{"id":229,"date":"2017-10-10T19:42:12","date_gmt":"2017-10-10T19:42:12","guid":{"rendered":"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=229"},"modified":"2017-10-10T19:44:36","modified_gmt":"2017-10-10T19:44:36","slug":"der-passagier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=229","title":{"rendered":"Der Passagier\u00a0"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><span style=\"font-size: 1rem;\">Von der Besteigung des Pico do Ruivo kehren Rahel, Marcel und Tobias m\u00fcde aber gl\u00fccklich gegen Abend zur\u00fcck. An Bord finden sie Juri vor, der wegen eines Knieproblems nicht in die Berge mitkommen wollte. Aber auch er hat einen sch\u00f6nen Tag in Funchal verbracht und au\u00dferdem Johannes kennengelernt. Juri nennt ihn einen\u00a0 Landstreicher, der seit 42 Tagen auf Madeira lebt und sich nur von Fr\u00fcchten ern\u00e4hrt. Nun allerdings m\u00f6chte Johannes woanders hin und hat sich \u00fcberlegt, er k\u00f6nne doch mit einer Yacht auf die Kanaren segeln.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_230\" aria-describedby=\"caption-attachment-230\" style=\"width: 5344px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171001_14_20_51_Pro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-230\" src=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171001_14_20_51_Pro.jpg\" alt=\"\" width=\"5344\" height=\"3008\" srcset=\"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171001_14_20_51_Pro.jpg 5344w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171001_14_20_51_Pro-300x169.jpg 300w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171001_14_20_51_Pro-768x432.jpg 768w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171001_14_20_51_Pro-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 5344px) 100vw, 5344px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-230\" class=\"wp-caption-text\">Auf dem Weg zum Pico do Ruivo<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Hafen ist er bei den meisten Schiffen abgeblitzt, aber Juri findet ihn nett und wirbt daf\u00fcr ihn doch mitzunehmen. Der Rest der Crew und insbesondere der Skipper ist skeptisch. Er denkt an Erfahrungen mit Leuten, die wegen Seekrankheit \u00fcber Bord springen wollten. Aber wir\u00a0 wollen\u00a0 Johannes kennen lernen und dann die Sache noch einmal besprechen.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag erscheint Johannes dann zum Vorstellungsgespr\u00e4ch. Er hat in Marburg sein Soziologie Studium abgeschlossen und macht jetzt einen ausgedehnten low-Budget Urlaub. Dass er seit 6 Wochen nur von Fr\u00fcchten lebt, kann man ihm ansehen&#8230; Er wirkt als k\u00f6nne er eine gute Mahlzeit mit ordentlich Kalorien gebrauchen.<\/p>\n<p>Nun denn! Nach dem Vorstellungsgespr\u00e4ch bespricht die Crew das Projekt noch einmal und es wird beschlossen, Johannes mitzunehmen. Sollte er ernsthaft seekrank werden, w\u00fcrden wir das ziemlich rasch merken und dann umkehren. Das alles bekommt Johannes zu h\u00f6ren. Dar\u00fcber hinaus allerlei Gruselgeschichten farbenfroh ausgeschm\u00fcckt durch Marcel. Aber Johannes l\u00e4\u00dft sich nicht abschrecken und unterschreibt auch eine Haftungsausschlu\u00dferkl\u00e4rung, die ihm der Skipper abverlangt.<\/p>\n<p>So! Jetzt haben wir also einen Passagier! Mit dem an Bord geht es nach einem guten Abendessen los in Richtung Selvagens und Teneriffa. Vor dem Hafen kommt die Zora ziemlich schnell bei wenig Wind ins Rollen und Johannes macht gro\u00dfe Augen, versucht aber Contenance zu bewahren. Eine Weile lang schlagen die Segel und Zora schleicht weg vom Land. Dann innerhalb von Sekunden f\u00e4llt der Wind ein. In der Dunkelheit ist die St\u00e4rke schwer zu sch\u00e4tzen. Aber das Wasser fliegt und das Ruder ist kaum zu halten. Der Skipper br\u00fcllt \u201eAll Hands\u201c zum Reffen, aber bis Juri und Marcel aus ihren Kojen kommen, vergeht eine Weile. In der Zwischenzeit f\u00e4ngt es vom Vorschiff zu knallen an. Kurz darauf fliegt der Kl\u00fcver aus der Kederschiene an der Rollanlage und weht vom Masttop nach Lee. Noch ehe der Skipper \u00fcberlegen kann, was zu tun ist, l\u00f6st sich der Kl\u00fcver im Top, landet im Wasser und wirkt wie ein gigantischer Treibanker. Nur an den Schoten ist der noch mit dem Schiff verbunden. Mit einem Kraftakt holen wir das nasse gro\u00dfe Segel ein und stopfen es in in den Niedergang. Dann reffen wir das Gro\u00df, setzen die Fock und sind bald \u00a0wieder auf Kurs. Die Welle ist kurz und unangenehm. Das bringt bei Juri die Seekrankheit wieder zum Ausbruch und er verschwindet mit der P\u00fctz im Schlepptau unter Deck. Johannes, unser Passagier, ist leichblass und sieht sein letzes St\u00fcndlein geschlagen.<\/p>\n<p>Aber Zora und der Rest der Crew, Rahel, Marcel und der Skipper, haben den kleinen Schreck schon weggesteckt, teilen die Wachen neu auf und fangen an das Segeln zu genie\u00dfen. Durch die Nacht geht es in Richtung Ilhas Selvagens.\u00a0Erstaunlicherweise ist unser Passagier zwar verschreckt, aber nicht seekrank und sitzt im Salon meditierend auf der Koje und knabbert an seinen Bananen.