//WL2K Bermuda here we come….

Unsere Navigation zeigt noch 25 Meilen bis zur Ansteuerung Bermuda. Es ist 10:20 Bordzeit/Lokale Zeit Bermuda. Wir hatten eine ruhige Nacht, nachdem Björn und der Skipper noch das zweite Reff ins Groß gezogen haben. Das Schiff rollt stark im Schwell, der vielleicht 3m hoch ist. Wir haben uns gerade bei Bermuda Radio angemeldet, die uns nun bis in den Hafen tracken werden. Nautisch alles sehr profesiionell hier. Auch die Abwicklung des Funkverkehrs ist präzise und sauber, Erbe der Britischen Vergangenheit. Rahel schmiert Sandwiches, Björn känpft ein wenig mit seinem Magen wegen der starken Rollbewegung und Marcel schläft. In den Schränken klappert es ordentlich, wenn Zora von 35 Grad auf Backbord nach 35 Grad auf Steuerbord geht. Wir sind gespannt, welche Verluste wir zu vernelden haben, wenn wir die Türen öffnen. Bis wir im Hafen sind, lassen wir die lieber zu, sonst gibts fliegende Untertassen an Bord. Wir melden uns von Land in ein paar Stunden

//WL2K Atlantic Sailing

Der Skipper ist ab 0700 auf Wache. Nach dem ruppigen Tag gestern mit echtem Norwegenfeeling geht heute die Sonne über einem türkisblauen Atlantik auf. Der Wind hat abgenommen und etwas südlich gedreht, so dass wir ein Reff ausschütten können und direkt Kurs nach Bermuda anliegen. Das beflügelt und motiviert. Da auf Wache nicht viel zu tun ist, macht sich der Skipper ans Brotbacken. Die letzten Brötchen aus Samana schimmern leider schon bläulich durch die Plastiktüte und werden Neptun geschenkt. Der Brotduft aus dem Backofen holt die Crew aus den Kojen und wir sitzen im Sonnenschein im Cockpit, eine kurze Reminiszenz an die Karibik, die wir noch einmal sehr genießen. Wir haben bereits gemerkt: Atlantik ist nicht Karibik! Denn bereits gegen Mittag ziehen Wolken auf. Da wir am Morgen ein Grib-File über Kurzwelle geholt haben, wissen wir was uns erwartet: Eine weitere Front mit Starkwind aus NE. Diesmal rollen wir erst einmal den Klüver ein Stück ein. Wenig später, der Skipper liegt unter Deck und döst in seiner Koje, gibt es einen scharfen Knall. Wir können zuerst nichts entdecken. Aber dann fällt uns auf, dass die Reffleine der Rollanlage gerbrochen ist: Der Klüver hat sich einfach wieder ausgerollt. Der Skipper kennt schon, was jetzt leider folgen muss: Bäuchlings auf dem Bugspriet liegend muss das Problem behoben werden. Dabei bekommt man alle 30 s ein Gratis Vollbad, das aufgrund der Position auch mit Ölzeug alle Körperteile erreicht. In diesem Fall können wir nur eine provisorische Sorgleine anknoten, damit wir den Klüver bei Bedarf bergen können. Diese Chance bietet sich ein paar Stunden später als der Wind noch mal eine Schippe drauflegt. Aber irgendwie ist heute der Wurm drin: Beim Aufrollen kommt die Klüverschot trotz Achtknoten an Backbord frei und geht mit der Steuerbordschot eine innige Verbindung ein, die in einem riesigen hoch über unseren Köpfen zwischen den beiden Vorstagen hängt. Das können wir bei den aktuellen Bedingungen erst einmal nicht in Ordnung bringen. Müssen wir auch nicht, da wir den Klüver aktuell auch gar nicht brauchen. Mit zwei Reffs im Groß und dem Stagsegel fährt das Schiff erstaunlich ruhig. Unter Deck könnte man meinen man liege im Hafen. Die Crew genießt diese Ruhe und speist genüßlich auf dem Boden sitzend im Salon zu Abend. Es gibt Couscous mit Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Rote Beete, alles noch aus Samana, aber allmählich vom Verfall bedroht. So schnibbeln wir einfach alles zusammen. Aktuell gibt es nur noch eine Banane, eine Kakaofrucht eine Rote Beete und natürlich Zwiebeln und Kartoffeln. Während der Skipper dies in den Computer tippt, ist Björn im Cockpit auf Wache und Marcel und Rahel liegen nach den Anstrengungen dieses Tages in den Kojen.

