{"id":477,"date":"2018-02-13T10:38:35","date_gmt":"2018-02-13T10:38:35","guid":{"rendered":"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=477"},"modified":"2018-02-14T10:44:56","modified_gmt":"2018-02-14T10:44:56","slug":"die-helden-von-toplicht-oder-die-freuden-von-petroleum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=477","title":{"rendered":"Die Helden von Toplicht oder die Freuden von Petroleum"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_480\" aria-describedby=\"caption-attachment-480\" style=\"width: 4608px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0364.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-480\" src=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0364.jpg\" alt=\"\" width=\"4608\" height=\"3456\" srcset=\"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0364.jpg 4608w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0364-300x225.jpg 300w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0364-768x576.jpg 768w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DSCN0364-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 4608px) 100vw, 4608px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-480\" class=\"wp-caption-text\">Sendung aus Hamburg-Bahrenfeld nach Point-\u00e0-Pitre mit Ledermanschette f\u00fcr den Taylor Petroleumkocher<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Skipper erinnert sich an folgende Begebenheit von vor vielen, vielen Jahren: Mit einer alten kleinen Holzyacht war die ganze Familie, zwei Erwachsene und vier Kinder, Anfang Oktober auf der Elbe nach Cuxhaven gesegelt. Eigentlich sollte es durchs Watt nach B\u00fcsum gehen, oder, falls das Wetter ein Einsehen haben sollte, gar um die S\u00e4nde herum in die Eider. Aber das Wetter war so, wie es um diese Jahreszeit in Norddeutschland eben ist: An eine Reise durch die Au\u00dfenelbe war mit diesem Schiff und dieser Crew nicht zu denken.<\/p>\n<p>Noch dazu muckte der sonst eigentlich ganz zuverl\u00e4ssige Primus Petroleumkocher und das Essen f\u00fcr die vielen hungrigen M\u00e4uler an Bord konnte nur noch auf einer Flamme zubereitet werden. Nun gab (und gibt) es in Cuxhaven einen gro\u00dfen Schiffsausr\u00fcster am Fischereihafen. Dem Vater und Skipper war somit nicht bange, dass man ein geeignetes Ersatzteil f\u00fcr den Kocher dort beschaffen k\u00f6nne. Doch weit gefehlt: Auf die Frage nach einer Ventilnadel f\u00fcr einen Primuskocher antwortete der ansonsten sehr freundliche und umg\u00e4ngliche Verk\u00e4ufer: &#8222;So\u00b4n Schiet hebb wi nich mehr. In Medem dor kanns du welche finn. De hebb de L\u00fct buten geworfen!&#8220; Trotz dieser Erfahrung wurde viele Jahre auf der guten alten Mollymauk mit Petroleum gekocht und der Ru\u00df an der Decke der winzigen Pantry im Winter mit Ammoniak beseitigt.<br \/>\nAls wir im Fr\u00fchjahr 2014 der alten h\u00f6lzernen Dame Lebewohl sagten und auf die f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse riesige Rode Zora umzogen, schreckte uns dann auch nicht der dort eingebaute Petroleumkocher. Ganz im Gegenteil: Denn das war kein 50 Jahre altes Teil aus wei\u00dfem Emaille mit allerlei abgesprungenen Ecken. Nein, an Bord von Rode Zora gibt es einen echten Taylor aus Edelstahl und Messing, kardanisch aufgeh\u00e4ngt, getrenntem 15l Petroleumtank und einem Backofen. Einen solchen Kocher findet man zum Beispiel als eines der Ausstellungsst\u00fccke bei der Firma Toplicht in Bahrenfeld, wo dann allerdings auch ein sehr beachtliches Preisschild daran baumelt.<br \/>\nDie ersten Erfahrungen mit unserem neuen Kocher waren allerdings gemischter Natur: Die Kinder, inzwischen junge Erwachsene und gute Segler, konnten zwar das gro\u00dfe neue Schiff sicher durch Hollands Kan\u00e4le steuern, aber beim ersten Kontakt mit dem Taylor w\u00e4re die Zora um ein Haar ein Totalschaden geworden. Nur der beherzte Einsatz des Feuerl\u00f6schers durch den zuk\u00fcnftigen Schwiegersohn rettete das Schiff. Allerdings war danach ein halber Tag Putzen notwendig und beim Eintreffen des Skippers kochten die Kartoffeln vorsichtshalber auf dem Dieselofen (was selbst an einem Apriltag in Holland den Salon auf sehr mollige Temperaturen bringt).