{"id":488,"date":"2018-02-23T10:59:40","date_gmt":"2018-02-23T10:59:40","guid":{"rendered":"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=488"},"modified":"2018-02-23T10:59:40","modified_gmt":"2018-02-23T10:59:40","slug":"schlag-nach-norden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=488","title":{"rendered":"Schlag nach Norden"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der NE Passat im karibischen Winter auf den kleinen Antillen gut etabliert ist, dann folgen auf Perioden mit Winden zwischen 3 und 5 Beaufort regelm\u00e4\u00dfig mehrere Tage mit Starkwind, der in B\u00f6en 30kn erreicht, also Windst\u00e4rke 7. An den Kaps der hohen Inseln ist der Wind durch Eckeneffekte verst\u00e4rkt. Zusammen mit dem Strom, der mit 0.5 bis 2 Knoten durch die Passagen l\u00e4uft entstehen Bedingungen, die man durchaus als sportlich bezeichnen kann. Die kleine Crew der Zora findet das wenig attraktiv und wartet deshalb die ruhigeren Perioden ab um weiter nach Norden zu segeln. Allerdings gibt es nicht auf allen Inseln geeignete Ankerpl\u00e4tze um w\u00e4hrend der Starkwindperioden sicher und komfortabel zu liegen und abzuwarten. Dadurch wird die Reiseplanung zum Puzzlespiel: Wann soll man wo losfahren und wo kann man dann sicher und attraktiv abwarten? Ende Februar wollen wir gerne auf den Virgin Islands sein um sowohl dort als auch f\u00fcr Puerto Rico ausreichend Zeit zu haben. Immerhin sind wir schon 43 Tage unterwegs und es verbleiben noch 47 Tage bis Gesa mit Ada von La Romana in Richtung Kiel abreisen soll.<\/p>\n<p>So entsteht der Plan einen l\u00e4ngeren Schlag nach Norden zu segeln und dann auf St. Barts oder St. Maarten auf angenehme Bedingungen f\u00fcr die Anegada Passage hin\u00fcber zu den Virgins zu warten. Das bedeutet aber auch: Wir m\u00fcssen einige Inseln &#8222;auslassen&#8220;. Einige davon sind sicher interessant: Montserrat zum Beispiel mit seinem aktiven Vulkan aber auch Statia und Saba, die noch wenig vom Tourismus erfasst sind. Aber bekanUntlich kann man nicht alles haben und wir konkretisieren unsere Pl\u00e4ne: Von Point-\u00e0-Pitre auf Guadeloupe wollen wir zun\u00e4chst nach S\u00fcden um Basse-Terre herum und dann auf der Leeseite der Insel wieder nach Norden. Von dort geht es dann via Montserrat, Nevis, St. Kitts, Statia und Saba nach St. Barts oder Sint Maarten, alles zusammen ca. 190 Meilen, f\u00fcr die wir 30 &#8211; 35 Stunden planen. Unser Helfer von der Werft, Ian Henry aus Dominica, m\u00f6chte gerne mitfahren, denn er will nach Sint Maarten, wo es viel Arbeit gibt. Dem Skipper ist das ganz recht, denn das bedeutet zus\u00e4tzliche Crew, falls die Bedingungen doch rauer werden sollten.<\/p>\n<p>Allerdings is diese Aktion ist nicht ganz legal, denn Ian hat nur ein Seefahrtsbuch und keinen Pass. Das ist auch der Grund, warum er nicht per Flugzeug reisen kann. Die rechtliche Lage wird mit dem frisch zum Hamburgischen Rechtsanwalt in einer Seerechtskanzlei akkreditieren Sohn Jakob diskutiert und dann trotz rechtlicher Bedenken beschlossen. Gesa betrachtet das allerdings alles mit Sorge, zum Einen wegen der zu erwartenden Bedingungen auf See und zum Anderen wegen der rechtlichen Konsequenzen. Sie entscheidet schlie\u00dflich, die Strecke nach Norden doch mit dem Flugzeug zu bew\u00e4ltigen und das Segeln Ian und dem Skipper zu \u00fcberlassen. Als der Wetterbericht ein geeignetes Fenster verspricht, wird die Abreise auf den 15. Februar festgesetzt. Der Skipper holt Ian mit dem Beiboot von Land, klariert aus und wenig sp\u00e4ter ist Zora unterwegs. Drau\u00dfen vor der gesch\u00fctzten Bucht von Pont-\u00e0-Pitre weht es mit f\u00fcnf bis sechs St\u00e4rken aus E und die Welle ist aufgrund der komplizierten Tiefenverh\u00e4ltnisse recht rau. Aber nachdem einige Meilen in Richtung auf die Iles des Saintes zur\u00fcckgelegt sind, wird das Segeln angenehmer.