//WL2K The Lonely Sea and the Sky

“The Lonely Sea and the Sky” ist der Titel des Buches von Francis Chichester, in dem er seine Rekord-Weltumsegelung in den 1960er Jahren beschreibt. Dieser Titel beschreibt aber auch, wie wir uns in der Sargassosee fühlen, die wir jetzt auf dem Weg nach Bermuda durchqueren. Um uns herum sind nur Himmel und Wasser. In der Nacht hat ein Frachter unser Heck passiert. Sonst ist hier kaum jemand unterwegs. Die Funke ist eingeschaltet, hat sich aber seit zwei Tagen nicht mehr gerührt und auf dem AIS können wir auch nur uns selbst sehen. Heute früh während seiner Wache hat Björn immerhin begeistert einen Vogel gesichtet, vielleicht ein Fregattvogel. Allerdings war er zu weit weg um sicher zu sein. Und unsere Kenntnisse der Ornithologie sind begrenzt. Zora zieht, von PeFö sicher auf Kurs gehalten, Stunde um Stunde mit 7 Knoten dahin. Ganz gelegentlich zupfen wir mal an der Feineinstellung oder trimmen die Schoten ein wenig. PeFö ist unsere Windsteuerung benannt nach Peter Förthmann in Hamburg, der diese Anlagen baut und wortgewaltig vertreibt. Obwohl nichts zu tun ist, gehen wir ordentlich unsere Wachen. Allerdings ist es mühsam in der Nacht nicht einzuschlafen, wenn wirklich gar nichts zu tun ist. Tagsüber wird Festkörperel ektronik gelernt, die Kurzwellenanlage bedient, Essen gekocht oder gedöst. Wir können jetzt im Vorschiff eine Luke öffnen, da der Wind etwas südlich gedreht hat und kaum mehr Wasser an Deck kommt. Dadurch ist es unter Deck auch tagsüber wieder einigermaßen erträglich. Über dem Cockpit haben wir unser Sonnensegel geriggt und können dort jetzt im Schatten “chillen”. Zum Frühstück gab es heute zum zweiten Mal frisches Brot vom Skipper zubereitet. Das Mehl haben wir in Punta Cana im Supermarkt gefunden. Die Hefe stammt noch von Dr. Oetker aus Deutschland. Wir haben noch eine große Menge frisches Obst und Gemüse, das wir in Samana gekauft haben: Kochbananen, frischer Kakao, Maracujas, Mangos, Ananas, Avocados und eine riesige Staude kleine süße Bananen. Wir essen jetzt mit der Reifung um die Wette und fürchten, dass wir das Rennen verlieren werden. Für den Abend und die Nacht sind “Scattered Showers” angesagt, auf die wir uns wegen der erhofften Abkühlung freuen. Hoffentlich blasen die Squalls uns nicht Haare vom Kopf.

Mona Passage

Puerto Rico und die Dominican Republic trennen die etwa 100 Meilen der Mona Passage, auf Spanisch “Canal De La Mona”. Segler sprechen über dieses Stück Wasser mit einer gewissen Ehrfurcht. Skip Novak, Whitbread Skipper aus den 80er Jahren, hält es für erwähnenswert, dass er eine Jacht von Bermuda nach Antigua durch die Mona Passage überführt habe. Im “Free Cruising Guide to the Dominican Republic” schreibt Frank Vigintino: “… the Mona Passage, which is never easy, even when it is, given the amount of anxiety that most suffer quietly (and some loudly).”

Vor der Küste Puerto Ricos liegt der Puerto Rico Trough, mit 9000m die tiefste Stelle im Atlantik. Dieser Unterwassercanyon bündelt den Nordäquatorialstrom und schickt ihn gegen den Sockel von Hispaniola. Im Nordwesten vor Cabo Engano liegen die Tiefen nur noch bei etwa 100m. Selbst bei moderaten Passatwinden kommt es dort zu gefährlichem Seegang. Noch einmal Frank Vigintino: “It feels like standing in the surf on the beach”. Wäre das nicht schon genug, gibt es auch noch eine seismisch aktive Region zwischen der kleinen Insel Isla Desecheo und Puerto Rico.
Verständlicherweise wünschen wir uns für die Reise durch diese Gegend ruhige Bedingungen. Und der Osterhase ist in diesem Jahr besonders großzügig. Pünktlich zum Ostersonntag bringt er uns was die US Wetterfrösche per Navtex als “benign conditions”, angenehme Bedingungen, beschreiben. Am Vorabend unserer Abreise genießen wir noch einmal die nette Gesellschaft in der Marina Pescaderia. Wir sitzen mit zwei Amerikanischen Seglern und einem sehr gebildeten und bereisten Ehepaar aus Puerto Rico an der Bar und klönen über das Land und übers Segeln. Gesa bekommt sogar endlich die wachsende Ananas zu Gesicht. Denn als wir erwähnen, dass wir das noch nicht gesehen haben, nimmt sie Larry an die Hand und zeigt ihr hinter dem Büro der Marina in einem Blumentopf eine Ananaspflanze mit einer kleinen Frucht. Nun fehlt noch der Papagei und die selbst gepflückte Kokosnuss…