<br \/>\nEine \u00dcberholung und sorgf\u00e4ltige Einweisung der Crew in die Feinheiten des Petroleumkochens folgte und wir konnten danach unbeschwert eine Reise durch die Ostsee bis nach Oslo unternehmen, ohne dass das Schiff in Flammen aufging oder die M\u00e4gen knurren mussten. Erst die Reise im folgenden Jahr durch die Nordsee nach Schottland und zur\u00fcck \u00fcber Norwegen offenbarte ein neues Problem: Die in Hamburg gebunkerten 15l Edelpetroleum mit dem Name &#8222;Esso Blue&#8220;, in Hamburg sehr bequem bei Toplicht zu bekommen, waren nach ausgiebigem Backen und Kochen der Damencrew in Norwegens Fjorden aufgebraucht und die anreisende Herrencrew mit Skipper Jakob verbrachte 2 Tage erfolglos auf der Suche nach Ersatz in Norwegens Hafenst\u00e4dten. Die Firma Toplicht rettete den Segelt\u00f6rn, indem sie 10l Petroleum per Expressfracht nach Haugesund ins dortige Touristenb\u00fcro expedierte und der hungrigen Crew die warmen Mahlzeiten sicherte.<br \/>\nF\u00fcr die lange Reise \u00fcber den Atlantik und zur\u00fcck war also sorgf\u00e4ltige Planung n\u00f6tig: Der Kocher wurde noch einmal ordentlich \u00fcberholt, die Brenner wurden gegen die inzwischen erh\u00e4ltlichen und sehr zuverl\u00e4ssigen Hansabrenner ausgetauscht, drei zus\u00e4tzliche vollst\u00e4ndige Hansabrenner kamen ins Ersatzteillager und 50l Petroleum wurden an Bord genommen. Eine Freundin kommentierte das mit den Worten, wir m\u00fcssten jetzt eine rote Flagge fahren, denn wir seien ein Gefahrguttransporter. Von diesen 50l Petroleum waren auch noch 20 Liter an Bord als die Karibikcrew in Martinique das Schiff \u00fcbernahm. Dass diese Menge nicht bis Hamburg reichen w\u00fcrde, war nat\u00fcrlich klar, aber irgendwo zwischen Fort-de-France und Santo Domingo w\u00fcrde sich bestimmt etwas auftreiben lassen. Zur Not k\u00f6nnte man auch mit &#8222;Jet-Fuel&#8220; kochen, war der Tipp eines Petroleumspezialisten in Hamburg.<br \/>\nUnd in der Tat: In einem riesigen Carrefour auf Martinique fand der Skipper tats\u00e4chlich Kanister mit der Aufschrift &#8222;P\u00e9trole&#8220; und einem Bild eines Petroleumofens&#8230;<br \/>\nDoch was musste der Skipper bemerken, nachdem die kostbare Fl\u00fcssigkeit aus Martinique (deren Preis in der Tat den von Rum \u00fcbersteigt) in den Tank gef\u00fcllt war? Die Druckpumpe, noch vor Abreise \u00fcberholt, funktioniert nicht mehr: Sowohl die kleine Ledermanschette am Pumpenkolben als auch das Druckventil am Fu\u00df erf\u00fcllten nicht mehr ihren Dienst. Es lie\u00df sich kaum Druck aufbauen und der wenige erreichte Druck lie\u00df Petroleum am Pumpenschaft nach oben spritzen.<br \/>\nWas tut der genervte Skipper in dieser Lage? Er schreibt eine Email an Toplicht mit der Bitte um Ersatzteile, denn ausgerechnet diese kleine Ledermanschette ist nat\u00fcrlich nicht im Ersatzteillager und ebenso nicht das Bodenventil. Eine Suche in einem der lokalen Ausr\u00fcster muss man erst gar nicht versuchen. So kommt die kleine Ledermanschette zuverl\u00e4ssig und schnell von Toplicht versandt per Post in die Marina auf Guadeloupe und das Bodenventil wird mit einer Feder aus einem Kugelschreiber und einem St\u00fcck Gummi von einem O-Ring aus der Grabbelkiste repariert. Nun faucht er wieder unser Taylor, l\u00e4\u00dft Wasser in wenigen Minuten zum Kochen kommen und sorgt auch f\u00fcr frisches Brot und k\u00f6stliche Aufl\u00e4ufe aus dem Backofen. Ein Hoch auf Petroleum und auf die Helden von Toplicht!<\/p>\n<p>P. S. Neulich lief uns ein Amerikaner \u00fcber den Weg mit v\u00f6llig verkl\u00e4rtem Gesicht, weil es ihm gelungen war seine Gasflasche vor Ort bef\u00fcllen zu lassen. Seine Worte: &#8222;I managed something great today&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Skipper erinnert sich an folgende Begebenheit von vor vielen, vielen Jahren: Mit einer alten kleinen Holzyacht war die ganze Familie, zwei Erwachsene und vier Kinder, Anfang Oktober auf der Elbe nach Cuxhaven gesegelt. 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