozedur dann erledigt, die Pässe gestempelt, das Ausreiseformular unterschrieben, die Crewliste in 3-facher Ausführung in den Akten abgelegt und die Zora frei zu segeln, wohin sie möchte. Das tut sie dann auch schleunigst, kehrt St. Lucia den Spiegel zu und verschwindet nach Norden in Richtung Martinique.
Die Erinnerung an dieses Erlebnis bewegt die Crew eine Weile und man fragt sich, wie solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, bzw. zu entschärfen wären. Immer mehr drängt sich die Erkenntnis auf, dass das Dinghi vielleicht doch einen Aussenborder braucht. Über Jahrzehnte waren wir unterwegs in Nord- und Ostsee und haben das lärmende Utensil nie vermisst. Ganz im Gegenteil, wir haben uns mehr über die randalierenden Jugendlichen geärgert, die mit dem elterlichen Radiergummi die Ruhe am Ankerplatz störten. Auch die Kinder haben mit Hingabe gepullt und nach langen Segeltagen überschüssige Energie ohne Knattern abgebaut. Diese Philosophie sollte uns auch auf der Westseite des Atlantiks begleiten. Aber wir müssen eingestehen, dass die Umstände hier ganz andere sind: Gute Ankerplätze sind oft weit von Häfen und Einkaufsmöglichkeiten. In St. Lucia z. B. fahren die Mitglieder im Club der Knatterbüchsen mit dem Dinghi direkt zur “Mall”, während die heldenhaften Ruderer schweißgebadet mit Rucksack einen 2km weiten Bogen an einer vielbefahrenen Straße bewältigen, zweimal wohlgemerkt mit ordentlich Gewicht auf dem Rückweg.
Die Gelegenheit, bzw. Versuchung, bietet sich dann schon zwei Tage später in der Marina von Marin. Bei einem der Ausrüster steht ein kleiner Honda mit 2,5 PS im Schaufenster. Der wäre genau das Richtige und selbst der Preis ist gerade noch akzeptabel. Über den Einkauf diskutiert die Crew einen Abend und wirft dann die alten Vorbehalte über Bord. Am nächsten Morgen geht´s zurück nach Marin, diesmal mit Bus aus dem hübschen St. Anne. Der Skipper marschiert geradewegs zum Verkäufer und erklärt, er wolle das Motörchen kaufen und auch gleich mitnehnmen. So schnell geht´s dann allerdings nicht: Der Motor braucht noch seine erste Wartung und muss auch mit Öl befüllt werden. Während das geschieht sitzt die Crew im Café und überlegt wie es wohl sein wird im Club der Knatterbüchsen.
Die Realität lässt nicht lange auf sich warten: Der Verkäufer fährt Motor und Crew in seinem Lieferwagen bis ans Dinghi Dock in St. Anne. Der Skipper bringt es dann sogar noch fertig das Ding zu starten, obwohl beim Herunterreichen ins Beiboot der Vergaser übergelaufen ist und mindestens 100 Mal an der Strippe gezogen werden muss. Als das Motörchen schließlich läuft, fällt die Crew um ein Haar ins Wasser, denn der Gasgriff steht auf Vollgas und das Ding hat eine Fliehkraftkupplung, die das Boot schlagartig losschießen lässt… Dieses Erlebnis und die Erkenntnis, dass man nun das Dinghi immer anschließen muss, dämpfen den Enthusiasmus. Aber schon am nächsten Tag in der Anse d´Arlet geniessen wir die neuen Möglichkeiten und unternehmen eine Besichtigungstour der Bucht unter Motor, der bei halber Kraft, unser kleines Boot sehr zufriedenstellend bewegt und dabei nicht einmal so schrecklich knattert…
Vive la France
Die Kleinen Antillen liegen in der Form eines Halbmondes vor dem Karibischen Meer. Ganz im Osten, etwa 80 Meilen diesem Halbmond vorgelagert, befindet sich Barbados. Von den übrigen Inseln ist Martinique die östlichste. Der Passatwind weht beständig mit 15 bis 25 Knoten aus NE und pendelt dabei um die 30 Grad hin und her. Zwischen den Inseln kann es durchaus zu Bedingungen kommen, die man im Englischen als “boisterous” bezeichnet, im Deutschen etwas weniger poetisch hieße das dann ruppig.
Der Rückweg von St. Lucia nach Martinique bedeutet also einen Am-Wind-Kurs, insbesondere, da die Zora an die Südspitze der Insel will, nach St. Anne, von dem Jakob geschwärmt hatte. Die Bedingungen sind günstig. Das sehr detaillierte französische Wettermodell sagt 15 – 20 Knoten voraus. Mit einem Reff im Groß nimmt die Zora die 20 Meilen nach Martinique in Angriff. Die Crew findet das anfangs ganz akzeptabel, zieht dann aber doch vor mit dem Ipod im Ohr auf dem Fußboden im Salon abzuwettern. Der Skipper hängt die verlässliche Windpilot ein und setzt sich auf die hohe Kante um das Segeln zu genießen.
Eine große Ketsch, die parallel mitläuft, findet die Bedingungen wohl zu “boisterous” und dreht nach drei Meilen wieder um. Zahllose Charterkats kommen mit Minimalbesegelung entgegen. Aber Zora liebt diese Bedingungen. Eigentlich könnte sie auch noch mehr Segel vertragen, aber mit Rücksicht auf die Crew bleibt das Reff im Groß und das Stagsegel in der Last. So klettert unser schwerer Kutter mit 7 Knoten mühelos über den heranrollenden Atlantikschwell, der etwa 2m hoch ist, aber wohl gemerkt, signifikante Wellenhöhe. Einzelne Wellen sind dann bis zu zweimal höher. Das bemerkt der Skipper beim Besuch der Toilette im Vorschiff: Das Luk war nicht fest verschraubt und von oben tropft es auf die Koje… Raumschotssegeln macht nachlässig!
Schon am frühen Nachmittag erreicht wir so Martinique und gehen vor dem kleinen Ort St. Anne vor Anker. Hier wird dicht an dicht geankert: Gesa meint der ganze Wedeler Yachthafen sei vor Anker gegangen. Kein Wunder: Hier gibt’s Baguettes an Land, köstlichen frischen Fisch, keine Boat Boys, Euros, EU-Roaming. Sozusagen Europa unter Palmen. Vive la France!

