{"id":683,"date":"2018-06-18T16:45:00","date_gmt":"2018-06-18T16:45:00","guid":{"rendered":"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=683"},"modified":"2018-06-18T16:57:37","modified_gmt":"2018-06-18T16:57:37","slug":"wl2k-spring-tides","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=683","title":{"rendered":"\/\/WL2K Spring Tides"},"content":{"rendered":"<p>Der Englische Kanal ist ein anspruchsvolles Segelrevier unter Anderem wegen seiner starken Gezeiten. Die Flutwelle, die vom Antlantik heranrollt, muss sich n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich um die Britischen Inseln herumzw\u00e4ngen. Das f\u00fchrt dazu, dass auf der franz\u00f6sischen Seite in der Bucht von Saint Malo der Tidenhub bei Spring bis zu 10 Meter erreicht. Entsprechend stark sind die Tidenstr\u00f6me, die zum Beispiel um das Cap de la Hague, der Pointe de Barfleur und um die Kanalinseln sp\u00fclen. Dort bilden sich dann &#8222;Tide Races&#8220; und &#8222;Overfalls&#8220;, das hei\u00dft steile brechende Wellen, die auch gro\u00dfe Schiffe in Schwierigkeiten bringen k\u00f6nnen. Die Tiden werden durch die Gravitationskr\u00e4fte von Mond und Sonne angetrieben. Dabei ist die Wirkung des Mondes deutlich gr\u00f6\u00dfer als die der Sonne, weil der Mond der Erde viel n\u00e4her ist. Die relative Stellung von Sonne und Mond bedingt die zwei-w\u00f6chentlichen Schwankung der Tiden zwischen Spring und Nipp. Bei Spring stehen Sonne und Mond mit der Erde in einer Linie, bei Nipp dagegen im rechten Winkel. Der 15. Juni ist in der Gezeitentafel f\u00fcr St. Peter\u00b4s Port auf Guernsey rot gekennzeichnet: An diesem Tag herrscht dort Springtide. Der Tidenhub ist mit etwa 9m angegeben. F\u00fcr die Nacht vom 14. af den 15. Juni verspricht der Wetterbericht im Kanal westliche Winde mit bis zu 28 Knoten. Der Shipping Forecast des UK Met Office schreibt au\u00dferdem: &#8222;Visbility very poor at times&#8220;. Eine einfache Gezeitenrechnung ergibt, dass gegen 0400 auf halber Strecke zwischen Plymouth und Guernsey mit 3 kn Strom gegen 27kn Wind gerechnet werden muss. Bei diesen Bedingungen stellt sich die Frage, ob es weise ist die 80 Meilen lange Strecke zu den Kanalinseln in Angriff zu nehmen, insbesondere da die Crew bereits auf der Reise von Brest zu den Scillies wegen Seekrankheit teilweise ausgefallen ist. Der Skipper denkt eine Weile \u00fcber das Problem nach und entscheidet dann wehm\u00fctig den Ausflug zu den Kanalinseln an diesem Tag ausfallen zu lassen. Die Crew ist ein wenig entt\u00e4uscht, aber versteht die Argumente und akzeptiert die Entscheidung ohne Diskussion, vielleicht auch mit einer gewissen Erleichterung. Die neu gekaufte Gastflagge von Guernsey muss auf eine sp\u00e4tere Gelegenheit warten. Alternativ soll die Reise nun entlang der Englischen Kanalk\u00fcste verlaufen. F\u00fcr den Sonntag nehmen wir Dartmouth ins Visier, etwa 35 Meilen von Plymouth in E-licher Richtung entfernt. Auslaufen wird auf 0600 festgelegt, damit wir den Flutstrom ausnutzen k\u00f6nnen. Der SW Wind sollte ausserdem kr\u00e4ftig schieben, so dass wir mit einer Ankunft um die Mittagszeit rechnen. Weiteres Argument in der Rechung: Am Nachmittag spielt die Deutsche Nationalmannschaft ihr erstes Vorrundenspiel. Da will die Crew gerne in einem gem\u00fctlichen Englischen Pub sitzen und das Spiel verfolgen. Verschiedene Handywecker fangen um 0530 an zu piepen und zu zwitschern. Drau\u00dfen ist es grau und nieselig. Ohne viel Ged\u00f6ns kommt die Crew aus den Kojen, schl\u00fcpft ins \u00d6lzeug und bereitet das Ablegeman\u00f6ver vor. Zora dreht um die Vorspring aus den P\u00e4ckchenliegern heraus und geht r\u00fcckw\u00e4rts aus dem Hafen, denn die Boxengassen sind so eng, dass es hier kaum m\u00f6glich w\u00e4re zu drehen. Dann geht\u00b4s mit Maschinenkraft bis zum riesigen Wellenbrecher im Plymouth Sound. Ab hier kann dann gesegelt werden. Wind und Tide schieben kr\u00e4ftig aber produzieren auch ordentliches Geschaukel. So geht es bis zum Leuchtturm Start Head. Dort knickt die K\u00fcstelinie nach Norden. Es sind noch 8 Meilen bis zur M\u00fcndung des &#8222;River Dart&#8220;. Vom Land und dem Leuchtturm Start Point ist allerdings nichts mehr zu sehen. Regen und Wind haben, wie vom Met Office versprochen, ordentlich zugelegt und die Sicht betr\u00e4gt weniger als 500m. So preschen wir voran in die graue Suppe. Die hohen Felsen links uns rechts der Einfahrt tauchen erst auf als wir schon fast dazwischen sind. Immerhin kann man danach beide Ufer sehen. Die Stimmung scheint einem Buch von Daphne du Maurier entnommen. Grau-braune Felsen steigen im Dunst steil vom Flu\u00df empor. Tief-gr\u00fcne Wiesen und W\u00e4lder klammern sich daran. Direkt an der Einfahrt liegt eine alte Burg. Etwas weiter im den Flu\u00df tauchen die St\u00e4dtchen Dartmouth und Kingswear auf, eng an die steilen H\u00e4nge gebaut. Auf dem Flu\u00df liegen unz\u00e4hlige Boote an Moorings und Schwimmstehen. Dazwischen verkehren F\u00e4hren und Wassertaxis. Zora bindet an einem der vielen Pontons fest, die im Flu\u00df verankert sind. Dann verschwindet alles rasch unter Deck, wo es warm und trocken ist, und wo Markus und der Skipper bereits ein Mittagessen vorbereitet haben. Sp\u00e4ter geht\u00b4s dann mit dem Wassertaxi nach Dartmouth und ins Pub Dolphin zum Deutschlandspiel. Der alte Adenauer von der Zora, der wegen seiner Gr\u00f6\u00dfe schon l\u00e4nger nicht mehr in Gebrauch ist, wird als Tischdeko mitgenommen. Das Spiel ist dann eine Entt\u00e4uschung und die anwesenden Engl\u00e4nder lassen es an tr\u00f6stenden Worten und auch einer gewissen H\u00e4me nicht mangeln&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Englische Kanal ist ein anspruchsvolles Segelrevier unter Anderem wegen seiner starken Gezeiten. Die Flutwelle, die vom Antlantik heranrollt, muss sich n\u00f6rdlich und s\u00fcdlich um die Britischen Inseln herumzw\u00e4ngen. Das f\u00fchrt dazu, dass auf der franz\u00f6sischen Seite in der Bucht von Saint Malo der Tidenhub bei Spring bis zu 10 Meter erreicht. 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