<\/p>\n<figure id=\"attachment_489\" aria-describedby=\"caption-attachment-489\" style=\"width: 4608px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0368.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-489\" src=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0368.jpg\" alt=\"\" width=\"4608\" height=\"3456\" srcset=\"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0368.jpg 4608w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0368-300x225.jpg 300w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0368-768x576.jpg 768w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0368-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 4608px) 100vw, 4608px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-489\" class=\"wp-caption-text\">Ian Henry aus Dominica am Ruder der Zora<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es geht zun\u00e4chst um die S\u00fcdspitze von Guadeloupe herum. Dazu gehen wir vor den Wind und baumen den Kl\u00fcver aus. Unter vollen Segeln rauschen wir mit durchweg 8 &#8211; 9 Knoten durch die See, gesteuert zuverl\u00e4ssig von unserer Windpilot, die den Kl\u00fcver nicht ein Mal einfallen l\u00e4sst. Bei Pointe du Vieux-Fort bietet sich und ein kurioses Bild: W\u00e4hrend wir auf 2-3 m hohen Wellen surfen, liegt wenige hundert Meter vor uns ein Kat v\u00f6llig ruhig vor Anker. Und in der Tat: innerhalb weniger Bootsl\u00e4ngen verschwindet die Welle schlagartig. Wir sind im Lee der Insel. Der Kontrast k\u00f6nnte dramatischer kaum sein. Im Lee wird allerdings auch der Wind launig. Immer wieder kommen heftige B\u00f6en von den hohen Bergh\u00e4ngen, die uns m\u00e4chtig wegkr\u00e4ngen. Dazwischen herrscht Flaute. Wir rollen den Kl\u00fcver weg und motorsegeln. Ian steht an der Pinne und der Skipper kocht Kaffee. Als die dampfende Tasse gerade dem Ruderg\u00e4nger im Cockpit gereicht wird, f\u00e4llt eine kr\u00e4ftige B\u00f6e ein. Mit dichtgeholtem Gro\u00df und ohne Vorsegel ist das Schiff v\u00f6llig aus der Balance. Der Skipper saust nach oben um die Gro\u00dfschot zu l\u00f6sen, Ian versucht mit aller Kraft das Schiff auf Kurs zu halten und der Kaffee? Der Inhalt der Tasse fliegt in hohem Bogen \u00fcber Bord&#8230;<\/p>\n<p>Aber unser Kurs in Richtung Montserrat f\u00fchrt uns zunehmend aus dem Lee von Guadeloupe heraus und der Wind wird stetiger. So vergeht der Nachmittag und gegen 17:00 stehen wir querab von Deshaies im Norden von Guadeloupe, wo wir die Schiffe eng beieinander vor Anker liegen sehen. Der Skipper entscheidet, vor Einbruch der Dunkelheit ein Reff ins Gro\u00df zu ziehen, denn der Wind ist kr\u00e4ftig und die Aussichten in der Dunkelheit auf dem Vorschiff herumzuturnen sind nicht so einladend. Ohne Klamotten nur in Unterhose turnt der Skipper nach vorn, denn es ist dort inzwischen ziemlich nass. Die Sachen trocknen rasch, aber sind hinterher voller Salz. Ian h\u00e4lt derweil zuverl\u00e4ssig Kurs und bedient die Gro\u00dfschot.<\/p>\n<p>Kurz nach 18:00 geht die Sonne unter und es wird rasch dunkel. Ian nimmt die erste Wache und der Skipper legt sich aufs Ohr. Als der nach drei Stunden wieder im Cockpit auftaucht, sind wir bereits wenige Meilen vor Montserrat. Gespenstisch hebt sich der dunkle Vulkankegel gegen den atemberaubenden Sternenhimmel ab: Im S\u00fcden der Insel gibt es keinerlei Lichter und auch keine Seezeichen, denn aufgrund der vulkanischen Aktivit\u00e4t musste alles aufgegeben werden. Nur ganz im Norden der Insel sieht man in der Nacht einige Lichter auf engem Raum zusammengedr\u00e4ngt. Bis Mitternacht ist nun der Skipper auf Wache. Der nutzt die Mu\u00dfe um seine Kenntnis der Sternbilder aufzufrischen. Denn unsere Windsteuerung h\u00e4lt zuverl\u00e4ssig Kurs und es ist kaum Verkehr.