{"id":225,"date":"2017-10-01T21:22:51","date_gmt":"2017-10-01T21:22:51","guid":{"rendered":"http:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=225"},"modified":"2017-10-01T21:22:51","modified_gmt":"2017-10-01T21:22:51","slug":"lissabon-madeira","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/haas-altona.de\/atlantik\/?p=225","title":{"rendered":"Lissabon Madeira"},"content":{"rendered":"<p>Freitag, 22. September 2017<\/p>\n<p>Auch dieser Trip beginnt nat\u00fcrlich in \u00fcblicher Haas-Manier: \u201eOh ist es schon halb zw\u00f6lf?\u201c Aber wie immer schaffen wir es dann doch p\u00fcnktlich zum Flughafen. Zwar bedarf es einer kleinen Umpackaktion, um die Gewichtsregularieren der Fluggesellschaft einzuhalten, aber danach l\u00e4uft alles glatt. Sehr zum Erstaunen unseres Skippers. Alles Gep\u00e4ckst\u00fccke da, immer die richtige Bahn erwischt, Boot schwimmt noch, wie es soll und Abendessen schmeckt. Ah, Moment. Das stimmt nicht so ganz. Auch wenn ich mich im Flieger noch auf alles vorbereite , indem ich die Sammlung von Berichten \u00fcber gesunkene Segler \u201eTotal Loss\u201c lese, konnte die Lekt\u00fcre mich nicht auf diesen \u201eTotal Loss\u201c vorbereiten. Die gesamte Ladung Nudeln ging schnurstracks \u00fcber Bord. Jeglicher Versuch der Crew durch verzweifeltes Hinzuf\u00fcgen von Salz und Pfeffer war absolut vergeblich und schlie\u00dflich mussten wir aufgeben. Was passiert war: Der Frischwasserhahn am Waschbecken war nach langem Nichtbenutzen noch etwas widerspenstig, da nahm Tobias stattdessen ein bisschen Mineralwasser. Allerdings handelte es sich bei der unetikettierten Flasche nicht um Frischwasser, sondern um Tonic Water. Einen Versuch es mit Gin zu verbessern haben wir unterlassen, aber sollte einer unser Leser damit Erfahrung gemacht haben, w\u00fcrden wir uns sehr \u00fcber einen Erfahrungsaustausch freuen.<\/p>\n<p>Samstag, 23. September 2017<\/p>\n<p>Wenn du hast Schei\u00dfe am Schuh, dann hast du Schei\u00dfe am Schuh. Tja auch im sonnigen Cascais ist man nicht davor gefeit in Schei\u00dfe zu treten, um so \u00e4rgerlicher, wenn diese im eigenen Boot schwimmt. Ein Au\u00dfenstehender k\u00f6nnte wohl berichtigte Zweifel stellen, ob es sich wirklich um erholsamen Urlaub handelt, wenn man am ersten Tag erst mal das Klo reparieren muss und dann Teile des Bootes mit dessen Inhalt fluten. Allen Zweiflern sei gesagt, alle Beteiligten k\u00f6nnen es auch nicht verstehen.<\/p>\n<p>Juri und Rahel sind unterdessen mit einem Gro\u00dfeinkauf besch\u00e4ftigt und kommen voll beladen wieder. Nur noch wenige weitere Vorbereitungen und wir legen ab. L\u00e4sst man ein paar Details wenig, war unsere Abfahrt sogar entspannt. Diese Kleinigkeiten w\u00e4ren Diesel, Navigations-iPad, aber wer will schon Details. Wir schauen schnell dr\u00fcber hinweg, denn wir sind hei\u00df auf segeln! W\u00e4hrend einige sich nach dem Abendessen (ohne Tonic, der flog in den M\u00fcll) schnell in die Koje verkr\u00fcmelten, genossen andere den tollen Sonnenuntergang.<\/p>\n<p>Sonntag, 24. September 2017<\/p>\n<p>Die ersten 24h Segeln sind unheimlich entspannt. Zwar ist der Anfang noch nicht sehr erholsam, da wir uns alle erst wieder an das Schaukeln auf See gew\u00f6hnen m\u00fcssen, aber schon bei den ersten Sonnenstrahlen sind alle schwer beeindruckt von dem langen und hohen Atlantikschwell.