<\/p>\n<p>Bei Sonnenaufgang k\u00f6nnen wir zum ersten Mal erkennen, dass wir doch eine Menge Wind haben und die Welle erstaunlicherweise recht kurz und steil ist. Zora zieht von Hugo magisch auf Kurs gehalten durch die Kabbelsee, rollt aber doch gelegentlich bis zu 30 Grad. Gelegentlich steckt unser Passagier die Nase aus dem Niedergang und verschwindet dann wieder in seiner Koje. Das Kochen und Essen werden ein bisschen m\u00fchsam, weil man nirgends etwas abstellen kann, ohne dass es kurz darauf in hohem Bogen durch die Luft fliegt. Juri ist dementsprechend immer noch seekrank. Aber immerhin kommen wir flott voran. So flott sogar, dass unser Zeitplan aus den Fugen ger\u00e4t: Die erwartete Ankunftzeit auf Selvagens Grande liegt mitten in der Nacht. Deshalb drehen wir Zora f\u00fcr 6 Stunden w\u00e4hrend der Nacht bei, \u00a0und da nirgends um uns herum irgendetwas optisch oder auf dem AIS zu sehen ist, legen wir uns alle schlafen. Der Skipper immerhin im \u00d6lzeug, falls rasches Handeln erforderlich sein sollte.<\/p>\n<p>Sechs Stunden sp\u00e4ter klingelt der Wecker und laut GPS sind wir gerade mal 6 Meilen gedriftet &#8211; noch dazu in die richtige Richtung. Also Fock wieder nach Lee, Ruder losgebunden und weiter auf unserem Kurs. Gegen 08:00 in der ersten D\u00e4mmerung k\u00f6nnen wir Selvagens Grande erkennen und eine Stunde sp\u00e4ter liegen wir in der Ensenada das Cagarras auf 14m Wassertiefe vor Anker. Das Wasser ist so klar, dass wir das leuchtende Gelb auf unserem tollen Spade in der Tiefe leuchten sehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_231\" aria-describedby=\"caption-attachment-231\" style=\"width: 5344px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_19_56_Pro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-231 size-full\" src=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_19_56_Pro.jpg\" alt=\"\" width=\"5344\" height=\"3008\" srcset=\"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_19_56_Pro.jpg 5344w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_19_56_Pro-300x169.jpg 300w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_19_56_Pro-768x432.jpg 768w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_19_56_Pro-1024x576.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 5344px) 100vw, 5344px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-231\" class=\"wp-caption-text\">Vor Anker auf Selvagens Grande<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ruhe an Bord lassen in Juri wieder die Lebensgeister erwachen und selbst unser Passagier wagt sich zum Fr\u00fchst\u00fcck ins Cockpit. Unseren Kaffee trinkt er gerne, aber unser Brot und unseren K\u00e4se verschm\u00e4ht der Rohkostler&#8230;<\/p>\n<p>Den Tag verbringen wir mit Baden und mit Reparaturen am Rigg: Der Kl\u00fcver wird einigermassen an Deck gepackt und der Reservekl\u00fcver in die Rollanlage eingezogen. Ausser einem Riss im Segel am Keder scheint sonst alles heil geblieben zu sein. Wir vermuten, dass sich der Sch\u00e4kel am Hals des Segels ge\u00f6ffnet hat und so die Havarie ausgel\u00f6st wurde. Am Abend bekommen wir dann eine lange ausf\u00fchrliche F\u00fchrung \u00fcber Selvagens Grande. Die Einladung zum Abendessen m\u00fcssen wir leider ausschlagen, da wir noch am Abend weitersegeln wollen. Schade eigentlich!<\/p>\n<figure id=\"attachment_232\" aria-describedby=\"caption-attachment-232\" style=\"width: 525px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_30_39_Pro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-232\" src=\"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_30_39_Pro-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_30_39_Pro-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_30_39_Pro-300x169.jpg 300w, https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/WP_20171004_16_30_39_Pro-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-232\" class=\"wp-caption-text\">Die Crew mit Passgier Johannes im Hintergrund auf Selvagens Grande<\/figcaption><\/figure>\n<p>In die Nacht geht es auf unsere letzte Etappe nach Teneriffa. Der Wind ist ziemlich abgeflaut, so dass wir in Abst\u00e4nden von ein bis zwei Stunden Segel setzen und wieder bergen, insgesamt bestimmt zehn Mal. Schlie\u00dflich taucht in der D\u00e4mmerung Teneriffa auf und gegen Mitternacht sind wir im Hafen von Santa Cruz. Zwei junge Holl\u00e4nder begr\u00fc\u00dfen uns freundlich und geben noch eine Runde Rotwein aus, der uns noch bis drei wach h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen verabschiedet sich dann noch vor dem Fr\u00fchst\u00fcck unser Passagier. Ich glaube, wir werden langfristig nicht in die Passagierfahrt einsteigen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-229","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/229","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=229"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/229\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":235,"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/229\/revisions\/235"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=229"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=229"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=229"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}