Einziger Vermouth-Tropfen: der bis ins gigantomanisch gesteigerte Chartertourismus. Fast alle Schiffe sind 40 – 60 Fuß große Kats mit 8 – 10 Personen an Bord. Die ankern hier alles zu und nehmen dabei mächtig Platz weg. Dazwischen einige wenige Schiffe, die auf eigenem Kiel hierher gelangt sind. So z. B. die Acapulco mit MSC und SCU Stander unter der Saling. Deren Crew besucht uns schwimmend und wir trinken sehr nett einen Espresso im Cockpit.

Am Folgetag fährt die Zora zum Einkaufen in die Marina von Le Marin. Bis wir unseren bereits reservierten Platz zugewiesen bekommen, drehen wir 2 Stunden Runden um dann neben einer 60 Fuß Oyster festzumachen. Deren (bezahlte) Crew berichtet am Abend vom Leben mit zahlenden Gästen, abwesenden Eignern. Wir machen Großeinkauf, zerlegen den Ölkühler, der offensichtlich zugesetzt war (Maschine heiß) und hauen dann so schnell wie möglich wieder ab nach St. Anne, wo man ruhig liegt, wo in der Nacht ein kühler Wind durchs Boot streicht und am Land freundliche Franzosen köstliche Baguettes verkaufen.

Boat Boys or Bad Boys
Nancy, Lothar und Hans hatten uns allerlei Ratschläge gegeben, über St. Lucia, St. Vincent, die Boat Boys und noch manches andere. Wir fühlen uns wohl vorbereitet darauf, was uns wohl weiter in Richtung Südamerika erwartet.
Aber weit gefehlt: Kaum läuft die Zora in Marigot Bay ein, hat sie schon eine Schlauchbooteskorte, die sich auch durch hartnäckiges Ignorieren nicht abschütteln lässt. Ob wir eine Mooring wollen, oder ein Taxi, oder Brot, Gemüse… Eigentlich wollen wir nur die angebliche Postkartenidylle bewundern, eventuell ankern, oder vielleicht auch weitersegeln. Doch daraus wird nichts. Der Bursche in seinem Radiergummi lässt nicht locker bis er uns ans einer Boje fest hat; das Fruchtpaket zum Sonder-(Wucher)-Preis und die Brotbestellung für den nächsten Morgen natürlich mit dazu.

Aber Marigot Bay ist besser als die Schilderungen und der Fruchtpunsch direkt am Wasser ist köstlich. Am nächsten Tag geht’s weiter nach Souffrieres zu den Pitons. Dort wiederholt sich das Spielchen nur eine Nummer aggressiver. Nun sollen wir auch gleich eine Taxifahrt zu den heissen Schwefelquellen buchen für lockere 300 Karibikdollar. Und für das am Morgen gelieferte Klebstoffbrot will der Boat Boy 20 Dollar. Jetzt reißt dem Skipper die Geduld. Der nächste schwimmende Trödler bekommt eine Beschimpfung statt Dollars für seinen Thunfisch und die Zora nimmt Reißaus.
Mit ordentlich Druck hoch am Wind pflügt sie zurück nach Rodney Bay. Am nächsten Tag werden das Bad in der Schwefelquelle und die Inselrundfahrt per Mietauto nachgeholt. Die köstliche Kokosnuss nach dem Schlammbad und das Barbeque Chicken am Wegrand versöhnen die Crew wieder mit St. Lucia.