<\/p>\n<p>Da uns der Wind ein bisschen im Stich l\u00e4sst, beschlie\u00dfen Tobias und Juri die K\u00f6pfe zusammen zu stecken und das Modem f\u00fcr das Kurzwellenfunkger\u00e4t zu reparieren. Vereinte Kr\u00e4fte, gr\u00fcbeln, messen, l\u00f6ten, denken und nach mehreren Stunden: \u201eDie Hardware geht. Nur noch die Software.\u201c Aber das wird vertagt.<\/p>\n<p>Mittlerweile versuchen wir anderen beiden die Zeit tot zu schlagen. Dank Windsteueranlage, die sogar den Steuermann der Pinta alt aussehen lassen w\u00fcrde, gibt es nichts zu tun, au\u00dfer zu checken, dass alle anderen Schiffe mehr als 30nm entfernt sind, gelegentlich Essen machen und so wird gelesen, gestrickt und gegessen. Juri bringt es auf den Punkt, der einzige Unterschied, wenn man auf Wache ist, man d\u00fcrfe nicht schlafen.<\/p>\n<p>Montag, 25. September 2017<\/p>\n<p>Als ich heute um sechs Tobias von seiner Wache abl\u00f6ste, schw\u00e4rmt er von einer mitn\u00e4chtlichen \u00d6ffnung der dichten Wolkendecke, sodass er den Orion bestaunen konnte. In der Tat ist der Sternenhimmel mitten auf dem Meer spektakul\u00e4r.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter am Tag gibt es pl\u00f6tzlich einen Aufschrei. Die Crew an Deck ist schon sehr irritiert. Tobias hat es nun auch die Software richtig eingestellt und die erste Email verschickt. Kurze Zeit sp\u00e4ter sind wir dann auch in freudiger Konversation via Kurzwelle mit Leuten aus Finnland, Deutschland und Gran Canaria. Hauptgrund war nat\u00fcrlich, dass wir die Wahlergebnisse erfahren wollten, die erhaltene Nachrichten wollen nicht weiter kommentieren.<\/p>\n<p>In der Nacht packt Tobias erneut die astronomische Entdeckerfreude erneut und gemeinsam arbeiten wir uns durch Sternenkarten. Ich als absoluter Astronomielaie, entdecke echt vieles.<\/p>\n<p>Dienstag, 26. September 2017<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Morgen beginnt stressig. Es sollte bis zehn Uhr dauern, bis wir endlich Fr\u00fchst\u00fcck bekommen sollten. Bis dahin werden wir mehr Man\u00f6ver fahren als die ganze Tour zu vor. Es ist immer wieder eine Freude vom Skipper eine Stunde vor der Wache geweckt zu werden. Aber gut, damit es heute Brot geben kann, muss erst das Petroleum aus der Backskiste unter der Pinne geborgen werden. Also geben wir Diego (die Windsteueranlage ist mittlerweile von einigen so getaut, ein anderer Teil der Crew nennt sie Hugo) kurzer Hand eine Pause vom steuern und legen uns kurz back. Nachdem wir wieder auf Kurs sind merken wir, der Wind hat gedreht und wir fahren genau dort hin, wo wir das Hochdruckgebiet vermuten. Es ist schon ein wenig lustig, dass man eine Halse mitten auf dem Meer f\u00e4hrt ohne, dass jemand am Ruder ist. Im Wesentlichen muss eigentlich nur der Kl\u00fcver auf die andere Seite ausgebaut werden, aber das erfordert schon vier H\u00e4nde auf dem Vorschiff. Ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme gelingt uns das Man\u00f6ver und die aufwachende restliche Crew stellt belustigt fest: &#8222;Menschen, hier oben sieht es ja ganz anders aus.