<\/p>\n<p>Der Himmel ist so dunkel und die Luft so klar, dass man die Lichter der umliegenden Inseln gut sehen kann: Guadeloupe im S\u00fcden, Antigua im Osten, St. Kitts und Nevis im Norden, alle zwischen 30 und 40 Meilen entfernt. Hoch im Zenith steht der Orion und im Norden, niedrig und mit der Deichsel teilweise unter dem Horizont, Ursa Major, der gro\u00dfe Wagen. Auch Polaris steht niedrig und erinnert daran, dass wir hier 40 Grad s\u00fcdlicher sind als in Deutschland. Kurz vor Ende der Wache geht dann im S\u00fcden Cygnus, der Schwan auf, den man in unseren Breiten im Sommer hoch am Himmel sieht. So vergehen die 3 Stunden der Wache wie im Flug, besonders da man es sich unter der Sprayhood liegend sehr bequem machen kann. Man sollte nur nicht der Versuchung erliegen einzuschlafen, aber das ist w\u00e4hrend der ersten Wache kein Problem.<\/p>\n<p>Schwieriger wird da f\u00fcr den Skipper die zweite von 03:00 bis 06:00, denn nun schl\u00e4gt die M\u00fcdigkeit ordentlich zu. Zora steht schon zwischen Nevis und St. Kitts. Durch die 5 Meilen breite L\u00fccke zwischen diesen Inseln pustet es ordentlich hindurch und erfordert die einen oder anderen Korrekturen an der Windsteuerung. Ein Passagierfahrzeug l\u00e4uft lange fast parallelen Kurs mit nur 6kn und kommt n\u00e4her. Schlie\u00dflich greift der Skipper zum Mikrofon und fragt nach, ob man uns auf der Steuerbordseite eigentlich wahrgenommen hat. Der Wachoffizier best\u00e4tigt das pflichtschuldig mit starkem russischen Akzent. Aber kurz darauf beschleunigt der Dampfer, \u00e4ndert seinen Kurs und f\u00e4hrt in sicherem Abstand vor uns durch. Der Skipper hat starke Zweifel, dass der uns wirklich auf dem Schirm hatte.<\/p>\n<p>Um 08:00 erreichen wir die L\u00fccke zwischen Statia und St. Kitts und gehen hoch an den Wind um im sicheren Abstand vor der Leegerwallk\u00fcste zu passieren. Diesem Man\u00f6ver fallen leider die Pancakes zum Opfer, mit deren Zubereitung der Skipper etwas zu sp\u00e4t im Lee von St. Kitts begonnen hatte. Bei 35 Grad Lage und 3m Welle zieht es der Skipper vor nicht mehr mit dem heissen Fett zu hantieren. Aber die Sonne scheint, der Wind ist g\u00fcnstig und in der Ferne erkennt man bereits die Umrisse von St. Barth und St. Martin, beide noch mehr als 30 Meilen entfernt. Ian singt Lieder und erkl\u00e4rt, dass er so seinen Widerstand gegen die korrupte Regierung in Dominica ausdr\u00fcckt. Er erz\u00e4hlt Geschichten von Korruption, Elend, Mord. Er berichtet von seinen Erfahrungen mit Crews auf Derlivery-T\u00f6rns nach Europa, von Kameradschaft an Bord und davon, dass die Kameraden, kaum an Land, von ihm, dem schwarzen Mann nichts mehr wissen wollten. Und er erz\u00e4hlt, dass er von seinem ersten Geld in St. Martin eine Motors\u00e4ge kaufen will, mit der er sein Haus auf Dominica wieder aufbauen kann. So vergeht die Zeit im Flug und am fr\u00fchen Nachmittag segeln wir schon im Lee von St. Martin. Wenig sp\u00e4ter liegen wir vor Marigot auf der franz\u00f6sischen Seite der Insel vor Anker. Ian ist ungeduldig und will rasch an Land: Er muss sich noch eine Unterkunft besorgen und es ist bereits 16:00. Am Dinghi Dock wartet Gesa bereits. Ein H\u00e4ndedruck und Ian ist auf und davon. Ob er wohl die Einladung auf ein Bier an Bord noch wahrnehmen wird in den n\u00e4chsten Tagen? Wir w\u00fcnschen ihm jedenfalls viel Erfolg bei seinem Bem\u00fchen in Dominica wieder auf die Beine zu kommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der NE Passat im karibischen Winter auf den kleinen Antillen gut etabliert ist, dann folgen auf Perioden mit Winden zwischen 3 und 5 Beaufort regelm\u00e4\u00dfig mehrere Tage mit Starkwind, der in B\u00f6en 30kn erreicht, also Windst\u00e4rke 7. An den Kaps der hohen Inseln ist der Wind durch Eckeneffekte verst\u00e4rkt. 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