Am Morgen des Ostersonntag werfen wir die Leinen los. Cano, Faktotum in der Marina, hilft beim Ablegen und düst dann zur Tankstelle, die wir noch aufsuchen wollen. Für 150 Dollar bekommen wir 180 l, welch ein Schnäppchen. Dann tuckern wir langsam hinaus auf die Mona. Es regt sich kein Lüftchen, während wir die ersten Meilen bei spiegelglattem Wasser hinter dem Arrecife Tourmaline nach Norden motoren. Gegen 11:00 kommt der Seewind aus SW, angetrieben von der kräftigen Thermik über Puerto Rico, und wir segeln am Wind auf Steuerbordbug in Richtung Isla Desecheo. Außerhalb des Riffs bekommen wir die langsame und ruhige Dünung aus Norden zu spüren, die vielleicht 2m hoch aber enorm lang und angenehm ist.

Abschied von Puerto Rico

Pünktlich wie im Drehbuch der Meteorologen kommt dann der Wind aus NE und frischt auf, wir sind aus dem Windschatten Puerto Ricos heraus. Das erzeugt erst einmal ziemliches Wellenchaos und Geschaukel. Aber je weiter wir vom Land weg kommen, desto ruhiger wird der Seegang. Zora segelt mit 6 – 7 Knoten auf Kurs 330 Grad und mit Windsteuerung. Wir wollen das “Hourglass Shoal” vor Cabo Engano auf jeden Fall umfahren, selbst wenn uns das ein paar Meilen mehr kostet. Jetzt kehrt Ruhe an Bord ein. Nur die Rotweinflaschen in unserem Schnappsschrank scheppern und werden prompt vom Skipper in Bilge verbannt.

Isla Desecheo

Mit Einbruch der Dunkelheit gehen wir dann reguläre Wachen im 3 Stunden Rythmus. Gesa hat die Wache nach Mitternacht und kann im Westen den Lichtschein von Punta Cana sehen. Sie meint ein weißes Mastlicht zu sehen und ruft den Skipper. Aber das Mastlicht steigt immer höher und verschwindet dann in den Wolken. Wir kommen zu dem Schluß, dass das die startenden Flugzeuge am Airport sind. Die Kombination aus Mondlicht, Lichtschein an Land und den hellen weißen Lichtern die regelmäßig am Horizont aufsteigen findet Gesa “abgefahren”. So machen wir ordentlich Meilen durch die Nacht und können beim hellen Mondlicht schon die Berge hinter der Küste der Domrep sehen.
Wieder kommt das Drehbuch der Meteorologen voll zum Einsatz als in den Morgenstunden der Passat zu schwächeln beginnt und in Richtung Ost dreht. Jede Welle schlägt uns jetzt den Wind aus den Segeln. Das Klappern und Knallen ist herzzerreissend, aber solange das Schiff noch voran kommt ertragen wir das. Als dann nach Sonnenaufgang allerdings die Geschwindigkeit auf unter 4 Knoten zurrück geht, bergen wir die Segel und werfen die Maschine an. So legen wir die letzten 30 Meilen bis zur Ansteuerung der Bahia de Samana zurück.

Aus Beschreibungen von Seglern wussten wir schon, dass es hier im Nordosten von Hispaniola sehr schön ist. Aber was wir zu sehen bekommen ist überwältigend. Dunkelgrün liegen hohe Berge um die Bucht. An weissen Stränden stehen Kokospalmen wie in einem Reiseprospekt und zur Krönung sehen wir in der Ferne eine Gruppe Buckelwale. Auch ein Begrüßungskomittee von 2 Delfinen kommt vorbei und erteilt uns die Einreisegenehmigung in die Bucht.

Der Weg in die Bucht und bis zur kleinen Marina Puerto Bahia zieht sich dann eine Weile hin. Wir glauben eigentlich schon dort zu sein und dennoch trennen uns noch 15 Meilen von der Hafeneinfahrt. In die laufen wir dann pünktlich nach der Reiseplanung ein. Gleich 4 Angestellte der Marina helfen beim Festmachen. Allerdings haben sie wohl eher mit leichteren Schiffen zu tun und das Manöver verläuft chaotisch weil der Wind inzwischen wieder ordentlich aufgefrischt hat. Aber 12 Arme können am Ende verhindern, dass ein Dalben unsere Windsteuerung abrasiert und wir sind am Ende von 3 Monaten Reise durch die Karibik sicher in der Marina Puerto Bahia fest. In den nächsten Tagen wollen wir noch ein wenig das Land erkunden, bevor Gesa mit Ada in La Romana die Aida Luna besteigen um damit nach Kiel zu reisen. Der Skipper hat dann noch eine Woche um das Schiff für die Rückreise über den Atlantik vorzubereiten.