&#8220;<\/p>\n<p>Ansonsten \u00e4hneln sich unsere Tage. Bis pl\u00f6tzlich am Horizont ein Segel auftaucht. Emp\u00f6rung macht sich breit. Jemand ohne AIS hat sich von hinten an uns heran geschlichen. Das motiviert uns, dann doch einmal unseren Trim zu begutachten und hier einen bisschen zu fieren und da etwas anziehen und schon verschwindet das Segel auch wieder hinterm Horizont. Denen haben wir es gezeigt! Skipper ist stolz und spendiert drei 20cl Biere (Crew + Skipper = 4 Personen)&#8230; Hoffentlich holt uns nicht noch jemand ein, Angst macht sich breit, was wohl dann passiert, gibt es dann zwei 20cl?.<\/p>\n<p>Mittwoch, 27. September 2017<\/p>\n<p>Nach knapp 75h liegen vor uns nur noch 236nm und es wird gewettet, wann die Zora Funchal erreichen wird. Grundoptimist Juri sagt, wir brauchen noch 39h, Tobias und Rahel sind mit 48h und 49h, was mich dann wohl mit 53h zum Pessimisten macht. Wirklich mehr ist nicht passiert.<\/p>\n<p>Donnerstag, 28. September 2017<\/p>\n<p>Was die Gripfiles schon angedroht haben, ist dann gegen Mitternacht, nat\u00fcrlich w\u00e4hrend meiner Wache, auch eingetreten. Der Wind ist eingeschlafen und wir treiben vor uns dahin. Das Schlimmste jedoch ist das dauerhafte Rollen des Bootes. Aber gl\u00fccklicherweise l\u00e4sst nach und nach auch die Welle nach. Allm\u00e4hlich hat sich endg\u00fcltig eine Tagesroutine eingestellt. Die erste Tageswache f\u00e4hrt Man\u00f6ver falls n\u00f6tig, denn in der Dunkelheit wollen wir nicht auf dem Vordeck mit dem Kl\u00fcverbaum jonglieren. Es ist halt ein Cruise und kein Race. Heute besteht das Man\u00f6ver aus Segel bergen, und dann wie immer Fr\u00fchst\u00fcck. Juri macht nicht nur frisch gebackenes Brot, sondern auch Spiegeleier. Vormittags wird dann gearbeitet. Heute werden zwei neue Innovationen von Tobias installiert. Nach dem die Segel geborgen sind, kann der Gro\u00dfbaum zweckentfremdet werden. Alle sind sich einig, dass das selbst entworfene Sonnensegel die Lebensqualit\u00e4t unseres Nichtstun enorm steigert. Wie Beduinen sitzen wir im gem\u00fctlichen Schatten. Aber total nervig ist, wir m\u00fcssen selber steuern. Diego kennt nat\u00fcrlich Motoren nicht und dem entsprechend verweigert auch weiter zu steuern. Aber Innovation Nummer zwei sollte uns, dass mittlerweile verlernte Steuern, wieder abnehmen. Eine Tupperdose! Ja in der Tat, diese tolle Box, in der wir unsere \u00c4pfel, Brote, Salate oder was auch immer zur Arbeit, Schule oder sonst wo mit nehmen. Nun zu gegebener Ma\u00dfen unterscheidet sich diese Dose ein wenig, wie sie \u00fcblicherweise ist. Zum einen sind in drei W\u00e4nden jeweils ein Stecker eingelassen und im Deckel eine Autopiloteinheit, die durch eine externe Kompasseinheit mit einem Kurs versorgt wird (Stahlschiff und Kompanten sind bekanntlich nur begrenzt kompatibel). Der Autopilot sendet dann an eine Steuereinheit und nach zwei Kalibrierungskreisen sind wir wieder besch\u00e4ftigungslos. Denn wir erwarten, dass der Wind erst wieder einsetzen wird, wenn wir Madeira schon erreicht haben. So bleibt Zeit f\u00fcr andere Besch\u00e4ftigungen, so hat Rahel seit dem Ablegen einen Pullover gestrickt und heute fr\u00fch ist ein Sockenpaar in Produktion gegangen. Juri, und f\u00fcr Leute, die ihn schon etwas l\u00e4nger kennen, entdecken vielleicht die Pointe, arbeitet sich durch ein Buch, das knapp 2,4 Kilo wiegt. Tobias baut und bastelt oder h\u00e4lt