{"id":451,"date":"2018-01-28T21:53:34","date_gmt":"2018-01-28T21:53:34","guid":{"rendered":"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=451"},"modified":"2018-01-28T22:11:04","modified_gmt":"2018-01-28T22:11:04","slug":"man-against-machine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=451","title":{"rendered":"Man against Machine"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man von St. Lucia nach Martinique m\u00f6chte, dann muss man in St. Lucia ausklarieren. Dieser Begriff ist den Seglern in Nordeuropa irgendwie abhanden gekommen. Denn seit offener Grenzen in Europa f\u00e4hrt man von Deutschland nach D\u00e4nemark oder nach England oder in die Niederlande und macht je nach Geschmack in jedem Hafen fest, geht an Land ohne Gedanken an Grenzen, Hoheitsgebiete oder gar Kontollen. Gelegentlich soll zwar mal der Zoll vorbeikommen. Der ist dann aber immer freundlich, fragt nach dem Woher und Wohin, ob an Bord etwas zu deklarieren sei, und w\u00fcnscht dann eine gute Reise.<br \/>\nGanz anders au\u00dferhalb der Grenzen der EU. Da wird immer noch ein- und ausklariert nach Herzenslust mit vielen Stempeln, Formularen, Crewlisten, Blaupapier und das alles \u00fcberwacht von strengen Menschen in eindrucksvollen Uniformen und noch eindrucksvolleren M\u00fctzen, die ihre Aufgabe sehr ernst nehmen.<br \/>\nSo auch diesmal in St. Lucia: Der Skipper ist mit dem Beiboot gegen den Wind ca. 1 Meile vom Ankerplatz in den Hafen gepullt im Gep\u00e4ck die Schiffspapiere. Was der Skipper allerdings \u00fcbersehen hatte: Der strenge Offizielle will sich mit seinen Stempeln auch in den P\u00e4ssen der Crew verewigen: &#8222;That\u00b4s common sense!&#8220;, sagt er ohne mit der Wimper zu zucken. Und die P\u00e4sse sind noch an Bord! Da\u00a0 hilft keine trauriger Blick und kein Appell an die Gutm\u00fctigkeit des Vertreters der Staatsgewalt von St. Lucia. Der Skipper muss die Meile zum Schiff zur\u00fcck und dann mit P\u00e4ssen wieder ein Meile gegen den Wind in den Hafen. Vielleicht w\u00fcrde sich ja einer der Segelkameraden mit ihren gut motorisierten Schlauchbooten erbarmen und einen Schlepp anbieten. Doch diesmal nicht! Als wolle der Himmel diese Lektion in Sorgfalt besonders tief einbrennen, flitzen mehrere Schlauchboote vorbei ohne irgendwelche Zeichen von Hilfsbereitschaft. Etwas 40 Minuten sp\u00e4ter und um einige Schwei\u00dfperlen auf der Stirn reicher, ist die leidige Prozedur dann erledigt, die P\u00e4sse gestempelt, das Ausreiseformular unterschrieben, die Crewliste in 3-facher Ausf\u00fchrung in den Akten abgelegt und die Zora frei zu segeln, wohin sie m\u00f6chte. Das tut sie dann auch schleunigst, kehrt St. Lucia den Spiegel zu und verschwindet nach Norden in Richtung Martinique.<\/p>\n<p>Die Erinnerung an dieses Erlebnis bewegt die Crew eine Weile und man fragt sich, wie solche Probleme in Zukunft zu vermeiden, bzw. zu entsch\u00e4rfen w\u00e4ren. Immer mehr dr\u00e4ngt sich die Erkenntnis auf, dass das Dinghi vielleicht doch einen Aussenborder braucht. \u00dcber Jahrzehnte waren wir unterwegs in Nord- und Ostsee und haben das l\u00e4rmende Utensil nie vermisst. Ganz im Gegenteil, wir haben uns mehr \u00fcber die randalierenden Jugendlichen ge\u00e4rgert, die mit dem elterlichen Radiergummi die Ruhe am Ankerplatz st\u00f6rten. Auch die Kinder haben mit Hingabe gepullt und nach langen Segeltagen \u00fcbersch\u00fcssige Energie ohne Knattern abgebaut. Diese Philosophie sollte uns auch auf der Westseite des Atlantiks begleiten. Aber wir m\u00fcssen eingestehen, dass die Umst\u00e4nde hier ganz andere sind: Gute Ankerpl\u00e4tze sind oft weit von H\u00e4fen und Einkaufsm\u00f6glichkeiten. In St. Lucia z. B. fahren die Mitglieder im Club der Knatterb\u00fcchsen mit dem Dinghi direkt zur &#8222;Mall&#8220;, w\u00e4hrend die heldenhaften Ruderer schwei\u00dfgebadet mit Rucksack einen 2km weiten Bogen an einer vielbefahrenen Stra\u00dfe bew\u00e4ltigen, zweimal wohlgemerkt mit ordentlich Gewicht auf dem R\u00fcckweg.<\/p>\n<p>Die Gelegenheit, bzw. Versuchung, bietet sich dann schon zwei Tage sp\u00e4ter in der Marina von Marin. Bei einem der Ausr\u00fcster steht ein kleiner Honda mit 2,5 PS im Schaufenster. Der w\u00e4re genau das Richtige und selbst der Preis ist gerade noch akzeptabel. \u00dcber den Einkauf diskutiert die Crew einen Abend und wirft dann die alten Vorbehalte \u00fcber Bord. Am n\u00e4chsten Morgen geht\u00b4s zur\u00fcck nach Marin, diesmal mit Bus aus dem h\u00fcbschen St. Anne. Der Skipper marschiert geradewegs zum Verk\u00e4ufer und erkl\u00e4rt, er wolle das Mot\u00f6rchen kaufen und auch gleich mitnehnmen. So schnell geht\u00b4s dann allerdings nicht: Der Motor braucht noch seine erste Wartung und muss auch mit \u00d6l bef\u00fcllt werden. W\u00e4hrend das geschieht sitzt die Crew im Caf\u00e9 und \u00fcberlegt wie es wohl sein wird im Club der Knatterb\u00fcchsen.<\/p>\n<p>Die Realit\u00e4t l\u00e4sst nicht lange auf sich warten: Der Verk\u00e4ufer f\u00e4hrt Motor und Crew in seinem Lieferwagen bis ans Dinghi Dock in St. Anne. Der Skipper bringt es dann sogar noch fertig das Ding zu starten, obwohl beim Herunterreichen ins Beiboot der Vergaser \u00fcbergelaufen ist und mindestens 100 Mal an der Strippe gezogen werden muss. Als das Mot\u00f6rchen schlie\u00dflich l\u00e4uft, f\u00e4llt die Crew um ein Haar ins Wasser, denn der Gasgriff steht auf Vollgas und das Ding hat eine Fliehkraftkupplung, die das Boot schlagartig losschie\u00dfen l\u00e4sst&#8230; Dieses Erlebnis und die Erkenntnis, dass man nun das Dinghi immer anschlie\u00dfen muss, d\u00e4mpfen den Enthusiasmus. Aber schon am n\u00e4chsten Tag in der Anse d\u00b4Arlet geniessen wir die neuen M\u00f6glichkeiten und unternehmen eine Besichtigungstour der Bucht unter Motor, der bei halber Kraft, unser kleines Boot sehr zufriedenstellend bewegt und dabei nicht einmal so schrecklich knattert&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man von St. Lucia nach Martinique m\u00f6chte, dann muss man in St. Lucia ausklarieren. Dieser Begriff ist den Seglern in Nordeuropa irgendwie abhanden gekommen. 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