unser Leben mit der GoPro fest. Wenn ich nicht gerade ma\u00dflos viele quatsche, schreibe ich an diesem Blog. Die anderen ermuntern mich auch flei\u00dfig, dass er auch sehr ausf\u00fchrlich sein kann, was auch immer das hei\u00dfen mag&#8230;<\/p>\n<p>1500 hei\u00dft es gesammelte Mannschaft antreten und an der Reling aufstellen. Es ist Waschraum! Ein Gl\u00fcck wir konnten uns echt schon nicht mehr riechen. Wow wir baden in \u00fcber 4400 Meter tiefen Wasser und es ist so unglaublich klar. Naja, Juris Kommentar: &#8222;Hilft uns Brillentr\u00e4gern auch nicht wirklich.&#8220; Nachdem wir wieder unsere Fahrt unter Motor aufgenommen haben, fliehen wir aufs Vordeck, um m\u00f6glichst viel Abstand zum l\u00e4rmenden Motor zu bekommen, was Juri dazu veranlasst die Nacht drau\u00dfen zu schlafen. Ich beschlie\u00dfe kurzer Hand zu folgen. Noch war die Nacht ziemlich klar und der Mond fast halb voll erleuchtete alles mehr als ausreichend. Insbesondere das Meeresleuchten war besonders kr\u00e4ftig. Und w\u00e4hrend wir auf dem Deck so liegen, h\u00f6re ich auf der Steuerbordseite ein Ger\u00e4usch. Der Hai wird es wohl nicht sein, den wir am Abend in einigem Abstand gesehen haben. Als ich dann endlich die Brille auf habe, ist mir klar das es ein Delphin ist. Schnell rufen wir die anderen an Deck. Denn besonders spektakul\u00e4r ist, dass das Auf- und Wiedereintauchen des Tieres ebenso Meeresleuchten produziert. Leider bleiben die beiden Delphine nicht lange, sodass Rahel und Tobias sie nicht zu Gesicht bekommen. Alleine deswegen hat es sich schon gelohnt drau\u00dfen zu schlafen.<\/p>\n<p>Donnerstag, 29. September 2017<\/p>\n<p>Donnerstag war wohl der unaufregendste Tag von allen. Wir hatten nichts zu basteln, es war immer noch kein Wind und fuhren mit Motor immer Richtung Westen. Es wurde also gestrickt, gelesen, gegessen und geschlafen. Ah, und wir auf Porto Santo angelegt. Wir wollten nur bei Tageslicht einen unbekannten Hafen erreichen und beschlossen so 30nm vor Madeira die ehemalige Heimat von Christoph Kolumbus anzulaufen. Mensch, war die Dusche toll! Freitag soll auch endlich der Wind wieder einsetzen, sodass wir die Etappe nach Madeira segelnd beenden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Freitag, 30. September 2017<\/p>\n<p>Freitag war der Tag der ersten Male. Also seglerisch. Wir mussten zwar wieder unter Motor beginnen, aber nachdem wir aus der Windabdeckung heraus kamen, konnten wir den Gennaker setzen. Ah diese Ruhe und schnell ist es auch noch. Und dann kam schon die n\u00e4chste Premiere. Regen! Irgendwie konnten wir uns alle sehr gut daran erinnern, dass Tobias uns Dauersonne versprochen hatte, aber die Abk\u00fchlung tut trotzdem gut.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich genie\u00dfen wir die Aussicht entlang der S\u00fcdspitze Madeiras entlang zu segeln. Besonders spannend sind da die Flugzeuge, welche im engen Kreis \u00fcber uns die Landebahn auf einer Br\u00fccke anfliegen. Hierbei sieht Rahel auch endlich ihre ersten Delphine. Sie kann wieder beruhigt schlafen.<\/p>\n<p>Den Abend lassen wir mehr als entspannt in einer Bar bei sehr gutem Madeira Wein ausklingen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag, 22. 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